Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Kampf um globale Erwärmung
Klimawandel unter Anlegern

Raus aus Kohle und Öl: Weltweit pochen Investoren auf mehr Klimaschutz. In Deutschland steht der Allianz-Konzern noch weitgehend alleine da.

DüsseldorfIm August 1979 stach die "Esso Atlantic" in See. Mit modernster Messtechnik ausgestattet, sammelten Wissenschaftler des Ölkonzerns Exxon an Bord des Supertankers Proben, untersuchten den CO2-Gehalt in Luft und Meer. Die Studie "Der CO2-Treibhaus-Effekt" datiert vom 12. November 1982 und ist versehen mit dem ausdrücklichen Hinweis, die Ergebnisse nicht an die Öffentlichkeit zu geben.

Die Exxon-Experten schlussfolgerten schon damals, dass eine Erwärmung der Erdatmosphäre drohe und eine "erhebliche Reduktion der Verbrennung von fossiler Ressourcen erforderlich sein würde". Falls nichts unternommen werde, müssten "potenziell katastrophale Folgeereignisse in Betracht gezogen werden", heißt es in dem Dokument, das kürzlich von einem Recherchekonsortium um die "Los Angeles Times" ausgegraben wurde.

Das Management zog sich zur Beratung zurück - und entschied, genug gehört zu haben. Es erkannte, dass der Treibhauseffekt nicht nur das Klima bedrohte, sondern auch die eigene Geschäftsgrundlage. Statt auf Basis der eigenen Studie nach alternativen Energiequellen zu suchen, verlegte sich Exxon auf eine Desinformationskampagne. Es finanzierte Denkfabriken, die Zweifel an der Erderwärmung säten. Seine Aktionäre ließ der Konzern im Dunkeln.

Doch 30 Jahre später ist nicht mehr zu leugnen, was sich damals noch verschleiern ließ. Der Kampf gegen die globale Erwärmung hat dramatische Folgen für die Firmen, die fossile Ressourcen fördern - und damit für Investoren. Die Klimapolitik birgt ein schweres Risiko für die Weltfinanzmärkte.

Um den Treibhauseffekt zu stoppen, müsste der größte Teil der Kohle-, Öl- und Gasreserven im Boden bleiben. Darauf haben Mark Carney, Chef der Bank von England, und Weltbankpräsident Jim Yong Kim hingewiesen. In der Finanzszene hat sich der Begriff "stranded assets" breitgemacht. Diese Vorräte sind nutzlos, gestrandet wie ein Wal. Für die betroffenen Manager bedeutet das: weniger förderbare Ressourcen, weniger Einnahmen.

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