Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Kampf ums Klima

Die USA entdecken den Klimaschutz

Vor 10 Jahren brauchte es einen Jahrhundertsturm und das in den Fluten versunkene New Orleans, um den Amerikanern eine Ahnung von der Zerstörungskraft des Klimawandels zu geben. Heute reicht der normale Gezeitenwechsel.
US-Präsident Barack Obama bei der Bekanntgabe seiner Initiative zur Bekämpfung des Klimawandels. Quelle: dpa
Klimaziele

US-Präsident Barack Obama bei der Bekanntgabe seiner Initiative zur Bekämpfung des Klimawandels.

(Foto: dpa)

WashingtonIm Frühling und im Herbst, wenn Mond und Wind die Springflut antreiben, bedeutet Hochwasser „Land unter“ auf den Straßen von Miami Beach. Geschäfte verbarrikadieren sich hinter Sandsäcken, der Verkehr wird umgeleitet, das Leben erstarrt, bis die Ebbe einsetzt. In Miami Beach ist die Überflutung kein Ausnahmezustand mehr, sie entwickelt sich zum Alltagsphänomen. Genau das macht sie so bedrohlich. „Der Klimawandel ist Realität - und wir spüren die Folgen“, sagt Ben Kirtman, Klimaprofessor der University of Miami.

Es hat gedauert, bis diese Erkenntnis ins Bewusstsein der Amerikaner gekrochen ist. Doch nun teilen 76 Prozent der Amerikaner Kirtmans Einschätzung, dass der Klimawandel Realität ist. Wenn sich die Weltgemeinschaft im Dezember auf einen Klimapakt einigen sollte, dann vor allem deshalb, weil die USA aufgewacht sind.

Die Bastion der Erderwärmungsignoranten ist gefallen. Amerika, die Führungsmacht der Industrienationen, das Land, das mehr CO2 in die Luft gepumpt hat als jedes andere, beginnt, seiner besonderen Verantwortung gerecht zu werden. Der umweltpolitische Umschwung in den USA ist mit einem Namen verbunden: Barack Obama. Dabei war der Mann zunächst eine gewaltige Enttäuschung. Umweltschützer hatten die Hoffnung schon aufgegeben, als sich Obama seiner Vollmachten besann - und mit Emissionsgrenzen für Kraftwerke de facto den Ausstieg aus der Kohleenergie verordnete. Auch Autos und Trucks müssen sparsamer werden. Das Ziel: den CO2-Ausstoß bis 2025 um 26 Prozent unter das Niveau von 2005 zu drücken. Das mag vielen Umweltschützern nicht genügen. Doch es ist ein Anfang. Und vor allem ist es ein Signal. Die Großemittenten China und Indien können sich nicht länger hinter den tatenlosen Amerikanern verstecken.

So heizen Sie im grünen Bereich – und sparen Geld
Neue EU-Regeln
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Pünktlich zum Start der Heizsaison will die EU den Energieverbrauch von Heizungen und Warmwasserbereitern verringern. Alle Geräte, die künftig auf den Markt kommen, müssen energiesparender sein und die EU-Regeln einhalten. Energiefresser werden nach einer Übergangsfrist ganz verboten. Das soll Bürgern beim Stromsparen helfen und das Klima schützen. Ähnliche Auflagen gelten bereits für Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler und Kühlschränke.

Was änderte sich am 26. September?
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Die sogenannte Ökodesign-Richtlinie schreibt der Industrie vor, Produkte umweltgerecht zu gestalten, so dass sie wenig Strom verbrauchen. Heizungsanlagen und Warmwasserbereiter müssen von nun an im Handel ein Energie-Etikett tragen. Für eine bestimmte Leistung dürfen sie nicht mehr als eine bestimmte Energiemenge verbrauchen. Die Kennzeichnungspflicht umfasst laut Industrie Heizgeräte, Heizkessel und Warmwasserbereiter bis 70 Kilowatt, Warmwasserspeicher bis 500 Liter Speichervolumen und Wärmepumpen. Auch Kombinationen dieser Produkte mit Regelungstechnik und Solarunterstützung als Verbundanlage gehören dazu. Es geht dabei nur um neue Geräte.

Was besagt das Energielabel?
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Es gibt an, wie effizient das Gerät mit Energie - etwa Gas, Strom oder Öl - umgeht. Eine Farbskala von grünem A (besonders sparsam) bis rotem G weist den Energieverbrauch aus. So werden zum Beispiel Gas- und Ölheizungen mit Brennwerttechnik in der Regel mit dem sparsamen Buchstaben A bewertet.

Wie viel Geld können Verbraucher sparen?
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Wer seinen alten Boiler gegen einen neuen austauscht, kann laut EU-Kommission bis zu 275 Euro pro Haushalt im Jahr sparen. Neue Geräte benötigten oft nur halb so viel Energie wie alte. Da Heizungen die größten Energieverbraucher im Haushalt sind, können Verbraucher auch da sparen. Private Haushalte verwenden nach Angaben der SPD-Europaabgeordneten Martina Werner im Schnitt 6,4 Prozent ihres Einkommens für den wohnbezogenen Energieverbrauch - davon entfallen ungefähr zwei Drittel auf Heizungskosten. Die EU-Kommission erwartet übrigens nicht, dass die Hersteller die Kosten für neue Geräte wesentlich anheben werden.

Aber hängen die Kosten nicht auch von der Energieart ab?
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Doch. Verbraucher dürften die Aussagekraft des Labels nicht überschätzen, mahnt das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO). Denn bei Heizgeräten sind die Kosten - unabhängig vom Label - ganz verschieden - je nachdem ob Strom, Gas oder Öl gebraucht wird. Im August lagen die Kosten für einen Liter Heizöl im Schnitt gut 20 Prozent unter dem Preis für die entsprechende Energiemenge Erdgas. Zudem kommt es beim Heizen nicht nur auf das einzelne Heizgerät an, sondern auch auf andere Faktoren wie das Alter des Gebäudes oder die Verglasung der Fenster. Die EU-Kommission empfiehlt erneuerbare Energien zu nutzen wie Sonnenkollektoren oder Wärmepumpen.

Sind die neuen EU-Regeln sinnvoll?
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Ja, sagt der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese: „Die Einsparung von Energie und damit CO2 sind ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Treibhausgase und ein wichtiges Signal der Europäischen Union auf dem Weg zur Klimakonferenz in Paris.“ Auch Verbraucherschützer sind zufrieden: „Das reduziert Kosten und ist gut für das Klima“, sagt Monique Goyens von der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc.

Und was hält die Industrie von dem Label?
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Die ist vorbereitet - zumal das Vorhaben lange angekündigt war und es auch für andere Hausgeräte bereits Energielabel gibt. Handwerker und Installateure hoffen auf neue Aufträge. Die EU-Vorgaben seien „klare Impulse, die helfen, den langersehnten Modernisierungsstau in deutschen Kellern aufzulösen“, schreibt der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK).

Obama dient seine Klimadiplomatie als Beweis, dass Amerika, die erschöpfte Weltmacht, noch führen kann: „Weil die Vereinigten Staaten mit gutem Beispiel vorangehen, haben bis heute 150 Länder, die für mehr als 85 Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich sind, Pläne zur Verringerung ihrer CO2-Emissionen vorgelegt.“

Die Frage lautet: Reicht das? Die Antwort: wahrscheinlich nicht. Was auch immer auf dem Pariser Gipfel beschlossen werden wird - „es kann nur ein Anfang sein“, sagt Klimaforscher Kirtman. Die Widerstände aber sind beträchtlich. Die Rohstoffbranche bekämpft den Klimaschutz verbissen, ihr politischer Arm sind die Republikaner. Sie argumentieren, dass sich die Erderwärmung nicht bekämpfen ließe, ohne die Wirtschaft zu zerstören.

Obama schwärmt von nachhaltigem Wachstum
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