Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Klima-Ökonom Edenhofer
„Die Kosten können um das Dreifache steigen“

Der Klima-Ökonom gilt als einer der führenden Köpfe der Klimadebatte. Im Interview spricht Ottmar Edenhofer über effektive Klimapolitik, fortschrittliche Technologien und negative Emissionen.

BerlinZiel der Weltgemeinschaft ist, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Damit das gelingt, hält Edenhofer, einer der führenden Köpfe in der Klimadebatte, "negative Emissionen" für unverzichtbar. Dabei geht es darum, der Atmosphäre CO2 zu entziehen.

Herr Edenhofer, welche Bedeutung haben negative Emissionen?
Für einen ambitionierten Klimaschutz benötigen wir negative Emissionen: Manche industriellen Prozesse sind ohne fossile Energieträger nicht vorstellbar; der Einstieg in eine effektive Klimapolitik lässt bislang noch auf sich warten, die Renaissance der Kohle ist noch nicht zu Ende. Wenn wir daher die Zwei-Grad-Grenze einhalten wollen, sind negative Emissionen wichtig.

Verleitet das nicht zur Nachlässigkeit? Man kann die Problemlösung verschieben ...
Diese Gefahr sehe ich durchaus. Es wäre in der Tat fahrlässig, wenn wir die Emissionen weiter ansteigen lassen, weil wir auf Technologien wetten, die uns erst in der Zukunft zur Verfügung stehen werden. Selbst wenn uns bald der Einstieg in die Klimapolitik gelingt, sind negative Emissionen unverzichtbar. Wenn man das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollte, wie es etwa einige besonders vom Klimawandel bedrohte Staaten fordern, würde diese Option noch wichtiger werden.

Sind negative Emissionen nicht eine Utopie?
Negative Emissionen werden in der Öffentlichkeit gelegentlich als spinnerte Idee verzweifelter Wissenschaftler dargestellt, die ihre Szenarien irgendwie auf eine Zielerreichung hinbiegen wollen. Aber Aufforstung ist bereits eine verfügbare klimapolitische Option und hat mit Spinnerei nichts zu tun. Durch fortgeschrittene Methoden der Bioenergie-Nutzung ergeben sich in Kombination mit Carbon Capture and Storage (CCS) neue Möglichkeiten, die man nicht ungenutzt lassen darf. CCS funktioniert bereits heute, auch wenn das Thema in Europa nicht sonderlich beliebt ist. Die Herausforderung ist, das Verfahren im industriellen Maßstab zu skalieren und wirtschaftlich zu machen.

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Akzeptanzprobleme in Deutschland

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