Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Klimagipfel in Paris
Das Zwei-Grad-Ziel wankt

Kohle, Öl und Gas sind die wichtigsten Energiequellen, und die gefährlichsten für das Klima. Die Wirtschaft glaubt, dass fossile Träger noch Jahrzehnte gebraucht werden. Egal, was auf der Klimakonferenz beschlossen wird.

Hamburg/Paris Zwei Grad Celsius seit dem Beginn des Industriezeitalters - stärker darf sich die Erdatmosphäre nicht erwärmen, wenn die Folgen beherrschbar bleiben sollen. Darauf hat sich die Weltgemeinschaft verständigt. Ab dem kommenden Montag (30. November) ringen die Staaten beim UN-Klimagipfel in Paris um ein verbindliches Abkommen. Hauptverursacher der Aufheizung sind die fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas. Sie müssten zu großen Teilen im Boden bleiben und dürften nicht mehr verbrannt werden. Ist das angesichts des Energiebedarfs der Menschheit realistisch?

Wie ist die Ausgangslage?
Gegenwärtig leben rund 7,3 Milliarden Menschen auf der Erde. Sie verbrauchten im vergangenen Jahr fast so viel Energie, wie umgerechnet in 13 Milliarden Tonnen Öl steckt. Der Verbrauch solcher Primärenergie aus fossilen Quellen erhöhte sich um 0,9 Prozent - ein relativ geringer Anstieg. In den letzten zehn Jahren lag die Zunahme des globalen Energieverbrauchs im Schnitt bei 2,1 Prozent pro Jahr.

Wie wird dieser weltweite Energieverbrauch gedeckt?
Der wichtigste Energieträger weltweit ist Erdöl mit einem Anteil von einem Drittel. Zusammengenommen decken die fossilen Energien 87 Prozent des weltweiten Bedarfs. Wasserkraft trägt sieben Prozent bei, die erneuerbaren Energien inzwischen zwei Prozent.

Wird der Energieverbrauch weiter steigen, oder kann er auch sinken?
Es gibt keine Indizien für einen sinkenden Energieverbrauch, wenn man den Vorhersagen multinationaler Organisationen und großer Konzerne folgt. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris rechnet zum Beispiel mit einem Wachstum des globalen Verbrauchs um ein Drittel bis 2040, BP mit einem Plus von 37 Prozent von 2013 bis 2035. Das sind 1,4 Prozent in jedem Jahr. Sparmöglichkeiten in Industrieländern und mehr Energieeffizienz sind in den Prognosen schon berücksichtigt.

Warum verbraucht die Welt immer mehr Energie?

In den Industriestaaten nimmt der Energieverbrauch nicht mehr zu, aber außerhalb der OECD vor allem in den Schwellenländern. Wichtiger Treiber ist die wachsende Weltbevölkerung. Sie soll von heute 7,3 Milliarden bis 2040 auf rund 9 Milliarden Menschen steigen. Jeder benötigt Nahrung und Energie. Verstädterung ist ein mächtiger Trend, und Städter verbrauchen mehr Energie als Landbewohner. Die Menschen werden zudem wohlhabender: Während die Weltbevölkerung um 30 Prozent zunimmt, erhöht sich die Wirtschaftsleistung bis 2040 um 140 Prozent. Die globale Mittelklasse könnte sich bis 2030 auf 4,7 Milliarden Menschen mehr als verdoppeln - ebenso die Zahl der Autos bis 2040 auf 1,8 Milliarden. Das bedeutet rechnerisch ein zusätzliches Auto pro Sekunde, 25 Jahre lang. Dies alles treibt den Energieverbrauch nach oben: In 20 Jahren sollen es 17,5 Milliarden Tonnen Öleinheiten sein.

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