Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Klimaschutz
Autofahrt mit Zertifikat

Mit der VW-Diesel-Affäre werben Experten, den Verkehr in den Emissionshandel einzubeziehen, denn das geltende Grenzwertsystem habe eine Reihe von Schwächen. Die Vorschläge sind umstritten.

BerlinKanzlerin Angela Merkel gehört zu den Fans des europäischen Emissionshandelssystems (ETS). Beim Klimagipfel in Paris lobte sie das System als "unbestechliches Instrument", für das sie "eine sehr gute Zukunft" sehe - weltweit. Auch ihre Partei, die CDU, hat das System für sich entdeckt. Auf ihrem Bundesparteitag Mitte Dezember sollen die Delegierten einen Antrag beschließen, wonach sich die CDU dafür einsetzt, "einen möglichst wirkungsvollen und umfassenden Handel (international und sektorübergreifend) von Emissionszertifikaten zügig auf den Weg zu bringen".

Derzeit hat der Emissionshandel noch eine große Schwäche: Er betrifft nur den Energiesektor und die Industrie. Die Bereiche Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft, die fast die Hälfte der CO2-Emissionen ausmachen, sind nicht erfasst. Das soll sich nicht nur nach dem Willen der Kanzlerin und der CDU ändern.

Jürgen Hacker, Vorsitzender des Bundesverbandes Emissionshandel und Klimaschutz (BVEK), setzt sich seit Jahren dafür ein, zumindest den Verkehrssektor einzubeziehen, um das Ziel zu erreichen, die Treibhausgasemissionen in Deutschland wie geplant bis 2020 um 40 Prozent zu senken.

Beim Emissionshandel muss jeder Teilnehmer für die Emission einer Tonne Kohlendioxid ein Zertifikat nachweisen. Laut Hacker würden die Mineralölkonzerne für die von ihnen in den Handel gebrachten Kraftstoffe Emissionszertifikate nachweisen müssen. Der Kraftstoffpreis steige so um etwa zwei Cent je Liter.

Das System soll Anreize schaffen, Energie effizient zu verbrauchen. Die Menge an Zertifikaten wird Jahr für Jahr entsprechend den politisch beschlossenen Reduktionszielen gekürzt. So lässt sich die Emissionsmenge planen - allerdings nicht in den Sektoren, die nicht am Emissionshandel teilnehmen. Dort gelten dann etwa Grenzwerte, derentwegen Volkswagen zuletzt mit Software seine Fahrzeuge manipuliert hat, um diese Werte einzuhalten. Ein Regelwerk nach Spritverbrauch wäre da eine Alternative.

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