Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Klimawandel in Kambodscha
Exodus am Mekong

Der Klimawandel und die Jagd nach Energie bedrohen Millionen Menschen am Flussdelta. Damit ist das weltweit bedeutende Reisanbaugebiet gefährdet und es drohen massive Folgen für die globale Ernährungssicherheit.

Phnom PenhGedankenverloren blickt Domaden auf eines seiner Reisfelder. Statt satten, grünen Pflanzen stecken vertrocknete Halme in staubigem Boden. „Der Regen ist unzuverlässig geworden, die Winde stark, die Temperaturen immer höher“, sagt der Mann leise. Eine tödliche Kombination für eine Pflanze, die darauf angewiesen ist, im Wasser zu wachsen. Etwa drei Stunden von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh entfernt bewirtschaftet Domadens Familie 2,6 Hektar Land. Noch haben die meisten Pflanzen Wasser. Aber die trockenen Flächen breiten sich aus. „Wir können den Klimawandel sehen, mit unseren eigenen AugenÅ, sagt Domaden. Der 58-Jährige hat Angst vor der Zukunft.

Angst ist in Kambodscha ständiger Begleiter. Bis in die 90er-Jahre wüteten auch in Domadens Dorf die Roten Khmer. Insgesamt drei Millionen Menschen starben - an Hungersnöten, Folter und Mord. Heute haben es die Bewohner mit einem noch mächtigeren Gegner zu tun. In vielen Teilen des Mekong-Beckens in Kambodscha und Vietnam geht es ums Überleben. Der „Reisschüssel Asiens“ droht die Apokalypse.

150 Millionen Hektar Reisfelder gibt es weltweit, ein bedeutender Teil davon im Einzugsgebiet und Delta dieses fast 4500 Kilometer langen Flusses. Wie eine gigantische Schlagader zieht sich der Mekong von Tibet durch China, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam. Der Fluss ist Quelle von Nahrung und Einkommen. Reis ist mit Abstand das wichtigste Agrarprodukt, er ernährt Millionen. Laut Prognosen der Vereinten Nationen wird die weltweite Nachfrage nach dem Getreide von 439 Millionen Tonnen (2010) auf 555 Millionen Tonnen (2035) steigen. Das größte Wachstum (67 Prozent) wird in Asien erwartet, aber auch in Afrika und in Amerika werde der Hunger nach Reis zunehmen. Doch die Flächen der wichtigsten Anbaugebiete Südostasiens schrumpfen.

75 Prozent des Reises in Thailand, Kambodscha und Vietnam werden auf Feldern produziert, die mit der traditionellen Überflutungsmethode bewirtschaftet werden. Der Klimawandel hat dort bereits dramatische Auswirkungen. Ein Mangel an Regen, flutartige Niederschläge, häufigere Wirbelstürme und Hitzeperioden führen zum Verlust von Agrarland. Im Großgebiet des Mekongs ist es in den vergangenen 50 Jahren um zwischen 0,5 und 1,5 Grad wärmer geworden - Tendenz steigend. Nicht nur Reis, sondern auch verschiedene Gemüsearten, zeigen wenig Toleranz für Klimavariationen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%