Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Ladetechnik
Kabellos unter Strom

Das kabellose Laden verspricht einen großen Komfortgewinn. Die Autohersteller sind jetzt in der Entwicklungsphase, nicht mehr in der Forschung. Erste Serienmodelle werden für 2017 erwartet.

KölnFahrgäste der Berliner Buslinie 204 kommen seit August ungewohnt leise ans Ziel: Vier E-Busse pendeln zwischen Südkreuz und Zoologischer Garten. Auch bei Verspätungen sind die Fahrer darauf bedacht, die vorgesehenen Pausen an den Endhaltestellen strikt einzuhalten. Dort werden die Akkus geladen - kabellos: Unter der Haltestelle befinden sich elektrische Spulen, am Boden der Busse sind passende Gegenstücke angebracht.

Ausrüster der induktiven Ladetechnik ist die Bombardier-Tochter Primove, die auch Buslinien in Braunschweig und Mannheim elektrifiziert hat. Die Vorteile: Die Infrastruktur ist gut vor Vandalismus geschützt, die Fahrer müssen ihre Abläufe kaum ändern. Die Nachfrage wachse stetig, sagt Jérémie Desjardins, Business Leader bei Primove. „Eine Elektrobuslinie ist sehr nah dran, wettbewerbsfähig zu sein.“

Die positiven Erfahrungen mit Bussen haben auch das Interesse der Pkw-Hersteller geweckt: Nach eigenen Angaben arbeitet Primove derzeit mit einem Automobilkonzern an der Serienumsetzung. Prototypen haben neben anderen schon Mercedes, BMW und Nissan gezeigt - das kabellose Laden verspricht einen großen Komfortgewinn. „Die Autohersteller sind jetzt in der Entwicklungsphase, nicht mehr in der Forschung“, sagt Desjardins. Erste Serienmodelle erwartet er für 2017.

Die Technik hat auch das Potenzial, das Reichweitenproblem von E-Fahrzeugen zu lösen: Würden ganze Autobahnspuren mit den Spulen und passender Steuerungstechnik ausgerüstet, könnten die Akkus während der Fahrt geladen werden.

Dass das technisch machbar ist, demonstrieren Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM. Gemeinsam mit Forschungspartnern haben sie eine 25 Meter lange Versuchsstrecke gebaut. In ersten Tests gelang es dem Team relativ problemlos, einen umgerüsteten Sportwagen unterwegs mit Strom zu versorgen.

Fordernder sei noch die Suche nach wirtschaftlichen Betriebsmodellen, sagt IFAM-Forscher Felix Horch. „Einen großen Nutzen könnte das induktive Laden als Leistungsunterstützung für Lkws bei Steigungen haben“, sagt der Abteilungsleiter Elektrische Antriebe. Mit Rekuperationsbremsen könne man einen Teil der Energie bei der Talfahrt zurückgewinnen.

Das Projekt solle auch klarmachen, wie wichtig Standards für das kabellose Laden sind. "Für die Komponenten im Auto ist es egal, ob die Ladung im Stand oder während der Fahrt erfolgt", sagt Horch. Die Systeme müssten aber einheitlich auf die Infrastruktur abgestimmt sein.

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