Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Rückgang der CO2-Emissionen

Ein bisschen weniger Treibhaus

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist so hoch wie seit 800.000 Jahren nicht mehr. Doch für 2015 deutet sich ein leichter Rückgang der Treibhausgas-Emissionen an. Eine Trendwende sehen Experten aber noch nicht.
Die vorhergesagte Abnahme der CO2-Emissionen führen Experten darauf zurück, dass China in diesem Jahr weniger Kohle nutzt. Quelle: dpa
Rauchende Schornsteine in China

Die vorhergesagte Abnahme der CO2-Emissionen führen Experten darauf zurück, dass China in diesem Jahr weniger Kohle nutzt.

(Foto: dpa)

ParisTrotz Wirtschaftswachstum könnte die Menschheit in diesem Jahr etwas weniger Kohlendioxid (CO2) aus fossilen Brennstoffen in die Atmosphäre pusten. Wissenschaftler des „Global Carbon Project“ erwarten weltweit einen Rückgang um etwa 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 35,7 Milliarden Tonnen CO2.

Die Vorhersage wurde in den Fachzeitschriften „Nature Climate Change“ und „Earth System Science Data“ veröffentlicht. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die Emissionen des klimaschädlichen Treibhausgases wirklich schon den Scheitelpunkt überschritten hätten, sagte Corinne Le Quéré von der britischen Universität von East Anglia am Montag am Rande der Pariser UN-Klimakonferenz.

Worum beim Klimagipfel gefeilscht wird
Temperaturziele I
1 von 9

Kleine Inselstaaten, die vom Anstieg des Meeresspiegels besonders bedroht sind, wünschen sich eine neue Grundverpflichtung. Nach ihren Vorstellungen soll die Erdtemperatur bis 2100 um nicht mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter steigen. Das wäre ein ehrgeiziges Ziel. Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 hatten die Teilnehmer noch „zur Kenntnis“ genommen, dass die Erdtemperatur um nicht mehr als 2 Grad steigen sollte.

Temperaturziele II
2 von 9

Selbst wenn die Länder ihre Treibhausgasemissionen so stark reduzieren, wie vor der Konferenz in ihren nationalen Klimazielen angekündigt, würde die Erdtemperatur nach UN-Angaben um etwa 2,7 Grad steigen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP geht sogar von einem Anstieg von drei bis 3,5 Grad Celsius aus. Die Erde hat sich seit 1850 bereits um 0,8 Grad erwärmt.

Lastenteilung
3 von 9

Historisch haben vor allem die Industrieländer Emissionen in die Luft gepumpt. Doch längst spielen aufstrebende Schwellenländer wie Indien und China eine entscheidende Rolle, wenn man den Temperaturanstieg eindämmen will. Die pochen aber auf ihr Recht, wirtschaftlich zu den reichen Staaten aufzuholen. Einige Experten meinen: Wenn die Konferenz scheitert, dann an diesem Punkt.

Langfristziel
4 von 9

Der Mensch muss weniger CO2 in die Atmosphäre pusten - soweit herrscht Einigkeit. Doch soll die Weltwirtschaft nun bis Ende des Jahrhunderts ohne CO2-Emissionen auskommen, wie zum Beispiel von den reichen G7-Ländern gefordert? Oder soll der Ausstoß einfach sobald wie möglich den Scheitelpunkt erreichen und dann sinken? Strittig ist zum Beispiel auch, ob das Auffangen und unterirdische Einlagern von CO2 eingerechnet werden darf.

Verbindlichkeit
5 von 9

Wie verpflichtend werden die Vereinbarungen von Paris? Der gärende Streit wurde Anfang November offenbar, als US-Außenminister John Kerry (Bild) in der „Financial Times“ sagte, die USA würden keine „rechtlich bindenden Klimaziele“ unterschreiben, wie es sie beim Kyoto-Protokoll von 1997 gab. Im Gastgeberland Frankreich sorgte das Interview prompt für Ärger, dort gilt die klare Linie: Das Abkommen muss verbindlich sein.

Nachbessern
6 von 9

Ihre nationalen Klimaziele legen die einzelnen Länder nach aktuellem Stand ohnehin selbst fest. In Paris geht es damit vor allem um eine Selbstverpflichtung der 195 Länder, regelmäßig und gründlich über ihre Emissionen zu berichten und ihre Klimaziele nach oben anzupassen. Die Lücke soll ein sogenannter Revisionsmechanismus füllen – eine Art regelmäßiges Nachsitzen für die Staaten, um langfristig doch auf das Zwei-Grad-Ziel zu kommen. Die Europäer wollen alle fünf Jahre Bilanz ziehen.

Finanzierung I
7 von 9

Viele ärmere Staaten machen sich zwar für ehrgeizige Klimaziele stark, darunter auch das Schwellenland Indien (im Bild: Premierminister Narendra Modi). Die Staaten weisen aber darauf hin, dass sie finanzielle Unterstützung von den Industrieländern brauchen. Allein Indien schätzt seinen Bedarf bis 2030 auf knapp 2,5 Billionen Euro.

„Während frühere Rückgänge der Emissionen bei Wirtschaftskrisen aufgetreten sind, wäre dies der erste Rückgang in einer Periode starken Wirtschaftswachstums“, teilte die Hochschule mit. Die Wissenschaftler stützen sich auf Daten zum Energieverbrauch in China und den USA sowie auf das erwartete Wirtschaftswachstum im Rest der Welt.

Die statistische Unsicherheit ist allerdings recht groß: Die Spannbreite der Prognose reicht von einem deutlichen Rückgang der Emissionen um 1,6 Prozent bis zu einem leichten Anstieg um 0,5 Prozent.

Schon im vergangenen Jahr waren die CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und Industrie nur leicht gestiegen (plus 0,6 Prozent). Das ist eine deutliche Verschiebung im Vergleich zum starken Plus im Jahrzehnt davor, in denen der CO2-Ausstoß durchschnittlich um 2,4 Prozent jährlich zulegte.

Eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des CO2-Ausstoßes spielt das dynamische Schwellenland China, 2014 mit mehr als einem Viertel aller Emissionen der weltweit größte Verursacher. Die vorhergesagte Abnahme sei größtenteils auf Chinas in diesem Jahr sinkende Kohle-Nutzung zurückzuführen, erklärte Le Quéré. China hat sich bei seinen eigenen Klimazielen vorgenommen, den Höhepunkt bei den CO2-Emissionen vor 2030 zu erreichen.

Noch kein dauerhafter Rückgang
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Rückgang der CO2-Emissionen - Ein bisschen weniger Treibhaus

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%