Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

RWE, EnBW, Eon
Energieversorger flirten mit Start-ups

Impulse aus der Gründerszene: Immer mehr Versorger beteiligen sich an Start-ups und streben auf Zukunftsmärkte. Die Gründer sollen den Energieriesen nicht nur helfen, sich für die Zeit nach dem Atomausstieg zu wappnen.

BerlinAls das Berliner Start-up Thermondo im vergangenen Jahr nach einem Investor suchte, fiel die Wahl auf Eon. Mit mehreren Millionen Euro stieg der Energieversorger bei dem jungen Heizungsbauer ein und übernahm 20 Prozent der Anteile. Thermondo gilt als ein Vorreiter für die Digitalisierung im Handwerk: Ein Heizungswechsel über lokale Meisterteams wird online eingefädelt.

Die Liaison mit dem Stromriesen ergibt für den Gründer und Geschäftsführer Philipp Pausder viel Sinn: „Anders als andere Kandidaten konnte Eon neben dem Geld auch eine große Kundenbasis bieten“, sagt er. Eine strategische Partnerschaft sei man zwar nicht eingegangen, betont der Thermondo-Chef. Dennoch wirbt Eon auf seiner Website, den Heizungswechsel in Kooperation mit dem Start-up „schnell und komfortabel“ zu gestalten. Mit Thermondo will der Konzern ein neues Geschäftsfeld erschließen - das digitale Heizungsbusiness.

Start-up-Kultur belebt die Konzerne: Immer öfter versuchen Versorger, innovatives Neugeschäft im eigenen Konzern zu etablieren oder zumindest anzudocken. Auch RWE und EnBW haben ihre Aktivitäten rund um die Gründerszene massiv ausgeweitet. Mit eigenen Acceleratoren, Start-up-Zentren und Risikokapital-Fonds versuchen sie, die jungen Firmen für sich zu gewinnen.

Die Start-ups sollen den alteingesessenen Energieriesen mit ihren Smart-Home-Apps, dezentralen Versorgungsideen oder auch Stromsparkonzepten dabei helfen, sich für die Zeit nach dem Atomausstieg zu wappnen und Zugang zu schaffen zu neuen Geschäftsfeldern und Kundengruppen.

Das ist auch nötig: Auf die Konzerne kommen nach den erlittenen Einbrüchen weitere Belastungen zu. Die Nichtregierungsorganisation Carbon Disclosure Project hat kürzlich die Geschäftsmodelle europäischer Energieversorger untersucht und den größten deutschen Anbietern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Grund ist der noch immer hohe Kohleanteil bei der Stromerzeugung.

Die Energieversorgung der Zukunft wird dezentraler, immer häufiger kommt der Strom vom Solardach des Privatkunden. Darauf müssen sich die Versorger einstellen: „Das ist eine veränderte Rolle“, sagt Torsten Henzelmann, Energieexperte der Unternehmensberatung Roland Berger. Mit Investitionen auch in Start-ups werde nun gegengesteuert. „Start-ups denken in Problemlösungen von der Kundenseite“, sagt der Experte. Und bei der dezentralen Versorgung spielt der Verbraucher eine größere Rolle.

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