Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Umstrittene Technik CCS
So wird die Kohle nicht sauber

CO2 nicht in die Atmosphäre entlassen, sondern dauerhaft unterirdisch einlagern: Das könnte ein Weg sein, die Klimaerwärmung aufzuhalten. Aber die Technik wird seit Jahren erprobt – mit eher ernüchternden Ergebnissen.

DekalbEin Vorzeigeprojekt sollte das Kraftwerk in Kemper County im US-Staat Mississippi werden. Der Welt wollte man zeigen, dass Kohle auch verbrannt werden kann, ohne klimaschädliche Gase in die Luft zu blasen. Stattdessen dient die immer noch nicht fertiggestellte Anlage mittlerweile als Beweis dafür, dass die Technik der CO2-Abscheidung- und Speicherung (Carbon Dioxide Capture and Storage; CCS) die in sie gesetzten Hoffnungen bisher nicht erfüllt hat.

Die Kosten für den Bau sind inzwischen auf 6,5 Milliarden Dollar gestiegen, drei Mal so viel wie ursprünglich geplant. Kemper ist damit eines der teuersten Kraftwerke, die je gebaut wurden und trieb auch die Stromrechnungen für die 186.000 Kunden des Betreibers Mississippi Power in die Höhe. Nach mehrfachen Verzögerungen soll das Projekt nun am 30. Juni fertiggestellt sein, zwei Jahre später als vorgesehen.

Mithilfe von CCS wird CO2, das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe oder bei Industrieprozessen entsteht, in unterirdische Lagerstätten gebracht. Die Technologie würde es der Welt erlauben, weiterhin Kohle, Öl und Gas zu verbrennen, dabei aber deutlich weniger Treibhausgase zu produzieren als bisher.

Doch trotz jahrzehntelanger Forschung und Pilotprojekten wartet CCS noch auf den Durchbruch. In jüngster Zeit kam es eher zu Rückschlägen. So beendete Norwegen 2013 ein CCS-Projekt, das es zuvor mit der ersten Mondlandung verglichen hatte. Als Grund wurden die hohen Kosten genannt.

Und am 25. November, nur wenige Tage vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris, zog Großbritannien die Zusage über eine Milliarden Pfund (rund 1,4 Milliarden Euro) für die Technologie zurück. Zwei Projekte hatten sich um das Geld beworben, ihre Zukunft ist nun unklar.

Die Kosten sind ein Problem, Widerstand von Umweltschützern ein anderes. Organisationen wie Greenpeace und WWF erklären, der Klimaschutz müsse sich darauf konzentrieren, dass Energie künftig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne stamme, und nicht darauf, die Nutzung fossiler Brennstoffe zu verlängern. Die Internationale Energieagentur (IEA) und der Weltklimarat (IPCC) führen dagegen an, ohne die CO2-Abscheidung sei das Ziel, die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu drücken, nicht zu erreichen.

In Paris dürfte die Technologie nur am Rande Thema sein. Von den mehr als 170 Ländern, die vor der Konferenz Aktionspläne einreichten, nannten nur acht CCS als mögliche Maßnahme zur Eindämmung des Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen.

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