Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

UN-Klimagipfel in Paris
„Die Welt hält den Atem an und zählt auf uns alle“

Sichtlich bewegt hat Frankreichs Außenminister Fabius den Abschlusstext für das weltweite Klimaschutzabkommen vorgelegt. Der Entwurf soll für die Unterzeichner rechtlich bindend sein. Noch ist aber nichts entschieden.

ParisDie Weltgemeinschaft hat erstmals ein globales Klimaabkommen ausgehandelt, mit dem die gefährliche Überhitzung des Planeten gebremst werden soll. Frankreich präsentierte die Ergebnisse am Samstagmittag den Delegierten der Pariser UN-Klimakonferenz - in der Hoffnung, dass alle der über 190 beteiligten Staaten den Klimapakt noch am selben Tag billigen. Nun lägen die Lösungen für den Klimaschutz auf dem Tisch, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Sein Vorschlag sei ehrgeizig, ausgewogen und rechtlich bindend, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius am Samstag mit brüchiger Stimme. Der Text enthalte wichtige Fortschritte, die viele vorher für unmöglich gehalten hätten. So solle die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden, die Länder sollten sogar versuchen, 1,5 Grad zu unterschreiten – gemessen an vorindustrieller Zeit. Die Vereinbarung sei wichtig für die gesamte Welt. Sie regle auch Finanzhilfen und den Transfer von Technologie.

Die Entscheidung ist im Laufe des Tages vorgesehen. Spätestens dann wird sich zeigen, ob der Kompromissvorschlag die großen Streitfragen zwischen den Staatengruppen überwinden kann. „Die Welt hält den Atem an und zählt auf uns alle“, sagte Fabius. Jeder könne am Abend nach der geplanten Annahme erhobenen Hauptes nach Hause fahren. Auch UN-Chef Ban sprach von einem historischen Moment. „Die ganze Welt beobachtet uns“, sagte er.

Frankreichs Präsident François Hollande rief die UN-Klimakonferenz eindringlich zur Annahme des Weltklimavertrags aufgerufen. „Es ist selten, dass es im Leben die Gelegenheit gibt, die Welt zu verändern. Sie haben diese Gelegenheit“, sagte der Staatschef. „Der 12. Dezember 2015 kann nicht nur ein historischer Tag sein, sondern ein großes Datum für die Menschheit.“ „Frankreich bittet Sie, beschwört Sie, die erste universelle Klima-Einigung anzunehmen“, sagte Hollande. „Angesichts des Klimawandels sind unsere Schicksale miteinander verknüpft.“

Der Klimapakt soll erstmals fast alle Länder der Welt am Kampf gegen die Erderwärmung beteiligen und den Klimawandel entscheidend bremsen. Er soll 2020 an die Stelle des Kyoto-Protokolls von 1997 treten, in dem sich nur Industriestaaten zum Klimaschutz verpflichtet hatten. Bis zuletzt war vor allem die Frage umstritten, wie die Klimapflichten zwischen Industriestaaten und ärmeren Ländern verteilt werden.

Mit dem Abkommen soll letztlich ein kompletter Umbau der weltweiten Energieversorgung und eine Abkehr von Kohle und Öl auf den Weg gebracht werden, um den Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase zu drosseln. Es geht dabei um Investitionen in Milliardenhöhe und Finanzhilfen an die ärmsten Staaten, nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch zur Bewältigung der bereits spürbaren Folgen der Erwärmung. Das sind unter anderem Dürren, Ernteausfälle, Überschwemmungen und Sturmschäden.

Zuletzt hatten die Unterhändler am Tagungsort Le Bourget mehrere Tage und Nächte verhandelt und die Konferenz um einen Tag verlängert. Schon am Freitagabend hatten Unterhändler große Fortschritte bei der Arbeit an dem Abkommen gemeldet, so etwa der ägyptische Umweltminister Chaled Fahmi und der Regierungschef des pazifischen Inselstaates Tuvalu, Enele Sopoaga. China hielt die letzten Textfassungen für „mehr oder weniger akzeptabel“, wie der stellvertretende Delegationschef Liu Zhenmin sagte.

Bis zuletzt ging es nach seinen Angaben um die Forderung der Schwellenländer, dass reiche Länder den Großteil der Kosten übernehmen sollten. Auch Indien sprach davon, dass die Kostenübernahme der Knackpunkt sei.

afp 
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