Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

UN-Klimagipfel
Stolz und Freude über Vertrag von Paris

Europa, USA und die Entwicklungsländer sagen ja zum Klimavertrag von Paris. NGOs und Wissenschaft loben das Abkommen als Signal. In Deutschland steht jetzt der Kohleausstieg wieder im Fokus.

ParisEs wäre ein historischer Durchbruch: Kurz vor dem Ende der zweiwöchigen Pariser UN-Klimakonferenz haben Gastgeber Frankreich, die EU und Umweltschützer eindringlich für ein Ja zu einem umfassenden Weltklimavertrag geworben. Von den USA bis hin zu den Entwicklungsländern wurde von allen Seiten große Zustimmung signalisiert. Die endgültige Billigung des Dokuments sollte am Samstagabend erfolgen.

Das Abkommen war noch nicht unterzeichnet, da wurde es bereits gefeiert. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth dem Handelsblatt. Auch die ersten Reaktionen von Wissenschaftlern und Nichtregierungsorganisationen auf den am Samstagmittag vorgelegten letzten Textentwurf fiel positiv aus. „Ein wichtiger Schritt zum Abschied vom Erdöl“, kommentierte Regine Günther, Generaldirektorin Politik und Klimaschutz des WWF Deutschland.

Erstmals werde eine Architektur aufgesetzt, „bei der sich alle Staaten gemeinsamen, transparenten Zielen und Regeln unterwerfen, um den Klimawandel zu bekämpfen“. Die Entwicklungsorganisation Germanwatch sprach von einem „ausgewogenen Paket für Klimaschutz und Solidarität mit den Hauptbetroffenen des Klimawandels“.

Das Abkommen sieht vor, die globale Erwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten auf unter zwei Grad zu begrenzen, mit dem Anspruch, 1,5 Grad in Sichtweite zu bringen. Der Text folge damit den Vorgaben der Wissenschaft, so Günther. „Dies ist ein wirklich bedeutender Schritt, gerade für die verletzlichsten Staaten und kleinen Inseln“. Außerdem sei es ein Signal dafür, „dass die Welt sich von fossilen Energien beschleunigt verabschieden wird“.

Der Text enthalte das notwendige Signal für den weltweiten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas in den nächsten Jahrzehnten, sagte auch Christoph Bals von Germanwatch. Konkret heißt das: Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bis Mitte des Jahrhunderts und zusätzlich Treibhausgasneutralität der anderen Sektoren in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. „Die Emissionen weltweit müssen vor 2030 ihren Höhepunkt erreichen“, forderte der deutsche Klimawissenschaftler Hans Joachim Schellnhuber.

WWF-Expertin Günther verwies darauf, dass es jetzt darauf ankomme, auf nationaler Ebene die Geschwindigkeit bei der Umsetzung zu erhöhen. In Deutschland, aber auch in anderen Ländern, ist damit konkret der Ausstieg aus der Kohle gemeint. Die Grünen hatten schon während der laufenden Verhandlungen durchklingen lassen, dass sie das Thema nach dem Ende des Gipfels wieder in den Focus rücken wollten.

„Das Dekarbonisierungs-Signal von Paris heißt für Deutschland, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bald Pläne für den Kohleausstieg innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte vorlegen muss“, forderte Bals.

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