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UN-Klimagipfel und die Reaktionen „Unser Kopf bleibt über Wasser“

Die ganze Welt freut sich über die Einigung auf dem Klimagipfel von Paris. Selten ist sich die Menschheit so einig darüber, dass im richtigen Moment etwas getan worden ist. Doch mit der Einigung fängt die Arbeit erst an.
Update: 13.12.2015 - 10:35 Uhr
Auch US-Präsident Obama lobt die Einigung von Paris bei einem Pressetermin im Weißen Haus. Quelle: Reuters
Der Kommentar von Barack Obama

Auch US-Präsident Obama lobt die Einigung von Paris bei einem Pressetermin im Weißen Haus.

(Foto: Reuters)

ParisNach der Einigung auf dem Klimagipfel in Paris ist das Ergebnis weltweit gefeiert worden. Allerdings wurde in den ersten Reaktionen immer wieder betont, dass die eigentliche Arbeit im Kampf gegen die Erderwärmung noch geleistet werden müsse.

„Mit dem heute verabschiedeten Klimavertrag hat sich zum ersten Mal die gesamte Weltgemeinschaft zum Handeln verpflichtet“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel am späten Samstagabend. „Ungeachtet der Tatsache, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, ist dies ein Zeichen der Hoffnung, dass es uns gelingt, die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen auch in Zukunft zu sichern.“

Worum beim Klimagipfel gefeilscht wird
Temperaturziele I
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Kleine Inselstaaten, die vom Anstieg des Meeresspiegels besonders bedroht sind, wünschen sich eine neue Grundverpflichtung. Nach ihren Vorstellungen soll die Erdtemperatur bis 2100 um nicht mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter steigen. Das wäre ein ehrgeiziges Ziel. Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 hatten die Teilnehmer noch „zur Kenntnis“ genommen, dass die Erdtemperatur um nicht mehr als 2 Grad steigen sollte.

Temperaturziele II
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Selbst wenn die Länder ihre Treibhausgasemissionen so stark reduzieren, wie vor der Konferenz in ihren nationalen Klimazielen angekündigt, würde die Erdtemperatur nach UN-Angaben um etwa 2,7 Grad steigen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP geht sogar von einem Anstieg von drei bis 3,5 Grad Celsius aus. Die Erde hat sich seit 1850 bereits um 0,8 Grad erwärmt.

Lastenteilung
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Historisch haben vor allem die Industrieländer Emissionen in die Luft gepumpt. Doch längst spielen aufstrebende Schwellenländer wie Indien und China eine entscheidende Rolle, wenn man den Temperaturanstieg eindämmen will. Die pochen aber auf ihr Recht, wirtschaftlich zu den reichen Staaten aufzuholen. Einige Experten meinen: Wenn die Konferenz scheitert, dann an diesem Punkt.

Langfristziel
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Der Mensch muss weniger CO2 in die Atmosphäre pusten - soweit herrscht Einigkeit. Doch soll die Weltwirtschaft nun bis Ende des Jahrhunderts ohne CO2-Emissionen auskommen, wie zum Beispiel von den reichen G7-Ländern gefordert? Oder soll der Ausstoß einfach sobald wie möglich den Scheitelpunkt erreichen und dann sinken? Strittig ist zum Beispiel auch, ob das Auffangen und unterirdische Einlagern von CO2 eingerechnet werden darf.

Verbindlichkeit
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Wie verpflichtend werden die Vereinbarungen von Paris? Der gärende Streit wurde Anfang November offenbar, als US-Außenminister John Kerry (Bild) in der „Financial Times“ sagte, die USA würden keine „rechtlich bindenden Klimaziele“ unterschreiben, wie es sie beim Kyoto-Protokoll von 1997 gab. Im Gastgeberland Frankreich sorgte das Interview prompt für Ärger, dort gilt die klare Linie: Das Abkommen muss verbindlich sein.

Nachbessern
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Ihre nationalen Klimaziele legen die einzelnen Länder nach aktuellem Stand ohnehin selbst fest. In Paris geht es damit vor allem um eine Selbstverpflichtung der 195 Länder, regelmäßig und gründlich über ihre Emissionen zu berichten und ihre Klimaziele nach oben anzupassen. Die Lücke soll ein sogenannter Revisionsmechanismus füllen – eine Art regelmäßiges Nachsitzen für die Staaten, um langfristig doch auf das Zwei-Grad-Ziel zu kommen. Die Europäer wollen alle fünf Jahre Bilanz ziehen.

Finanzierung I
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Viele ärmere Staaten machen sich zwar für ehrgeizige Klimaziele stark, darunter auch das Schwellenland Indien (im Bild: Premierminister Narendra Modi). Die Staaten weisen aber darauf hin, dass sie finanzielle Unterstützung von den Industrieländern brauchen. Allein Indien schätzt seinen Bedarf bis 2030 auf knapp 2,5 Billionen Euro.

US-Präsident Barack Obama sprach von der besten Chance „den einzigen Planeten zu retten, den wir haben“. Das amerikanische Volk könne Stolz sein, sagte er in Washington. „In den vergangenen sieben Jahren haben wir die USA zum weltweiten Vorreiter im Kampf gegen die Klimaveränderung umgewandelt.“ Das Ergebnis sei „ein Tribut an die amerikanischen Führungsqualitäten“. US-Außenminister John Kerry sprach vor Ort in Paris von „einem Sieg für den ganzen Planeten und zukünftigen Generationen“.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, mahnte, dass die Regierungen nun den Worten auch Taten folgen lassen müssten. Ihr Kollege Jim Yong Kim von der Weltbank sagte, der Gipfel habe seine Ziele erreicht – „Paris hat geliefert“, erklärte er. Nun stünden alle gemeinsam in der Verantwortung. Auch aus der Industrie kam Lob. Unilever-Chef Paul Polman sprach von „einem eindeutigen Signal an die Wirtschaft und die Finanzbranche“, das zu einem wirklichen Wandel führen werde.

Ein Rettungsring für die Welt
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