Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Weltklimagipfel in Paris
Und schon ist die Luft raus

Die Delegationen von mehr als 190 Ländern ringen in Paris um ein neues Weltklimaabkommen. Vom anfänglichen Elan ist nicht viel übrig geblieben, die Fortschritte sind minimal. Damit droht ein schwaches Gipfelergebnis.

ParisDer erste Schwung hat nachgelassen. Beamte, Wissenschaftler und Umweltschützer berichten von einem „ausgesprochen schleppenden Verhandlungsverlauf“ bei der Weltklimakonferenz in Paris. Zum Auftakt des zweiwöchigen Gipfels am Montag hatten mehr als 150 Staats- und Regierungschefs, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), ihre Forderungen und Visionen präsentiert.

In Paris sei es notwendig, ein „ehrgeiziges, umfassendes, faires und verbindliches Weltklimaabkommen zu erreichen“, sagt die Kanzlerin. Allein die Tatsache, dass so viele Spitzenpolitiker nach Paris kamen, wurde als ermutigendes Zeichen für einen Erfolg des Gipfels gewertet.

Jetzt ist die Stimmung gekippt. Bis zum Wochenende sollte eigentlich ein neuer Verhandlungstext ausgearbeitet werden, in dem nur noch die wesentlichen Streitpunkte offen sind, über die dann auf Ministerebene verhandelt werden soll. Am Montag beginnt mit dem so genannten Ministersegment der Endspurt der Verhandlungen. Aber der Verhandlungstext wird langsamer durchgearbeitet als erhofft, ein neuer Text liegt in weiter Ferne.

Viele Staaten verhandelten immer noch nicht nach vorne, sondern verhielten sich kompromisslos, beobachten Umweltschützer. Ob das noch als taktische Zurückhaltung zu werten sei, darüber scheiden sich die Geister. Doch das Problem liegt auf der Hand: „Die Geschwindigkeit reicht nicht fürs Ziel“, sagt Regine Günther, Leiterin Klima- und Energiepolitik beim WWF.

Verzögerungstaktiken sind auch von anderen Klimagipfeln bekannt. Dennoch verbreitet sich Unruhe – angesichts der enormen Bedeutung eines neues Weltklimaabkommens. „Wir müssen den Prozess beschleunigen“, sagte Konferenzleiter Laurent Fabius am Mittwoch. Überlegt wird offenbar, in kleineren Gruppen zu verhandeln.

Stillstand herrscht nach Einschätzung von Beobachtern zum Beispiel in der Frage der Klimafinanzierung. Bislang hatten die Industriestaaten zugesagt, ab 2020 jährlich Mittel in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren, werden aber ermahnt, mehr zu tun. Ansonsten ist damit zu rechnen, dass die bisher genannten nationale Beiträge zur Emissionsminderung, die so genannten Intended Nationally Determinded Contributions (INDC), nicht in Gänze umgesetzt werden. „Da tanzt man noch umeinander herum“, sagte ein Wissenschaftler, der seit Montag in Paris dabei ist, dem Handelsblatt.

185 Länder haben bislang solche Ziele formuliert, die indes nicht ausreichen, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Darum wird in Paris auch darüber verhandelt, wie die Ambitionen gesteigert werden können. Hier gibt es wenigstens in einem Punkt ein Fortkommen: Beobachter sehen es zunehmend als Konsens, dass die Staaten ihre nationalen Klimaziele künftig alle fünf Jahre überprüfen sollen.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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