Diabetes
Leben mit der Nadel

Volkskrankheit Diabetes: In Deutschland sind mehr als sechs Millionen Menschen in Behandlung. Fortschritte wie die Insulinpumpe machen den Alltag für Diabetiker leichter, trotzdem wird ihnen viel Disziplin abverlangt.

BerlinSein Tag beginnt mit Blutzucker-Messen und er endet damit. „Das ist in meinem Alltag so drin, seit zwölfeinhalb Jahren“, sagt Diabetiker Sven Müller (15) aus Leichlingen bei Köln. „Sechs, sieben Mal täglich Blutzucker messen, auch nachts – das ist Normalität für mich.“

Vor dem Essen bestimmt er den Kohlenhydratwert der Speisen und Getränke, berechnet seinen Insulin-Bedarf, spritzt sich die nötige Dosis. „Es ist schon mühsam, aber ich hab's im Griff und muss auf nichts verzichten.“

Diabetes ist in Deutschland zur Volkskrankheit geworden und breitet sich aus. Bundesweit sind mehr als sechs Millionen Menschen in Behandlung, 2030 werden es wohl acht Millionen sein. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von ein bis zwei Millionen Betroffenen – nicht diagnostiziert und daher unbehandelt. Die häufigste Form ist Diabetes Typ 2, oft verursacht oder befördert durch ungesunde Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel.

Anders ist es beim Typ 1 mit gut 300.000 Fällen: Die meist bei Kindern auftretende Autoimmunerkrankung bewirkt, dass die Bauchspeicheldrüse gar kein Insulin produziert. Doch ohne dieses Hormon kann der Körper den Energielieferanten Zucker nicht aufnehmen.

Sven bekam die Diagnose Typ-1-Diabetes mit vier Jahren. „Als kleines Kind fand ich das hart. Alle anderen konnten einfach so essen, nur ich durfte nicht.“ An seinem Bauch ist ein Mini-Kästchen befestigt, von dem aus eine kleine Nadel in die Bauchdecke führt. Daraus erhält er konstant eine kleine Grundmenge „Basal-Insulin“ sowie erforderliche Zusatzmengen.

Über ein Gerät in Handyform – dem Bolus-Rechner – kalkuliert und steuert Sven die Zufuhr. Ab und zu greift er zusätzlich zur Spritze (Pen). „Wenn ich mich schwach auf den Beinen fühle, ist das ein Warnzeichen, dann muss ich schnell messen und essen.“

Diabetes kann gravierende Folgen haben wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Erblindung, Fußamputation oder Nierenversagen. 2013 starben 24.257 Menschen mit der Diagnose Diabetes, weiß die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zu berichten. Betroffen davon seien überwiegend „Menschen im fortschreitenden Alter“, erläutert Ralph Ziegler, Sprecher der AG Pädiatrische Diabetologie der DDG.

Die Stoffwechselerkrankung Typ 1 haben etwa 32.000 Heranwachsende bis 19 Jahre. 2500 kämen jährlich hinzu, so Ziegler. Wie viele Heranwachsende am Typ 2 erkranken, ist ungewiss. Bekannt sind rund 200 neue Fälle pro Jahr, doch rechnen Experten auch hier mit einer Dunkelziffer. „Das Problem wird unterschätzt“, ist Ziegler überzeugt.   

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Nie die Kontrolle verlieren

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