Medizintechnikmesse Medica
Alle Macht den Daten

Apps, Avatare, Wearables. Wer sich in diesem Jahr auf der weltweit größten Medizintechnikmesse Medica in Düsseldorf umsah, musste sich schon manchmal fragen: Warum muss ich überhaupt noch zum Arzt?

Düsseldorf
Wenn Nao seine Hüften rhythmisch zu Michael Jacksons' „Billie Jean“ schwingt, und euphorisch die kurzen Arme über seinen Kopf reißt, zücken alle Umstehenden ihre Handys. So etwas sieht man schließlich nicht jeden Tag. Denn Nao, vom Schweizer Startup Avatarion Technology, ist ein Roboter. Er ist gerade einmal 58 Zentimeter groß, mit einem freundlichen Gesicht und niedlichem Design. Mit ihm als Avatar können ans Krankenbett gefesselte Kinder wieder am Schulalltag teilnehmen.

Nao sitzt für sie im Klassenzimmer, während er mit einem Tablet gesteuert wird. Sehen, hören, sprechen, sogar tanzen kann der Roboter. Als Investition eignet er sich vor allem für Krankenhäuser, Kliniken oder andere Einrichtungen, die das Gerät dann nach Bedarf einsetzen können.

Denn mit umgerechnet 23.000 Euro ist er nicht für jeden erschwinglich. Das Universitätsklinikum Hamburg hat als erstes deutsches Krankenhaus bereits Interesse an dem kleinen Avatar angemeldet, bislang war der Roboter nämlich nur in der Schweiz erhältlich.

Nao ist eine von vielen Innovationen, die es im Oktober in Düsseldorf auf der größten Medizinmesse der Welt zu sehen gab: Der Medica. Fast 5000 Aussteller aus 70 Nationen verteilten sich auf dem Messegelände. Parallel dazu fand die Zulieferfachmesse für die Medizintechnik-Industrie, Compamed, statt.

Hier werden die neuesten Produkte, Dienstleistungen und Verfahren für ambulante und stationäre Patientenversorgung vorgestellt. Und davon gibt es bei dem global stark wachsenden Markt der Medizintechnikindustrie einiges . Bis zum Jahr 2020 soll er im Gesamtvolumen von aktuell 330 Milliarden Euro auf 470 Milliarden Euro ansteigen.

Ein Schwerpunkt in diesem Jahr: Die digitale Vernetzung und Übertragung medizinisch relevanter Daten von Patienten, kurz E-Health. Allein im vergangenen Jahr ist der Markt der Mobile Health Apps um vierzig Prozent gewachsen. Rund 165.000 Apps sind bereits erhältlich.

Anwendungen, die dem User im Bereich Fitness, Lifestyle und Ernährung, Zahlen und Daten auswerten und interpretieren. Sie sollen dem Patienten die Möglichkeit geben, seinen Gesundheitszustand zu erkennen und den Arztbesuch zwar nicht komplett ersetzen, aber ihn dort, so es Sinn macht, ergänzen. Die Medizin kommt zum Patienten.

Ein Beispiel ist „CardioSecur“ von der Frankfurter Firma Personal Med Systems. Mit gerade einmal vier Elektroden und einem USB-Anschluss, steht dem Patienten erstmals ein 22-Kanal-EKG inklusive 360-Grad-Sicht des Herzens auf dem Handy oder Tablet zur Verfügung.

Menschen, die schon einmal einen Infarkt hatten, können bei Schmerzen in der Brust jederzeit selbst ihren Herzrhythmus überprüfen. Die App zeigt dem Patienten dann an, ob eventuell ein Arztbesuch nötig ist. Wenn gewünscht, können diese Daten via E-Mail direkt dem zuständigem Hausarzt geschickt werden, der so immer über den Zustand seines Patienten informiert ist. Umgekehrt gibt es das Gerät auch in der professionalisierten Version für Ärzte.

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