Siemens, Braun, Fresenius & Co.
Spardruck trifft Medizintechnikbranche

Die Medizintechnik gilt als Wachstumsbranche, dennoch bangen in Deutschland viele Firmen um ihre Gewinne. Immer mehr Ausschreibungen für immer günstigere Medizinprodukte und Hilfsmittel drücken die Erträge.

FrankfurtDie großen Bevölkerungstrends geben der Medizintechnikbranche weltweit Aufwind, aber in Deutschland ist die Lage für viele Unternehmen nicht zufriedenstellend. Das zeigt die aktuelle Branchenumfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVmed), die am heutigen Dienstag in Berlin vorgestellt worden ist. Demnach erwarten nur noch 20 Prozent der Medizintechnikfirmen hierzulande für das laufende Jahr Gewinne, mehr als ein Drittel der Unternehmen geht sogar von einem Rückgang aus. Großes Problem für die Unternehmen ist der zunehmende Preisdruck gerade im wichtigen Inlandsmarkt. Immer größer werdende Einkaufsgemeinschaften auf Krankenhausseite sowie Ausschreibungen der Krankenkassen senken das Preisniveau in der Branche, die für einen Umsatz von zuletzt immerhin 25 Milliarden Euro steht.

Immer wieder haben Ausschreibungen für Hilfsmittel in den letzten Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Nicht nur die Industrie ist betroffen - auch die Patienten leiden. In Onlineforen, aber auch im Petitionsausschuss des Bundestages häuften sich die Klagen über die Ausschreibungspraxis. Beispiel Rollstühle: Werden sie bundesweit zentral ausgeschrieben und nicht mehr wohnortnah und individuell von Sanitätshaus geliefert, kann es viel länger dauern, bis ein Patient versorgt ist. Auch eine kleine Reparatur kann dann schnell zum Problem werden.

Drastisches Negativbeispiel für die Ausschreibungspraxis ist der Bereich Inkontinenzprodukte, also Windeln für Erwachsene. Einzelne Kassen haben bereits Verträge über Monatspauschalen von etwa zwölf Euro pro Patient abgeschlossen, was Kosten von etwa 40 Cent für die ganztägige Versorgung eines Patienten entspricht. Branchenüblich ist indes eine Pauschale, die mehr als doppelt so hoch ist.

Der BVmed kritisiert, dass durch die Ausschreibungspraxis in vielen Fällen kein ordentliches Versorgungsniveau mehr gewährleistet ist. Patienten, die eine bestimmte Produktqualität haben wollen, müssten immer häufiger zuzahlen. Auch für die Unternehmen steht der Hilfsmittelbereich bei den gesundheitspolitischen Forderungen an vorderster Stelle. 34 Prozent von ihnen sprechen sich für Verhandlungsverträge statt Ausschreibungen aus. Ebenso viele Unternehmen fordern, dass der Patient Wahlfreiheit hat, vom welchem Leistungserbringer er das Hilfsmittel beziehen möchte.

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Innovative Branche: Produkte oft jünger als drei Jahre

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