Web-TV für den Empfang am PC
Hinter dem Begriff „Web-TV“ verbirgt sich im Gegensatz zu IP-TV die Übertragung von TV-Sendungen als Videostream über das offen zugängliche Internet. Als Empfangsgerät dient nicht eine Settop-Box, sondern der PC, der auch primär für die Bildausgabe genutzt wird. Das Verschicken der Fernsehsendungen geschieht entweder – etwa bei den Fernsehsendern - mit Hilfe eines normalen Webservers, oder bei Web-TV-Portalen wie Joost, Zattoo oder Babelgum über ein P2P-Netzwerk, wie es etwa auch bei Tauschbörsen (BitTorrent) zum Einsatz kommt. Während im ersten Fall eine einfache Player-Software wie der Windows Media Player oder ein Internet-Browser zur Wiedergabe genügt, muss im zweiten Fall ein spezielles Client-Programm des Web-TV-Anbieters installiert werden. Diese Software wird von den Anbietern kostenlos zum Download angeboten, zudem hat P2P-Technik den Vorteil, dass jeder empfangende PC gleichzeitig zum Verteiler des Fernsehprogramms wird und damit zu einer höheren Gesamtleistung des Netzwerks beiträgt.
Um Unterbrechungen bei momentaner Auslastung des Netzwerks zu vermeiden, werden die angebotenen Programme mit einer geringeren Auflösung und mit einer niedrigeren Datenrate ausgestrahlt als im IP-TV. Zudem findet eine Pufferung der Video-Daten statt, die bei Schwankungen der Übertragungsleistung hilft, die Bildrate aufrecht zu erhalten. Unter dem Strich muss man also Einbußen bei der Bildqualität hinnehmen, zudem beginnt die Wiedergabe nach dem Aufruf der Sendung immer mit einigen Sekunden Verzögerung. Empfehlenswerte Voraussetzung für den Empfang ist auch bei Web-TV ein Breitband-Internetanschluss.
Abgesehen von den technischen Kompromissen hinsichtlich der Bildqualität hat Web-TV einige Vorzüge auf seiner Seite zu verbuchen. Zunächst einmal ist der Empfang in aller Regel kostenlos. Mit wenigen Ausnahmen (wie zum Beispiel das kostenpflichtige Web-TV-Angebot von RTL) finanziert sich die Ausstrahlung der TV-Programme aus Werbung, aus Rundfunk-Gebühren oder aus der Tatsache, dass die Inhalte ohne kommerziellen Hintergrund hergestellt werden. Zweitens ist die Vielfalt unglaublich groß: Neben den bekannten Fernsehsendern, die Ihre Sendungen live oder als Video-On-Demand aus dem Archiv anbieten (wie zum Beispiel die „ZDF Mediathek“) sind bei den P2P-Anbietern Hunderte von Kanälen zu empfangen – ebenfalls live oder auf Abruf. Darunter Sparten- und Special-Interest-Sender wie „Reuters Technology Week“, Produktionen aus semiprofessioneller Hand, aber auch vollwertige Spielfilmsender wie „Paramount Pictures Germany“.
Die Plattform Zattoo befindet sich zwar noch im Aufbau, steckt aber schon in weit gediehenen Verhandlungen mit den öffentlich rechtlichen Sendern in Deutschland, die demnächst auf diesem Weg ausgestrahlt werden sollen. Einige Kabel- und Spartenprogramme wie MTV, Das Vierte oder DSF senden bereits über Zattoo. Aufzeichnungen von verpassten Sendungen kann man sich mit Web-TV sparen, weil die Programme natürlich jederzeit nachträglich abgerufen werden können.
Web-TV hat unter dem Strich also eine Menge zu bieten und kostet mit wenigen Ausnahmen nichts. Auch hier ist jedoch ein schneller Internet-Zugang erforderlich, zudem kommt die Bildqualität lange nicht an die gewöhnte Qualität eines PAL-Fernsehbilds heran. Für Informationen und Unterhaltung am PC genügt es aber allemal. Die Beliebtheit von Portalen wie YouTube zeigt, dass zumindest ein Teil der Fernsehzukunft sich am PC bzw. im Internet abspielt.

