„Die Idee mit dem Ton scheint tatsächlich zu funktionieren“, sagt Boetius. Doch generell ist der Einfluss von Kohlendioxid auf die Lebenswelt größer, als sie vor der Forschungsreise geschätzt hatte. „Kaum ist ein winziger Schwellenwert überschritten, sind die normalen Lebensgemeinschaften der Tiefsee verschwunden.“ Es gelte daher, unbedingt Grenzwerte festzulegen, wie viel Kohlendioxid aus untermeerischen Endlagern höchstens austreten darf. Eine Option wäre ein natürlicher Wert: „Wir könnten messen, wie viel Kohlendioxid in einem bestimmten Gebiet auf natürliche Weise umgesetzt wird. Dann könnte man festlegen, dass dieser Wert durch das Verklappen nur um wenige Prozent steigen darf. Damit würde praktisch nicht ins Ökosystem eingegriffen.“ Der Grenzwert müsste für jedes Speichergebiet individuell bestimmt werden. Einfacher wäre ein Pauschalwert. „Damit aber nähmen wir sicher einige Todeszonen in Kauf.“
Ob aber das Versenken von Kohlendioxid im Meeresboden überhaupt tatsächlich umgesetzt wird, hängt auch von einer Kosten-Nutzen-Rechnung ab. Es ist aufwendig und teuer.
„Eines wird nämlich oft unter den Tisch gekehrt: Das Ganze geht zulasten der Energieeffizienz“, mahnt Rehder. Das Gas aus der Kraftwerksabluft abzuscheiden, es aufs Meer zu transportieren und in womöglich widerspenstige geologische Schichten einzuleiten erfordert einen Energieaufwand, der bis zu einem Drittel der jeweiligen Kraftwerksleistung entspricht. Soll die trotzdem gleich bleiben, muss also mehr Kohle, Gas oder Öl verfeuert werden. Es bleibt die Wahl: Ein schonender Umgang mit Ressourcen oder ein verminderter Kohlendioxidausstoß – beides wirkt bei der Kohlendioxidabscheidung und -einlagerung direkt gegeneinander.

