Musikdownloadanbieter QTRax sorgt für negative Schlagzeilen. Wird das Angebot überhaupt jemals starten? Unterdessen fordert der U2-Manager Geld von den Internet-Providern und Google
will Werbegeldschmarotzer stoppen. "Darüber spricht das Netz" - jeden Freitag bei "handelsblatt.com".
U2 im Einsatz: Ihr Manager Paul McGuinness fordert, Musiker an den Gewinnen der Silicon Valley-Firmen zu beteiligen
Noch vor wenigen Tagen klang es wie das nächste große Ding am Musikhimmel: QTrax sollte eine legale P2P-Tauschbörse werden, in der es Nutzern möglich sein sollte, 25 Millionen Musikstücke komplett kostenlos herunterladen - finanziert durch Werbung (auch Handelsblatt.com berichtete). Doch inzwischen klingt alles eher nach einem Drehbuch für einen Hollywood-Thriller: die hochgehypten QTrax-Pläne lösten sich nach und nach allesamt in Luft auf. Anstatt tatsächlich alle vier Major-Plattenfirmen an Bord zu haben, wie QTrax auf der Musikmesse Midem in Cannes ankündigte, gibt es derzeit Verträge mit genau keinem der Majors. Das Angebot ist inzwischen - mit Verspätung - gestartet, doch herunterzuladen gibt es nichts. Die Nutzer werden auf unbestimmte Zeit vertröstet. Doch warum hat QTrax dann Millionen ausgegeben, um die Midem zu sponsern, um Stars wie LL Cool J und James Blunt zu Konzerten nach Cannes zu holen und um für 24 Stunden DAS Gesprächsthema im weltweiten Netz zu sein? Mittlerweile gibt es dazu vor allem zwei Theorien. 1. Ein PR-Gau. QTRax wollte Druck auf die Plattenfirmen ausüben, weil die Verhandlungen nicht so richtig vom Fleck kamen. 2. Ein Betrugsfall. Angeblich wollte QTrax Brilliant Tech Corp-Betreiber seinen Aktienkurs anfeuern, um Millionen herauszuziehen. Der Penny-Stock der Firma kletterte von 5 Cent auf 9 Cent - und fiel inzwischen wieder zurück. Wo auch immer die Wahrheit zu finden ist - für QTrax steht auf jeden Fall fest, dass die Tage von Cannes den Ruf komplett ruiniert haben. Niemand wird das Angebot noch ernst nehmen - und warum sollten Plattenfirmen mit einem solch unseriösen Unternehmen jetzt noch verhandeln?
Internet-Links
» Die ausführliche QTrax-Berichterstattung im Musikblog Idolator.
» Hypebot.com: Was QTrax Debut just a Stock Manipulation Scheme?<
An anderer Stelle verstärkt die Musikindustrie nun ihren Kampf gegen Piraterie. So will Warner Bros. Records die Musiksuchmaschine Seeqpod verklagen, die es ermöglicht, Musikdateien aus dem gesamten Internet anzuhören. Das Neue an dem Fall: Seeqpod hat keine einzige Musikdatei auf den eigenen Servern, Warner greift also die Safe-Harbor-Regelung an, die Suchmaschinen und Internet-Provider vor rechtlichen Konsequenzen schützen soll, wenn sie nur neutral Inhalte weiterreichen. Für die Warner-Juristen gilt diese Regelung bei Seeqpod nicht, da das Angebot direkt darauf ausgerichtet sei, Geld mit urheberrechtlich geschütztem Material zu verdienen, ohne die Künstler dafür zu entlohnen. Einen Schritt weiter geht der U2-Manager Paul McGuinness, der in einer Rede auf der Musikmesse Midem gleich alle Unternehmen angriff, die Geld auf Kosten der Künstler verdienen würden. Die Silicon-Valley-Firmen "mit ihren Hippie-Werten" und ihrer "Geringschätzung für den wahren Wert von Musik" hätten lang genug von Piraterie profitiert. McGuinness fordert daher, u.a. an den Umsätzen der Internet-Provider, Telekom-Multis und MP3-Player-Hersteller beteiligt zu werden. Zudem sollen diese Unternehmen im Kampf gegen Musikpiraterie helfen.
Internet-Links
» ars technica: Warner sues ?playable search engine?, tests DMCA safe harbor.
» U2 manager calls Safe Harbor a Thieves? Charter - ebenfalls bei ars technica.
» Die Rede des U2-Managers McGuinness im Originalwortlaut - als PDF-Dokument.
Google
und die US-amerikanische Domain-Registrierungs-Organisation ICANN nehmen den Kampf gegen eine Gruppe von üblen Internet-Schmarotzern auf - die so genannten Domain Tasters. Die hatten bisher verschiedene Regelungen ausgenutzt, um an Millionen zu kommen. So war es bisher möglich, Internet-Domains für fünf Tage kostenlos zu registrieren und sie danach wieder zurückzugeben. Die Domain Taster bepackten ihre Seiten in diesen fünf Tagen mit Google
-Anzeigen und verdienten so viel Geld ohne großartige Kosten zu haben. Zu den Domains, die auf diese Art und Weise missbraucht wurden, gehören vor allem Tippfehler-Domains, auf die Nutzer versehentlich geraten. Wie groß das Problem ist, zeigt die Tatsache, das z.B. im Februar 2007 von den 55,1 Millionen registrierten Domains ganze 51,5 Millionen nach weniger als fünf Tagen wieder abgegeben wurden. Künftig soll diese kostenlose Testphase bei der Domain-Registrierung entfallen. Google
will zudem erst dann Anzeigen auf einer Internetseite zulassen, wenn diese seit mindestens fünf Tagen existiert. Folge: Die Schmarotzer-Branche der Domain-Taster wird es sehr viel schwerer haben, an Geld zu kommen. Ein kleiner, aber feiner Sieg für ein saubereres Netz.
Internet-Links
» TechCrunch: Google
May Knee Cap Domain Tasting.<
» The Next Web: Deadpool: Domain Tasting and kiting industry
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Weitere Themen
Weitere Themen der Woche im Schnelldurchlauf
MySpace öffnet seine Community endlich für fremde Entwickler. Ab dem 5. Februar macht man es Facebook gleich und lässt Drittanbieter kleine Zusatzprogramme und Gimmicks programmieren. Konkurrent Facebook hatte durch solch eine Öffnung im vergangenen Jahr den großen Durchbruch geschafft. Interessierte Entwickler können sich bereits jetzt bei MySpace » anmelden, losprogrammiert werden kann ab dem 5. Februar.
Amazon hat für 300 Millionen US-Dollar die Hörbuch-Download-Plattform Audible übernommen. Audible, vor mehr als zehn Jahren gegründet, bietet über 80 000 Hörbücher, Hörspiele und gesprochene Zeitschriften- und Zeitungsartikel zum kostenpflichtigen Download an. Noch unklar sind die » Auswirkungen auf den deutschen Ableger Audible.de, der vom Audible-Mutterhaus gemeinsam mit Holtzbrinck Ventures und Random House betrieben wird.
Das Schicksal für das » HD-DVD-Frmat scheint besiegelt. Nachdem Warner sich für das Konkurrenzformat Blue-Ray entschieden hatte, sanken die Verkäufe von HD-DVD-Playern in den USA dramatisch. In der Woche nach der Warner-Entscheidung erkämpften sich die Blue-Ray-Abspielgeräte bei den Verkäufen einen Marktanteil von 93 Prozent. Ganz aufgeben will HD-DVD-Hersteller Toshiba aber noch nicht: Während des Super Bowls laufen teure Werbespots für Toshiba-HD-DVD-Player.
Die Games-Branche hat ein » Rekordjahr hinter sich. Die weltweiten Umsätze stiegen um 28,4 Prozent an - auf 18,85 Milliarden US-Dollar. Die erfolgreichsten Spielkonsolen kamen von Nintendo. So wurden von der Wii 6,29 Millionen Stück verkauft, vom Handheld-Gerät Nintendo DS sogar 8,5 Millionen.
Die US-amerkanische Medienaufsicht FCC sorgt für » kuriose Schlagzeilen. Sie verhängte Strafen für 51 lokale TV-Stationen des ABC-Netzwerks, weil dort im Februar 2003 ein nackter Hintern in der mittlerweile längst beendeten TV-Serie "NPYD Blue" zu sehen war. "Our action today should serve as a reminder to all broadcasters that Congress and American families continue to be concerned about protecting children from harmful material and that the FCC will enforce the laws of the land vigilantly". Es lebe das prüde Amerika.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Youtube-Commercial und Gaga-Link
Youtube-Commercial der Woche
Der Super Bowl sorgt auch in diesem Jahr für einige großartige Fernsehwerbespots, die den vielen Millionen Football-Fans während der Live-Übertragung präsentiert werden. Dank des Internets sind einige davon sogar bereits jetzt zu sehen - z.B. dieser amüsante Pepsi-Spot, in dem Popstar Justin Timberlake » vollen Körpereinsatz zeigt:
Der Gaga-Link der Woche
Die unheimliche Macht Google
und ihr gruseliges Street-View-Angebot wird in » diesem netten Clip zweier Comedians auf die Schippe genommen. Der Beginn einer neuen Mystery-Serie, in der die wahre Macht hinter Google
enthüllt wird?

