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01.02.2008 
Darüber spricht das Netz

Der große QTrax-Schwindel

von Jens Schröder

Musikdownloadanbieter QTRax sorgt für negative Schlagzeilen. Wird das Angebot überhaupt jemals starten? Unterdessen fordert der U2-Manager Geld von den Internet-Providern und Google will Werbegeldschmarotzer stoppen. "Darüber spricht das Netz" - jeden Freitag bei "handelsblatt.com".

U2 im Einsatz: Ihr Manager Paul McGuinness fordert, Musiker an den Gewinnen der Silicon Valley-Firmen zu beteiligenLupe

U2 im Einsatz: Ihr Manager Paul McGuinness fordert, Musiker an den Gewinnen der Silicon Valley-Firmen zu beteiligen

Noch vor wenigen Tagen klang es wie das nächste große Ding am Musikhimmel: QTrax sollte eine legale P2P-Tauschbörse werden, in der es Nutzern möglich sein sollte, 25 Millionen Musikstücke komplett kostenlos herunterladen - finanziert durch Werbung (auch Handelsblatt.com berichtete). Doch inzwischen klingt alles eher nach einem Drehbuch für einen Hollywood-Thriller: die hochgehypten QTrax-Pläne lösten sich nach und nach allesamt in Luft auf. Anstatt tatsächlich alle vier Major-Plattenfirmen an Bord zu haben, wie QTrax auf der Musikmesse Midem in Cannes ankündigte, gibt es derzeit Verträge mit genau keinem der Majors. Das Angebot ist inzwischen - mit Verspätung - gestartet, doch herunterzuladen gibt es nichts. Die Nutzer werden auf unbestimmte Zeit vertröstet. Doch warum hat QTrax dann Millionen ausgegeben, um die Midem zu sponsern, um Stars wie LL Cool J und James Blunt zu Konzerten nach Cannes zu holen und um für 24 Stunden DAS Gesprächsthema im weltweiten Netz zu sein? Mittlerweile gibt es dazu vor allem zwei Theorien. 1. Ein PR-Gau. QTRax wollte Druck auf die Plattenfirmen ausüben, weil die Verhandlungen nicht so richtig vom Fleck kamen. 2. Ein Betrugsfall. Angeblich wollte QTrax Brilliant Tech Corp-Betreiber seinen Aktienkurs anfeuern, um Millionen herauszuziehen. Der Penny-Stock der Firma kletterte von 5 Cent auf 9 Cent - und fiel inzwischen wieder zurück. Wo auch immer die Wahrheit zu finden ist - für QTrax steht auf jeden Fall fest, dass die Tage von Cannes den Ruf komplett ruiniert haben. Niemand wird das Angebot noch ernst nehmen - und warum sollten Plattenfirmen mit einem solch unseriösen Unternehmen jetzt noch verhandeln?

Internet-Links

An anderer Stelle verstärkt die Musikindustrie nun ihren Kampf gegen Piraterie. So will Warner Bros. Records die Musiksuchmaschine Seeqpod verklagen, die es ermöglicht, Musikdateien aus dem gesamten Internet anzuhören. Das Neue an dem Fall: Seeqpod hat keine einzige Musikdatei auf den eigenen Servern, Warner greift also die Safe-Harbor-Regelung an, die Suchmaschinen und Internet-Provider vor rechtlichen Konsequenzen schützen soll, wenn sie nur neutral Inhalte weiterreichen. Für die Warner-Juristen gilt diese Regelung bei Seeqpod nicht, da das Angebot direkt darauf ausgerichtet sei, Geld mit urheberrechtlich geschütztem Material zu verdienen, ohne die Künstler dafür zu entlohnen. Einen Schritt weiter geht der U2-Manager Paul McGuinness, der in einer Rede auf der Musikmesse Midem gleich alle Unternehmen angriff, die Geld auf Kosten der Künstler verdienen würden. Die Silicon-Valley-Firmen "mit ihren Hippie-Werten" und ihrer "Geringschätzung für den wahren Wert von Musik" hätten lang genug von Piraterie profitiert. McGuinness fordert daher, u.a. an den Umsätzen der Internet-Provider, Telekom-Multis und MP3-Player-Hersteller beteiligt zu werden. Zudem sollen diese Unternehmen im Kampf gegen Musikpiraterie helfen.

Internet-Links

Google und die US-amerikanische Domain-Registrierungs-Organisation ICANN nehmen den Kampf gegen eine Gruppe von üblen Internet-Schmarotzern auf - die so genannten Domain Tasters. Die hatten bisher verschiedene Regelungen ausgenutzt, um an Millionen zu kommen. So war es bisher möglich, Internet-Domains für fünf Tage kostenlos zu registrieren und sie danach wieder zurückzugeben. Die Domain Taster bepackten ihre Seiten in diesen fünf Tagen mit Google-Anzeigen und verdienten so viel Geld ohne großartige Kosten zu haben. Zu den Domains, die auf diese Art und Weise missbraucht wurden, gehören vor allem Tippfehler-Domains, auf die Nutzer versehentlich geraten. Wie groß das Problem ist, zeigt die Tatsache, das z.B. im Februar 2007 von den 55,1 Millionen registrierten Domains ganze 51,5 Millionen nach weniger als fünf Tagen wieder abgegeben wurden. Künftig soll diese kostenlose Testphase bei der Domain-Registrierung entfallen. Google will zudem erst dann Anzeigen auf einer Internetseite zulassen, wenn diese seit mindestens fünf Tagen existiert. Folge: Die Schmarotzer-Branche der Domain-Taster wird es sehr viel schwerer haben, an Geld zu kommen. Ein kleiner, aber feiner Sieg für ein saubereres Netz.

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