Neue Facebook-Nutzerzahlen sorgen für Aufsehen: Ist der Social-Community-Hype am Ende? Noch lang nicht am Ende ist hingegen Apples
iTunes-Shop, tatsächlich am Ende aber der YouTube-Konkurrent Stage6. "Darüber spricht das Netz" - jeden Freitag bei "Handelsblatt.com".
Neue Facebook-Nutzerzahlen haben Teile der Blogosphäre in helle Aufregung versetzt. Laut der Medienforscher von ComScore hat sich das US-Wachstum der Social Community in den vergangenen Monaten stark abgeschwächt, zwischen Dezember und Januar gingen sogar 2,3 Prozent der Besucher verloren. Sofort machte der Begriff "Facebook Fatigue" die Runde, die "Facebook-Müdigkeit". Zahlen aus England ziehen weitere Social Communities in die Diskussion. So verlor dort laut Nielsen Media Research nicht nur Facebook, sondern auch Konkurrenten wie MySpace und Bebo.
Auch wenn wohl erst in ein paar Monaten fundierte Aussagen darüber getroffen werden können, ob und wie stark ein Community-Verdruss eingesetzt hat, so deuten viele Zeichen darauf hin, als hätte tatsächlich bei vielen so genannten "Web 2.0"-Angeboten eine Stagnation eingesetzt. Die Neugier bei den Nutzern hat sich abgeschwächt, all die neuen Angebote sind nicht mehr so neu und Communities sprießen wie Unkraut aus dem Boden. Auch der Coolness-Faktor der Angebote schwächt sich mit der Zeit ab: "Wenn konservative Abgeordnete oder große Unternehmen Facebook-Profile anlegen, beschädigt das den Wert der Marke und treibt die Kernnutzer in die Arne neuer und glaubwürdigerer Alternativwebsites", so Nic Howell von Magazin "New Media Age". Doch ist diese Tatsache so dramatisch? Wohl nicht. Wie bei jedem Medium und jedem Produkt ist die potenzielle Zielgruppe irgendwann erreicht, neue Nutzer und Käufer zu finden, fällt immer schwerer. Nur weil sich das rasante Facebook-Wachstum der vergangenen Monate abschwächt, ist die Website nicht gleich ein Fall für den Internet-Friedhof.
Internet-Links
» TechCrunch: Facebook Fatigue? Visitors Level Off In the U.S.
» guardian.co.uk: Facebook sees first dip in UK users
» BBC News: Facebook sees decline in users
Positive und erstaunliche Zahlen hatte Apple
in dieser Woche zu verkünden. Nach Angaben der Marktforscher der NPD Group ist Apples
Musikdownloadshop iTunes in den USA nun auf Platz 2 der Musikverkäufer angelangt. Wohlgemerkt: Nicht auf Platz 2 der Download-Shops - dort ist iTunes seit Langem Marktführer, sondern auf Platz 2 des gesamten Musikmarktes. Geschlagen wird iTunes nur noch von der Supermarktkette Wal-Mart. Das amerikanische Media-Markt-Pendant Best Buy folgt nun erst auf Rang 3, Versandhändler Amazon dahinter auf Platz 4. Laut NPD Group ist die Zahl der Musikdownloadkundschaft in den USA im vergangenen Jahr um 5 Millionen angestiegen - vor allem bei den 36- bis 50-Jährigen gäbe es einen deutlichen Zuwachs. Um eine Million Kunden geschrumpft ist hingegen der CD-Markt. Vor allem junge Käufer bleiben Tonträgern fern: 48 Prozent der US-Teenager haben demnach 2007 keine einzige CD gekauft, 2006 waren es noch 38 Prozent. Erfreulich für die Musikbranche: Während die Umsätze mit legalen Downloads steigen, stagniert die Zahl derjenigen, die illegale P2P-Tauschbörsen nutzen, um an ihre Musik zu kommen.
Internet-Links
» ars technica: Kids don't like CDs
» Guardian: Bad news for music labels
» cnet-News Blog: When will iTunes replace Wal-Mart as No. 1 music retailer?
Der YouTube-Konkurrent Stage6 ist am Ende. Wegen zu hoher Kosten und zu hohem Personalaufwand schließt Betreiber DivX, Inc. die Website. Ursprünglich als kleines Angebot geplant, auf dem die Entwickler des Video-Komprimierungsverfahrens Divx zeigen wollten, in welch hoher Qualität Internet-Videos abseits von ruckelnden Flash-Clips à la YouTube möglich sind, wuchs die Nutzerschaft von Stage6 rasant an. "TechCrunch" berichtet, dass diese Besucherströme Kosten von bis zu einer Million Dollar pro Monat verursachen - etwa 11 Prozent der Divx-Einnahmen. Das Aus ist für Divx, Inc. also ein Befreiungsschlag. Die wachsende Popularität der Plattform ist zu einem großen Teil Leuten zu verdanken, mit denen sich kaum ein seriöses Unternehmen gern umgibt. Seit Jahren wurde Stage6 verstärkt von Leuten genutzt, die dort nicht ihre eigenen produzierten Videos hochluden, sondern aktuelle Kinofilme und Fernsehserien. Zwar wurden diese illegalen Inhalte ebenso wie Pornografisches von den Stage6-Mitarbeitern regelmäßig gelöscht, doch gegen die Flut von illegalen Inhalten kamen sie zum Schluss nicht mehr an. Die Folge: Millionen von neuen Besuchern für Stage6, aber eben auch wesentlich höhere Kosten und ein erheblicher Mehraufwand bei der Pflege der Website. "TechCrunch" spekuliert zudem über Streitereien im Management, die das Aus der Website beschleunigt hätten. Wie auch immer: Die Konsolidierung im Markt der Videoplattformen hat offensichtlich begonnen.
Internet-Links
» TechCrunch: DivX Shuts Down Popular Piracy Site Stage6
» TechCrunch: Serious Drama, And Lots Of Stupidity, Behind Stage6 Shutdown.
» the next web: High-quality video service Stage6 soon to be history
» Stage6 to Shut Down on February 28 - im offiziellen Stage6-Blog
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Schnelldurchlauf
Weitere Themen der Woche im Schnelldurchlauf:
Mit einem revolutionären Konzept hat die BBC ihre » neue Homepage an den Start gebracht. Die neue Startseite können Nutzer so gestalten, wie sie wollen. Alles lässt sich hin und herschieben, an den persönlichen Geschmack anpassen und verändern. Zwar gibt es ähnliche Möglichkeiten auch bei Google oder Diensten wie Netvibes, doch für ein großes Medienhaus ist dieser Schritt erstaunlich und bahnbrechend.
Mit einem neuen Analyseverfahren, dem » Engagement Mapping will Microsoft seinen Internet-Werbekunden künftig wesentlich mehr Daten liefern als bisher. Künftig wird es Kunden möglich sein, genau zu verfolgen, wann ein Website-Nutzer ein Banner gesehen hat, wann eine Textanzeige, wann ein Video-Ad und wann er schließlich auf die Werbung geklickt hat und womöglich ein Produkt bestellt hat. Ziel: Werbekunden sollen genau herausfinden können, welche Werbeform in welchem Fall zum größtmöglichen Erfolg führt.
Neue Details zum geplanten » MySpace Music-Dienst. Laut verschiedenen Berichten soll das neue Angebot sowohl Shops wie iTunes als auch Dienste wie LastFM angreifen. Demnach wird "MySpace Music" einen webefinanzierten Musik-Player anbieten, der in fremde Websites und Blogs eingebunden werden kann - zudem ist eine Kooperation mit Amazon in Sachen Download-Shop geplant. Die vier großen Musikmajors sollen allesamt an "MySpace Music" beteiligt werden. Wann es losgehen soll, steht allerdings noch in den Sternen.
Mit einer ungewöhnlichen Aktion bezieht die Tageszeitung » Dallas Morning News ihre Leser in die journalistische Arbeit ein. Nachdem in Dallas die umfangreichen Akten zum Mord an John F. Kennedy für die Öffentlichkeit freigegeben wurden, stellen die "Dallas Morning News" sie nun als PDF auf ihre Website. Ziel: Aufgrund des großen Umfangs der Unterlagen (Zeugenaussagen, Polizei-Protokolle, Obduktionsberichte, etc.) sollen interessierte Leser mithelfen, die Akten zu sichten und darin eventuell interessante Geschichten zu entdecken. - eine Art Schwarmintelligenz-Journalismus also.
Ein Nachtrag zur vergangenen Woche: Internet-Promi und Creative-Commons-Entwickler » Lawrence Lessig kandidiert nun doch nicht für den US-Congress. Grund: Seine potenzielle Gegenkandidatin ist viel zu populär und die Zeit für einen ernsthaften Wahlkampf wäre zu kurz. Lessig konzentriert sich nun auf seine "Change Congress"-Kampagne.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Youtube-Commercial und Gaga-Link
Youtube-Commercial der Woche:
Ein Viral-Spot wie aus dem Lehrbuch. Man nehme verwackelte Videobilder mit mittelmäßiger Qualität, die damit authentisch wirken, bearbeite sie aber mit einem Computer, um die Akteure des Spots Unglaubliches leisten zu lassen - fertig. Hier ist der gelungene Werbeclip für das Videospiel » FIFA Street 3:
Der Gaga-Link der Woche:
Kennen Sie diese kleinen Töne, die das Betriebssystem Windows von sich gibt, wenn eine Fehlermeldung aufpoppt, eine neue Mail im Postfach eintrifft oder der Rechner einfach nur startet? Ein Mensch, der eindeutig zu viel Zeit hat, hat diese eigentlich langweiligen Töne benutzt, um ein » erstaunliches Stück Musik daraus zu komponieren. Sehen Sie selbst:

