Nach den Raubkopierern hat es die Unterhaltungsindustrie auf die Internet-Provider abgesehen. In Irland wird ein solcher Dienstleister nun verklagt. Auch die Übernahme des Social Networks bebo durch AOL sorgt für Schlagzeilen, ebenso wie die neuen Entwicklungen um die Video-Plattformen Hulu und Zattoo. "Darüber spricht das Netz" - jeden Freitag bei "Handelsblatt.com".
Jetzt sind die Provider dran: In ihrem Kampf gegen Raubkopierer hat die Unterhaltungsindustrie verstärkt die Internet-Provider im Visier. Schließlich würden die mit ihren Hochgeschwindigkeits-Flatrates erst dafür sorgen, dass so viele Menschen Tauschbörsen nutzen und jede Menge Musik und Filme illegal aus dem Netz laden. Erstmals hat die IFPI, Verband der Musikindustrie nun einen Provider verklagt: Eircom, einen der größten Internet-Dienstleister Irlands. Eircom solle die Piraterie in seinem Netz beenden, so das Anliegen der IFPI. Weltweit diskutieren Experten seit einiger Zeit, inwiefern Provider tatsächlich für das Verhalten ihrer Nutzer in Haftung genommen werden können. Dagegen spricht das wichtige Argument der Netzneutralität, die das Internet erst zu dem gemacht hat, was es ist: dem demokratischsten Medium überhaupt. Provider sind schließlich nur Zugangsanbieter. Zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich zu sehr einmischen, was ihre Kundschaft treibt, wird es bedenklich. Schließlich kommt auch niemand auf Idee, die Post zu verklagen, weil Erpresserbriefe mit ihr verschickt werden. Das Blockieren des Peer-2-Peer-Verkehrs würde zudem auch legale Dienste treffen. Selbst die Unterhaltungsindustrie will verstärkt solche Verfahren nutzen, um Videos und andere Inhalte zu transportieren.
Internet-Links
» ars technica über den Prozess in Irland
» TorrentFreak: IFPI Takes ISP to Court to Impose Music Piracy Filter
Das meistdiskutierte Thema der Woche war natürlich auch in den internationalen Blogs die Übernahme der Social Community bebo durch AOL (Handelsblatt.com berichtete). Die Meinungen der Blogger gehen dabei weit auseinander. Verschiedene Argumente werden angeführt, um den Deal als gut oder miserabel einzuordnen. Während viele Blogger den Deal als sinnvoll betrachten und von einem großen Comeback für AOL sprechen, weil das AOL-Publikum zu alt sei und man mit bebo seiner Werbekundschaft viele neue junge Nutzer präsentieren könne, wird die Situation anderswo differenziert betrachtet. So verabschiedet sich Internet-Promi Jeff Jarvis schon mit den Worten "Poor Bebo" von der Plattform. AOL hätte in der Vergangenheit oft genug gezeigt, dass ehemals großartige Innovationen dort den Tod der Langeweile sterben würden. Jarvis erinnert u.a. an Netscape. Seine Vermutung: Die bebo-Gründer würden sich bald frustriert aus ihrem Unternehmen verabschieden und bebo würde langfristig im unattraktiven AOL-Portal untergehen. Handelsblatt-Blogger Axel Postinett schreibt davon, dass der Deal vor allem für Yahoo eine schlechte Nachricht sei. Yahoo vermarkte schließlich bebo - und würde diesen Kunden mittelfristig sicher verlieren. Postinett vermutet nun, dass Microsoft sein Angebot zur Yahoo-Übernahme senken könnte.
Internet-Links
» Webware berichtet über den AOL-bebo-Deal
» Der pessimistische Jeff Jarvis schreibt in seinem "BuzzMachine"-Blog über den Deal
» Axel Postinetts Analyse im Handelsblatt-Blog "Web-Watcher"
Nach einer langen Testphase ist das Internet-TV-Angebot Hulu nun offiziell an den Start gegangen. Über Hulu, ein Joint Venture von NBC Universal und Rupert Murdochs News Corp., können zahlreiche Fernsehserien und Filme von Anbietern wie NBC, Fox, MGM, Sony Pictures und Warner Bros. Kostenlos und werbefinanziert im Netz geschaut werden. Deutsche Nutzer haben allerdings nichts davon: Weil die Ausstrahlungsrechte an den Filmen und Serien hierzulande bei deutschen Sendern und Filmhändlern liegen, bleibt das Hulu-Fenster für Deutsche schwarz. Dennoch gibt es auch für deutsche Internet-TV-Freunde gute Nachrichten. So hat das Unternehmen Zattoo laut epd einen Vertrag mit ARD und ZDF abgeschlossen. Demnach soll noch im März die Ausstrahlung der rund 25 öffentlich-rechtlichen Fernsehsender über die kleine TV-Software starten. Sie gesellen sich dann zu den bereits über Zattoo gezeigten Kanälen wie CNN, Viva, MTV, Das Vierte, Tele 5 und DSF. Das Fernsehgerät wird also wieder ein Stück überflüssiger.
Internet-Links
» Analyse zum Hulu-Start im Blog "last100"
» Hulu - Still Not That Fun If You?re In Europe - bei Mashable
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Schnelldurchlauf
Weitere Themen der Woche im Schnelldurchlauf:
Neue Gerüchte um einen Verkauf der Social-News-Website Digg haben ein paar Blogs in Aufregung versetzt. So berichtete Michael Arrington in » TechCrunch , Digg würde schon seit einigen Monaten mit Hilfe einer Investmentbank nach einem Käufer suchen - und Google sowie Microsoft hätten Interesse gezeigt. Zwar hat Digg-CEO Jay Adelson den Bericht schnell dementiert, Arrington bleibt aber bei seiner Darstellung, da seine Quelle "sehr sehr gut" sei. Es bleibt also spannend bei Digg.
Die Rockband » Nine Inch Nails hat erste Zahlen zum Internet-Verkauf des neuen Albums veröffentlicht (siehe "Darüber spricht das Netz" von vergangener Woche). Demnach hat die Band in der ersten Woche mehr als 1,6 Millionen US-Dollar eingenommen. Eine beachtliche Zahl, die sicher auch andere Musiker zum Nachdenken bringen wird, ob eine Plattenfirma noch so wichtig ist.
Die UN hat eine unfassbar umfangreiche neue Website ins Netz gestellt: Auf » UNdata lassen sich gigantische Datenbanken mit Statistiken aus aller Welt abrufen - und zwar komplett kostenlos. Bevölkerungszahlen, Wirtschaftsdaten, Zahlen zu Gesundheit, Umwelt, Tourismus - die Möglichkeiten von UNdata sind riesig.
Lang bevor die Olympischen Spiele in Peking losgehen, sorgt die offizielle » Olympia-Website für Peinlichkeiten. Laut verschiedener Berichte sind dort diverse Flash-Games zu finden, die verblüffende Ähnlichkeiten zu bereits existierenden Spielen aufweisen. So habe man oft nur wenige Grafiken des Originalspiels ausgetauscht und es als eigene Idee auf die Olympia-Website gestellt. Das Internet wird immer populärer - auch in den Büros. Schlechte Nachrichten für Unternehmen hat eine » Untersuchung der Medienforscher von Nielsen zu Tage gebracht. So sind allein im Januar in den USA 674,2 Millionen YouTube-Videos während der Arbeitszeit abgerufen worden. Den größten Traffic gäbe es demnach zwischen 12 Uhr mittags und 14 Uhr.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Youtube-Commercial und Gaga-Link
Youtube-Commercial der Woche:
Schlechte Werbefilme gab es schon immer. Wer erinnert sich nicht mit Grauen an die Kinospots von Friseuren oder Kneipen aus dem Heimatort - produziert von irgendjemanden, der sich nicht wirklich damit auskennt? Dank des Internets gehen diese Werbeverbrechen nun um die ganze Welt. Aber vielleicht freut es Fred and Sharon ja auch, dass ihr kleiner » Werbefilm für die eigene Videoproduktionsfirma dank vieler Blogs nun weltberühmt ist:
Der Gaga-Link der Woche:
Manche Ideen klingen in der Theorie so bizarr, dass man sie einfach ausprobieren muss. Was passiert zum Beispiel» passiert zum Beispiel, wenn man unter ein paar "Star Wars"-Filmszenen die Musik der britischen Comedyreihe "Benny Hill Show" legt? Sehen Sie selbst:

