Auktions-Gigant Ebay
und Anzeigenplattform Craigslist liefern sich derzeit einen juristischen Krieg mit Anzeigen und Gegenanzeigen. Unterdessen hat die Erdbeben-Katastrophe in China auch im Internet für Aufsehen gesorgt und Medien-Multi CBS hat das News-Angebot "CNet" übernommen. D. "Darüber spricht das Netz" - jeden Freitag bei "Handelsblatt.com".
Das weltweit größte Auktionshaus Ebay
und die Anzeigenbörse Craigslist liefern sich in Kalifornien derzeit eine hitzige juristische Auseinandersetzung. Begonnen hatte der Kampf mit einer Klage von Ebay
gegen Craigslist. Der Plattform wurde von Ebay
vorgeworfen, mit illegalen Methoden versucht zu haben, den Einfluss von Ebay
zu verringern. Ebay
besitzt 28,4 % der Craigslist-Anteile. Zudem stört Ebay
, dass Craigslist weit weniger Geld verdient als es könnte, da viele Dienste kostenlos angeboten würden.
Gründer und Boss Craig Newmark ist bekannt dafür, nicht um jeden Preis Milliarden scheffeln zu wollen, sondern nur so viel, dass das Unternehmen gut davon leben kann. Seine Rache an Ebay
hat er nun am California Superior Court eingereicht: eine Gegenklage. Darin wirft Newmark Ebay
vor, Firmengeheimnisse dafür genutzt zu haben, mit Kijiji einen Craigslist-Konkurrenten auf den Markt zu bringen. Zudem hätte Ebay
Werbeanzeigen unter dem "Craigslist"-Label bei Google geschaltet, die dann aber zu Kijiji führten. Wie der Kleinkrieg ausgeht, ist derzeit noch nicht abzuschätzen, die Fronten sind aber verhärtet: Ebay
will mehr Einfluss bei Craigslist und Craigslist will Ebay
möglichst komplett aus dem Unternehmen haben.
Internet-Links
» Analyse und die komplette Gegenklage im Wortlaut - beim Silicon Alley Insider
» Kurzer Eintrag mit zahlreichen Kommentaren im Craigslist-Blog
Bei jedem Großereignis stellt sich wieder die Frage, welche Rolle der Medienwandel spielt und wie sehr die modernen Kommunikationsformen des Netzes zur Konkurrenz für die herkömmlichen Medien werden. Im Falle des Erdbebens, dass vor wenigen Tagen China erschütterte, hat sich Twitter als Plattform herausgestellt, die in Sachen Tempo ungeschlagen war. Noch bevor CNN, Nachrichtenagenturen oder Websites großer Mainstream-Medien berichteten, war die Nachricht vom Erdbeben in China bei Twitter schon ein alter Hut. Zahlreiche Nutzer schrieben kurze Nachrichten, die auf das Beben hinwiesen. Auch Videoplattformen wie YouTube oder das chinesische Pendant Tudou wurden genutzt um Eindrücke aus der Region zu präsentieren. Zwar sind all das nur Momentaufnahmen und Augenzeugen-Schnipsel, die journalistische Analysen nicht verdrängen oder ersetzen, ein Ansporn für Presse und Fernsehen sind sie aber auf jeden Fall. Oder konnte ein TV-Sender in den ersten Stunden nach dem Beben mit solchen Bildern dienen wie der Student aus Sichuan, der folgendes Video ins Netz gestellt hat?
Internet-Links
´» Silicon Alley Insider: Following The China Quake Using Google, Twitter
» Twitters beat media in reporting China earthquake - bei Yahoo! News
» ReadWriteWeb: Did Twitter Really 'Outshine' the Mainstream Press?
Die wohl interessanteste Netzwirtschaftsmeldung der Woche kam von CBS. Der Medienmulti übernimmt CNET, ein Netzwerk verschiedener Internet-Info-Angebote, darunter "ZDNet", "Gamespot.com", "TV.com" und "mp3.com". Der Preis, den CBS zahlt, liegt bei 1,8 Milliarden Euro. Zwar gibt es fast keine Synergien zwischen den Unternehmen, aber aus Sicht von CBS macht der Deal dennoch Sinn. Spätestens durch den Kauf von Last.FM hat die Mediengruppe, die ihr meistes Geld mit Fernsehen und Radio verdient, gezeigt, dass sie sich für die Zukunft rüsten will. Und einfacher als ein großes Netz von eigenen Websites aufzubauen dürfte es auf jeden Fall sein, eine bewährte Firma mit großen Nutzerzahlen zu übernehmen. Interessantes Detail: 1999 war CNET schon mal 12 Milliarden Dollar wert. Die nun bezahlten 1,8 Milliarden sind im Vergleich dazu doch ein Schnäppchen.
Internet-Links
» Wer ist CBS? Der englische Wikipedia-Eintrag
» Die Nachricht bei paidContent.org
» GigaOM: Why Buying CNet Makes Sense for CBS
» TechCrunch: Why CBS Bought CNET, And Not The Other Way Around
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Weitere Themen der Woche im Schnelldurchlauf
Interessante Zahlen in Sachen Computernutzung: Nicht etwa coole neue Angebote wie Facebook und YouTube werden von Early Adoptern am meisten genutzt, sondern konservative Software wie Outlook und Microsoft Word. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie von » RescueTime, einer Software, die bei Freiwilligen - derzeit eben vor allem Early Adopter - misst, wie viel Zeit mit welcher Software bzw. welcher Website verbracht wird.
Der Markt der Online-Spiele-Abos boomt unaufhörlich. Nach Zahlen der Marktforscher der » NPD Group geben US-Amerikaner derzeit 1 Milliarde Dollar für solche Abos aus. Größter Hit ist dabei natürlich das legendäre "World of Warcraft", beliebt sind zudem "RuneScape" und "Lord of the Rings Online". Der typische Nutzer der Online-Games ist wenig überraschend männlich und unter 35 Jahre alt.
Die Netz-Vermesser von Compete haben Nutzerzahlen von großen Musik-Websites veröffentlicht. Erstaunliches Ergebnis: Nicht die großen illegalen P2P-Websites sind die populärsten Plattformen, mit denen die Fans an ihre Musik kommen, sondern legale Stream-Anbieter wie die Musik-Ableger von Yahoo, AOL und MySpace. Populärste Musik-Website ist laut » Compete inzwischen imeem.com. Dort tummelten sich im März über 10 Millionen US-Bürger.
Kaum ein Gebiet, auf dem Microsoft sich mit seinem Rückstand auf Google zufrieden gibt. Nun greift MS Google auch beim Blick auf das All an. Microsoft hat dafür das "WorldWide Telescope" gestartet, ein Tool, mit dem faszinierende Blicke in das Weltall möglich sind. Im Vergleich zu "Google Sky" setzt sich » Microsofts Programm u.a. mit kommentierten Touren ab, die dem Nutzer den Sternenhimmel erklären.
YouTube versucht mit einem neuen Modell, mehr Geld mit Werbung zu verdienen. Potenziellen Kunden wird ab sofort ein » Buzz-Targeting-Produkt angeboten. Damit können Werbungtreibende gezielt in den Videos Werbung schalten, die im Internet für Aufsehen sorgen, in kurzer Zeit in vielen Blogs verlinkt werden und damit oft angeschaut werden. Erster Kunde ist Filmproduzent Lions Gate, der für den Film "The Forbidden Kigdom" wirbt.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Youtube-Commercial und Gaga-Link
Youtube-Commercial der Woche:
Unser dieswöchiges YouTube-Commercial ist zwar schon etwas älter, aber dennoch überaus sehenswert. Es ist eine Art Dokumentation einer » Outdoor-Kampagne für Google Video, die mit einer genial simplen Idee für eine tolle Wirkung sorgte:
Der Gaga-Link der Woche:
Ob unser » Gaga-Video ebenfalls eher ein Commercial ist, war leider nicht herauszufinden. Wie auch immer: Lustig ist es auf jeden Fall - zumindest für Kenner des Videospiels "Guitar Hero":

