Vom weiteren Siegeszug von Google
bis zum Microblogging: Was in den kommenden zwölf Monaten im Internetbusiness wichtig wird. Dazu: Das Youtube-Commercial und der Gaga-Link des Jahres.
DÜSSELDORF. In dieser Sonderausgabe der wöchentlichen Netzschau von Handelsblatt.com geht es um das, was in den kommenden zwölf Monaten zum großen Gesprächsthema wird. Fünf Vorhersagen für das Internetjahr 2008:
1. Google
mischt nach dem Mobilfunkmarkt auch die Fernseh- und die PC-Branche auf
Das Google
-Handy kommt. Der Internetmulti Google
hat vor einigen Wochen sein Handy-Betriebssystem Android vorgestellt. Seitdem arbeiten Entwickler an Software für die offene Plattform. In den USA sind bereits alle großen Mobilfunk-Provider dabei - außer den iPhone-Verkäufern von AT&T. Auch hierzulande wird früher oder später niemand mehr an den Google
-Telefonen vorbei kommen. Rosige Zeiten für die Nutzer und für Google
.
Spannend wird, welche Branchen Google
als Nächstes aufmischt. Die aktuellen Favoriten: der Fernsehmarkt und die PC-Branche. Googles
Einstieg in das Geschäft mit Fernsehinhalten wird nicht mehr lang auf sich warten lassen. Ein paar Millionen Dollar für spannende Serien oder Reality-Shows dürfte man übrig haben, ausgestrahlt auf den Google
-Websites würde man so auf Anhieb Hunderte Millionen Zuschauer erreichen. Einen eigenen TV-Sender bräuchte man also gar nicht.
Und der Google
-PC, ein Computer also, dessen Betriebssystem vollkommen auf das Arbeiten mit dem Internet ausgerichtet ist? Nach dem Google
-Handy wäre diese Entwicklung nur ein weiterer logischer Schritt.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die großen Netz-Innovationen kommen 2008 aus Asien
2. Die Internet-Blase wächst weiter, die großen Netz-Innovationen kommen 2008 aus Asien
Facebook ist Milliarden Dollar wert, Start-Ups ohne irgendeinen Umsatz bekommen Millionen-Finanzierungen - Experten rechnen sekündlich mit einem neuen Platzen der Internet-Blase. Doch so schnell wird das nicht geschehen. Auch 2008 wird die Entwicklung weitergehen.
Stetig steigende Nutzerzahlen bei großen Plattformen wie MySpace, Facebook oder StudiVZ heizen die Geldgeber an - immer mit der Hoffnung, dass sich die Nutzer auch irgendwann in Geldscheine umwandeln lassen. Ob Social Communities allerdings 2008 endlich zu großen finanziellen Erfolg werden, erscheint fraglich.
Die großen Netz-Innovationen werden ohnehin verstärkt aus Asien kommen. Bereits jetzt sind Länder wie Südkorea oder Japan mit ihren Hochgeschwindigkeitsnetzen und Mobilfunk-Innovationen Vorreiter. Hinzu kommt das gigantische Potenzial von China, das in nicht allzu ferner Zukunft das Land mit den meisten englisch sprechenden Menschen sein wird. Zwar bestehen natürlich weiterhin kulturelle Unterschiede zwischen Asien und dem Westen, doch die waren auch in anderen Branchen kein Hindernis. Rechnen Sie 2008 also mit jeder Menge neuer Internet-Innovationen aus Asien.
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3. Die Fernsehsender erobern sich im Netz den Bewegtbildmarkt zurück
Ein bisschen verrückt ist es ja schon, dass ausgerechnet Inhalte aus dem Konkurrenzmedium Fernsehen so erfolgreich im Internet sind. Trotz des großen Geredes um User-generated Content werden sich die Fernsehsender und Produktionsfirmen 2008 im Videosektor Internet-Marktanteile zurückholen. In den USA experimentieren NBC, ABC & Co. bereits viel herum, starten neue Dienste und verteilen ihre Bewegtbild-Inhalte auf viele verschiedene Plattformen. Das alles mit dem Ziel, möglichst viele Zuschauer zu erreichen und damit möglichst viel Geld auf dem Werbemarkt zu verdienen.
Auch in Deutschland sind die großen Sender 2007 allmählich aufgewacht und bieten ihre Programme verstärkt kostenlos im Netz an. 2008 wird sich dieser Trend noch verstärken. Zwar halten einzelne Anbieter wie ProSiebenSat.1 noch an ihren Bezahlmodellen ("Maxdome") fest, doch früher oder später wird sich auch im Netz das werbefinanzierte Free-TV-Modell durchsetzen. Video-Podcaster und Youtube-Amateure werden dabei nicht verschwinden, das große Geld werden sie jedoch nicht verdienen. Neue Konkurrenz droht den Sendern allenfalls von finanzstarken Internetmultis wie Google
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4. Digital Rights Management ist tot
Es hat lang gedauert, aber nun scheint in der Musikindustrie endlich angekommen zu sein, dass sich die Fans nicht mit schlechten Produkten abspeisen lassen. Nicht erst der Erfolg des Amazon-Musik-Download-Shops zeigt, was möglich wäre, wenn die Plattenfirmen auf ihren Kopierschutz und Digital Rights Management verzichten. 2008 wird auch der letzte der großen Majors dies tun und seine Musik künftig ungeschützt auf den Markt bringen.
Die Folge: Neue Download-Shops werden starten, Amazon wird sein Angebot auch nach Europa bringen und die Fans bekommen endlich das, was sie wollen: reine, unverfälschte, überall nutzbare Musik. Illegale P2P-Plattformen werden dadurch trotzdem nicht verschwinden, doch zum ersten Mal besteht zumindest Waffengleichheit. Ehrliche Nutzer erhalten nicht länger ein schlechteres Produkt als Nutzer illegaler Angebote. Die Umsätze der Industrie mit Musik-Downloads werden durch diese Öffnung auf jeden Fall steigen.
Lesen Sie weiter auf Seite 5: Microblogging à la Twitter wird Mainstream
5. Microblogging à la Twitter wird Mainstream
Einer der großen Hypes in der Bloggerszene war 2007 das Tool Twitter. Bei Twitter können Nutzer ihrem Umfeld mit kurzen SMS-artigen Mitteilungen erzählen, was sie gerade machen, Linktipps geben oder einfach nur über das Wetter schimpfen. Heraus kommt dabei das perfekte Bindeglied zwischen ernsteren Publikationsplattformen wie Blogs auf der einen Seite und Social Communities auf der anderen Seite, ein Mix zwischen nützlichem Informationsdienst, Zeitverschwendung, Chat und dem Kollegen, der einen dummen Spruch aus der anderen Ecke des Großraumbüros in die Menge ruft. Diese Mischung wird 2008 weitere Millionen von Nutzern überzeugen und sich bis in den Mainstream der Internet-Nutzer durchsetzen.
Twitter-Klone werden es dabei auch weiterhin sehr schwer haben. Twitter hat sich bei Bloggern und anderen Meinungsführern des Netzes längst durchgesetzt, bietet alle wichtigen Features und ist auch mobil perfekt einsetzbar. Eine Chance haben allenfalls Dienste, die eine etwas andere Ausrichtung haben, beispielsweise Tumblr, ein Anbieter von Mini-Blogs - allerdings werden Blogger eher in ihr eigenes Blog schreiben als sich eins bei Tumblr einzurichten. Twitter bleibt hingegen eine perfekte Ergänzung zu anderen Publikationsmöglichkeiten.
Lesen Sie weiter auf Seite 6: Was andere für 2008 erwarten
Auch ein paar populäre Blogger und Netzmedien haben sich Gedanken über das kommende Jahr 2008 gemacht. Hier sind ihre Vorhersagen:
» "Mashable": 2008 Predictions
» "ReadWriteWeb": 2008 Web Predictions
» "ars technica": 2008: Predictions for our bright future
» "Computerworld": 8 bold predictions on Google?s
next moves
» "Guardian Unlimited": Facebook is so last year - welcome to the hit websites of 2008
» "TechCrunch": Who will Google
buy or clone in 2008?
» "Werbeblogger": Ein Blick in die Glaskugel
Youtube-Commercial des Jahres
Ein kleines bisschen Rückblick darf natürlich trotz der Vorausschau nicht fehlen. Daher zeigen wir Ihnen in unserer Werbespot-Rubrik noch einmal den erfolgreichsten viralen Clip des Jahres 2007: "Evolution" der Kosmetikfirma Dove:
Der Gaga-Link des Jahres
Und auch in unserer Gaga-Rubrik blicken wir ein letztes Mal auf das Jahr 2007 - und damit auf das Video, das in kürzester Zeit die meisten Menschen zum Lachen gebracht hat:


