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Mückenplage: Nicht nur exotische Blutsauger sind gefährlich

Die gemeine Hausmücke ist ein Plagegeist, über den die Wissenschaft erstaunlich wenig weiß. Seit Ausrottung der Malaria in Deutschland wurden Stechmücken lange Zeit kaum noch erforscht. Das könnte sich rächen.

Die Asiatische Buschmücke hat sich in Deutschland schon etabliert. Quelle: dpa
Die Asiatische Buschmücke hat sich in Deutschland schon etabliert. Quelle: dpa

Greifswald/MünchebergSommerzeit ist Mückenzeit – doch in diesem Jahr scheint die Plage besonders schlimm. Nachdem die Flutkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland für jede Menge Feuchtgebiete als Brutplätze sorgte, schafft nun die Hitze ideale Voraussetzungen für eine massenhafte Vermehrung der Insekten.

Wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, ob es wirklich mehr Stechmücken als in anderen Jahren gibt, liegen allerdings nicht vor. „Das sind alles persönliche Eindrücke“, sagt Helge Kampen vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems bei Greifswald. Nachgewiesen sind dafür immer mehr Mücken-Exoten. Sie können gefährliche Viren übertragen.

Was Mücken anlockt - und wie man sie fernhält

  • Warum gibt es so viele Mücken?

    Wegen des Hochwassers haben die Mücken ideale Brutbedingungen gefunden. Die Mückenweibchen legen in Pfützen, Regentonnen, überschwemmten Wiesen und anderen stehenden Gewässern bis zu 200 Eier ab. Daraus schlüpft nach etwa zwei Wochen die nächste Generation von Plagegeistern. Die derzeitige Hitzewelle sorgt dafür, dass es in manchen Regionen zu einer wahren Mückenplage kommt.

  • Warum stechen Mücken?

    Es stechen nur die Mückenweibchen. Sie brauchen Proteine, um nach der Befruchtung Eier zu bilden. Diese Nährstoffe bekommen sie, indem sie bei Menschen oder Tieren Blut saugen - übrigens durchaus das Zwei- bis Dreifache ihres eigenen Gewichts. Der Mückenspeichel enthält ein bestimmtes Enzym, damit das Blut nicht so schnell gerinnt, sondern beim Saugen flüssig bleibt. Dies - und nicht der Stich selbst - verursacht schließlich den unangenehmen Juckreiz.

  • Was lockt Mücken an?

    Weder die Blutgruppe noch das Geschlecht, wie viele meinen. Parfüm und andere Duftstoffe locken die Plagegeister hingegen an. Doch auch durch die Atemluft kommen Mücken ihren Opfern auf die Spur. Experten haben festgestellt, dass Menschen mit erhöhten Kohlendioxidausdünstungen eher gestochen werden. Wer zum Beispiel viel Reis isst, atmet vermehrt Kohlendioxid aus. Auch Schweißgeruch zieht Mücken regelrecht an.

  • Wie kann man sich schützen?

    Damit die Mücken erst gar nicht ins Haus gelangen, helfen feinmaschige Fliegengitter aus Synthetik oder Baumwolle vor dem Fenster. Besonders sensible Menschen können sich auch ein Moskitonetz über das Bett hängen. Für heimische Mücken reicht eine Maschenweite von zwei Millimetern. Auch Regentonne und Teich im Garten sollten wegen der Larven am besten mit Fliegengaze abgedeckt werden. Lange, weite Kleidung schützt im Freien vor Mückenstichen. Dünne und enganliegende Sachen durchstechen Mücken problemlos.

  • Wie wirksam sind Mückenabwehrmittel?

    Mittel mit den Wirkstoff DEET sind laut Stiftung Warentest am effektivsten, allerdings reizen sie Augen und Schleimhäute. Der Wirkstoff Icaridin ist ähnlich wirksam, reizt aber ebenfalls die Augen. Für Babys und Kleinkinder sind sogenannte Repellents nicht zu empfehlen.

  • Gibt es Alternativen?

    Ätherische Öle schützen laut Stiftung Warentest kaum und können zum Teil allergische Reaktionen auslösen. Auch Insektengift absondernde Apparate für die Steckdose, sogenannte Biozidverdampfer, sind nicht unproblematisch und nicht zu empfehlen. Wirkungslos sind Gartenfackeln, Duftkerzen oder Ultraschallgeräte, die Mücken akustisch vertreiben sollen. Von elektronischen Fallen mit UV-Licht raten Experten ab, weil sie nur wenige Mücken anziehen, dafür umso mehr unter Schutz stehende Nachtfalter. Auch Hausmittel wie Zitronenmelisse, Tomaten- oder Basilikumpflanzen vertreiben Mücken nicht.

  • Was hilft gegen den Juckreiz?

    Dagegen gibt es kühlende Gele. Auch Hausmittel wie Spucke oder Eiswürfel sowie eine Zitronen- oder Zwiebelscheibe, die für fünf Minuten auf die Einstichstelle gelegt wird, verschaffen Linderung.

Die Forschung zu den heimischen Mückenarten habe in Deutschland Jahrzehnte lang weitgehend brach gelegen, bedauert Kampen. „Seit der Ausrottung der Malaria in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dafür kaum noch Forschungsgelder.“ Über die exotischen Einwanderer aber sei mehr bekannt, denn sie gelten als gefährlicher.

So wurde die Asiatische Tigermücke in Süddeutschland, am Oberrhein und in Bayern wiederholt gesichtet. Allerdings scheint sie bislang die deutschen Winter nicht zu überstehen. In Italien ist sie dagegen schon weit verbreitet.

Kampen hält es für möglich, dass sich die Asiatische Tigermücke langsam nach Norden hin ausbreitet - und auch an das kühlere Klima anpasst. Sie kann mehr als 20 teils gefährliche Viren auf den Menschen übertragen, darunter das Chikungunya-Virus und das Dengue-Virus. Infektionen mit diesen Viren seien in Italien, Südfrankreich und Kroatien schon nachgewiesen.

Virtuelle Patientenakten Weniger Untersuchungen, schnellere Befunde

Mediziner können sich bei einzelnen Patienten selten optimal abstimmen. Eine webbasierte Datenplattform hilft.

Die Asiatische Buschmücke hingegen, die vermutlich über den weltweiten Gebrauchtreifenhandel nach Europa kam, hat sich in Deutschland schon etabliert. „2008 wurde sie erstmals für Europa in der Schweiz nachgewiesen, 2012 dann auch in Nordrhein-Westfalen“, so der Experte. In Baden-Württemberg habe die Asiatische Buschmücke, die allerdings als weniger gefährlich gilt als die Tigermücke, schon weite Gebiete bis nördlich von Stuttgart erobert.

  • 25.07.2013, 11:36 Uhrgutmenschensucks

    "Die Umweltangst hat viel für sich.
    Bekenne ich: Ich fürchte mich!,
    So hab ich erstens den Gewinn,
    Dass ich ganz schön sensibel bin.

    Zum Zweiten sehen mich die Leut
    Als Ausbund von Betroffenheit.
    Und drittens schnapp ich diesen Bissen
    Vorweg den andern Besserwissern.

    und viertens hoff ich außerdem
    Auf Widerspruch, der mir genehm.
    So rufen sie denn schließlich aus:
    Der ist ein guter Mensch! Applaus!"

    (Wilhelm Busch)

  • 16.08.2013, 19:38 Uhrjodan

    Die den UV-Licht gestützten elektronischen Abwehrmitteln zugeschriebene Eigenschaft, weniger Mücken, dafür aber eher andere Insekten anzulocken und zu beseitigen, ist m.E. Unsinn. Wer z.B. im Schlafzimmer neben dem Einflug-Schutz an Fenstern und Türen ein solches Gerät betreibt, hat ein sehr wirksames Abwehrmittel zur Hand. Nachdem ich früher wegen irgendwas starke Reaktionen auf Mückenstiche auszuhalten hatte, ist seit dem Aufstellen der elektron. Falle die Luft wieder mückenfrei und die Haut nicht mehr durch Allergien geschädigt. Kann ich also nur mpfehlen.Auf 10 Mücken kommt hin und wieder ein Falter. Damit kann ich besser leben.

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