0 Bewertungen
13.08.2007 
Leider sind die Autobahnen meist zu voll

Schwäbische Flugstunde im Cayman S

von Michael Garvens

Michael Garvens, Hobbypilot und Chef des Köln/Bonner Flughafens, hebt ab, nachdem er seine 1,85 Meter in die Kanzel des Cayman S gezwängt hat. Das Urteil des langjährigen 911er-Fans, der seit fast 30 Jahren einen Pilotenschein: „Mehr Porsche braucht keiner.“

"Der Porsche ähnelt eher einem Düsenjet", urteilt Michael Garvens. Foto: PRLupe

"Der Porsche ähnelt eher einem Düsenjet", urteilt Michael Garvens. Foto: PR

Schon als ich neun Jahre alt war, habe ich vom Porsche 911 geträumt. Der Vater eines Freundes besaß einen, und es war für uns das Größte, darin mitzufahren. Leider habe ich mir den Traum bisher nicht erfüllen können: Als ich jünger war, hatte ich nicht genug Geld. Wer mit über 40 Porsche fährt, ist eben entweder Single, kinderlos oder kann sich einen Drittwagen leisten. Aufgrund des tollen Fahrerlebnisses mit dem Cayman könnte ich mir jetzt durchaus vorstellen, mir diesen Traum zu erfüllen.

Die Fliegerei ist aber ein guter Ersatz: Die Rockwell-Propeller-Maschine, mit der ich hin und wieder fliege, hat ja immerhin 260 PS. Das ist zwar weniger, als der Cayman S hat. Dafür fliegt sie aber mit 270 km/h fast genauso schnell. Piloten sind oft die besseren Autofahrer, weil sie lernen, keine unnötigen Risiken einzugehen. Genauso fahre ich Auto: sportlich, aber auf Sicherheit bedacht – und seit 30 Jahren unfallfrei.

Wenn ich mich mit meinen 1,85 Metern in die Kanzel des Cayman S gezwängt habe, fühle ich mich fast wie im Cockpit. Der Porsche hat Carbon-Bremsen wie ein Flugzeug, in der Mitte des Armaturenbretts ist eine Stoppuhr angebracht. Und die Beschleunigung ist herrlich. Die Rockwell drückt einen nicht so kräftig in den Sitz – der Porsche ähnelt eher einem Düsenjet. Der Heckmotor bläst einen förmlich über die Straße.“

Michael Garvens hat seit fast 30 Jahren einen Pilotenschein, und seit 2002 steht das passende Gerät praktisch direkt vor seinem Bürofenster. Damals trat Garvens als kaufmännischer Geschäftsführer der Flughafen Köln/Bonn GmbH im Kölner Stadtteil Wahn an. Der ehemalige Regierungsflughafen stand kurz vor der Insolvenz, mit Glück und Geschick machte Garvens ihn zur größten Drehscheibe der Billigflieger in Europa. 2006 starteten und landeten hier mehr als 9,9 Millionen Passagiere, 2007 sollen es schon zehn Millionen sein. In seiner Freizeit leiht sich Garvens eine Rockwell Commander aus und fliegt mit seiner Familie übers Wochenende nach Juist oder Sylt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2:

„Ich habe immer gesagt: Wenn ich mir je einen Sportwagen kaufe, dann einen Porsche. Der zeigt Leistung in jedem Fahrbereich, da kommt selbst ganz oben noch etwas. Außerdem ist Porsche der einzige deutsche Hersteller, der den Motor nicht abriegelt – dazu kommen das Super-Fahrwerk und die Handschaltung. Es macht großen Spaß, die Gänge einen nach dem anderen reinzuhauen. Mein 7er-BMW schaltet leider nur mit Tiptronic, genau wie der Audi A8, den ich vorher hatte.

Der Cayman macht mehr Spaß, vor allem durch diesen irren Porsche-Sound. Er klingt praktisch genau wie der 911er, ab 4 000 Touren kommt das Geräusch richtig zur Entfaltung.


»  Weitere Autotests finden Sie hier ...


Leider sind die Autobahnen hier im Rheinland meist zu voll, um die Gänge ganz auszudrehen. Mindestens der rechte Fahrstreifen ist voll gepackt mit Lastwagen, und jederzeit kann einer mit seinem Kleinwagen ausscheren. Immerhin weichen alle respektvoll aus, wenn sie einen Porsche im Rückspiegel sehen. Meinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord habe ich mal im Auto eines Freundes aufgestellt, auf der leeren Autobahn zwischen Hamburg und Kiel, 260 Sachen für ein paar Sekunden – natürlich in einem Porsche. Das war echtes Formel-1-Feeling.“

Mit dem Cayman, benannt nach dem Großreptil „Caiman Crocodilus“, hat Porsche die Lücke zwischen dem Einsteigermodell Boxter und dem Dauerbrenner 911 geschlossen. Obwohl die Technik bis aufs Dach auf dem Boxter S aufbaut, verlangt der Stuttgarter Autobauer über 6 000 Euro mehr für das Coupé. Damit ist Porsche weltweit der einzige Autohersteller, der es sich leisten kann, ein Coupé teurer anzubieten als ein Cabrio. Und vermutlich geht dieser durchaus verwegene Plan auch auf. Beim Cayman wird so mancher schwach werden, der schon immer von einem Elfer geträumt hat. Der Boxermotor hat allerdings auch ein wenig mehr Hubraum (3,4 statt 3,2 Liter) und verstellbare Einlassventile, die sich sonst exklusiv im Carrera finden. Das Fahrwerk soll rund zehn Prozent straffer sein als im Boxter, die Karosserie zweieinhalbmal so steif – was für die sportliche, aber komfortable Straßenlage sorgt. Auf der New York International Auto Show wurde der Porsche Cayman S zum „2007 World Performance Car“ gewählt. Dabei verwies der Cayman S unter anderem den neuen Audi RS4 und den BMW M5 auf die Plätze.

Lesen Sie weiter auf Seite 3:

Michael Garvens findet "eigentlich nichts" zu meckern am Porsche Cayman S. Foto: dpaLupe

Michael Garvens findet "eigentlich nichts" zu meckern am Porsche Cayman S. Foto: dpa

„Auf Knopfdruck lässt sich das Fahrwerk in den Sport-Modus schalten. Dann zieht sich der Cayman noch einmal fester an die Straße, der Wagen fängt richtig an zu hoppeln. Mir gefällt die normale Abstimmung besser, die ist straff genug. Vielleicht bin ich aber auch von meinem A8 und vom 7er verwöhnt.

Man merkt außerdem, dass der Wagen eine sehr gute Kurvenstabilität mitbringt. In den Sitzen hat man einen enormen Halt, das Auto klebt selbst in engen Kurven förmlich auf der Straße. Gibt es auch irgendwas zu meckern? Eigentlich nicht: Der Motor bringt eine super Leistung in fast allen Drehzahlen. Man sollte ihn allerdings hochtourig fahren, nur dann bekommt man den vollen, tollen Boxer-Sound zu hören. Das ist zwar auch ziemlich laut, gehört aber zum Porsche-Fahrgefühl. Insofern kann man getrost auf den Einbau eines Radios verzichten, denn es ist viel zu schade, diesen genialen Sound durch Musik zu untermalen. Mit dem Cayman lässt es sich sogar prima cruisen – wenn die Autobahn wieder einmal keinen Spaß macht.


Von Alfa bis Zonda:
Alle Auto-Bildergalerien auf einen Blick


Das Design ist zu 100 Prozent Porsche, von vorne sind die neuen Modelle kaum auseinanderzuhalten. Ich hätte mir den Wagen in jedem Fall in einer dezenteren Farbe gewünscht – vielleicht in Schwarz. Oder Dunkelblau, so wie mein BMW. Bisher war stets der Porsche 911 mein Traumauto. Jetzt könnte ich mich durchaus mit dem Cayman S anfreunden: Mehr Porsche braucht eigentlich keiner.“


Die Fakten

Der Fahrer: Michael Garvens
Der 48-jährige Betriebswirt ist seit 2002 Geschäftsführer der Flughafen Köln/Bonn GmbH. Er begann seine Karriere in der Luftfahrtbranche bei Hapag Lloyd Flug als Controller. Im Anschluss daran gehörte er über zehn Jahre in unterschiedlichen Positionen dem Lufthansa-Konzern an. Bei Lufthansa Airport- und Ground-Services war er unter anderem Geschäftsführer in Friedrichshafen und Leipzig. Zuletzt war Garvens kaufmännischer Geschäftsführer der GlobeGround Berlin GmbH. Er fährt einen BMW 730i.

Das Auto: Porsche Cayman S

  • Motor: 3,4 Liter Boxer
  • Leistung: 295 PS
  • 0-100 km/h: 5,4 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 275 km/h
  • Verbrauch: 10,6 Liter Super Plus
  • Grundpreis: 58 529 Euro

Das Fazit: Muss das sein?
Auf jeden Fall! Der Cayman S fühlt sich fast genauso an wie der große Bruder 911, kostet aber rund 18 000 Euro weniger.


Aufgezeichnet von David Selbach
Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Automobil Rubriken

Anzeige
Anzeige

weiterTuminellis Designkritik

Klassik-Kanon bei der Canon EOS 5D Mark II  Artikel in Merkliste

01.10.2008Tuminellis Designkritik

Spätestens seit dem Beginn des Web 2.0 gibt es keine Trennung mehr zwischen Konsumenten und Profi-Anwendern. Das hat jüngst wieder Canon auf der Photokina mit der digitalen Spiegelreflexkamera EOS 5D Mark II unter Beweis gestellt. Ihr bewährtes Erfolgsrezept: Obwohl nichts Neues zu sehen ist, steckt viel Neues drin. Und auch preislich hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell etwas getan. Artikel


Anzeige