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05.06.2007 
Online-Videos

Der Untergang des Fernsehzeitalters – Teil 1

von Thomas Rigler und Randolf Hillebrand, Betreiber des Internet-TV-Portals Gogooroo.de

Das Zeitalter der Internet-Videos hat begonnen und ändert die Fernsehgewohnheiten der Zuschauer grundlegend. Im Rennen um die Gunst des Publikums punkten bisher die Web 2.0 Portale, die etablierten Giganten wie Yahoo oder MSN haben das Nachsehen. In eine finstere Zukunft blicken hingegen die klassischen TV-Sender.

Das Internet verändert die Video-Welt. Foto: dpaLupe

Das Internet verändert die Video-Welt. Foto: dpa

LOS ANGELES. Rewind, Pause, Record - das Video-Zeitalter begann eigentlich bereits mit der Erfindung des Videorecorders in den 70er Jahren: Zum ersten mal war es dem Zuschauer möglich, das Abspielen bewegter Bilder dem individuellen Lifestyle anzupassen und nicht umgekehrt.

Das Publikum streifte damals schon seine linearen Sehgewohnheiten ab und forderte einen Innovationsbedarf ein, der Unterhaltungsgiganten wie Sony, Philips oder Apple zu digitalen Höhenflügen anfeuerte, die bis heute nachwirken. Einziger Unterschied: Jetzt sitzt der Konsument selbst am Ruder und diktiert, was ihm die Industrie wann, wo, von welcher Plattform, in welcher Form und Dateigröße liefern darf. Dafür stehen im Internet inzwischen zahllose Video-Portale bereit, die in den vergangenen 24 Monaten aus dem Boden gestampft worden sind und den Bedarf an Video-Clips, Kino-Trailern und Internet-Fernsehen decken.

"On demand, Geschwindigkeit und Mobilität" lautet die Devise für die Breitband-Generation, und die Parallelen zu den Anfängen des Fernsehens in den 50er Jahren sind verblüffend: Mit der Bildröhre erschien eine neue Technologie für die breite Masse und daraus entstanden damals wie heute neue Erzählformen, neue Distributionsmodelle, neue Formen der Produktwerbung, neue Wege zur Finanzierung und neue Erlösmodelle. Das Publikum konsumierte fortan Bewegtbilder zu Hause im Wohnzimmer statt ins Lichtspieltheater nebenan zu gehen. Heute locken Computer, ipod und Handys mit Fernsehinhalten und machen der Mattscheibe die Zuschauer streitig.


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Breitband-Video mag im revolutionären Effekt auf Industrie und Märkte vielleicht nicht ganz mit der Entwicklung des Fernsehens standhalten, es sei jedoch folgende Analogie erlaubt: Das Erblühen des Kabelfernsehens in den frühen 80er Jahren. Von einem Tag auf den anderen stieg die Anzahl einer handvoll alteingesessener Sender erst auf zweistellige analoge und bald auf dreistellige digitale Kabelkanäle an.

Durch die aktuell rasante Verbreitung von Breitband-Videos wiederum erweitert sich das Angebot für Zuseher, Produzenten und Sponsoren momentan zu zehntausenden, ja hunderttausenden internationalen Breitband Networks. Und hier liegt auch die innovative Chance dieser technologischen Plattform: Die Globalisierung von Inhalten, die Dominanz der Brands und die Nische als ertragreiches Erlösmodell.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Programm und Sehgewohnheiten ändern sich rasant

Auch die TV-Sender nutzen das Breitband-Internet dazu, ihr Programm an den Mann oder die Frau zu bringen. Foto: dpaLupe

Auch die TV-Sender nutzen das Breitband-Internet dazu, ihr Programm an den Mann oder die Frau zu bringen. Foto: dpa

Programm und Sehgewohnheiten ändern sich rasant

Wenn internationale Marken bisher ein globales Publikum erreichen wollten, erforderte das mit internationalen TV-Werbeeinschaltungen enormen Aufwand. Im Breitband-Zeitalter wird es nun möglich, aus einer weit größeren Zahl von Networks gezielt und direkt Partner zu wählen, mit denen ein spezifisches und globales Publikum zu finden ist.

Internet-Conoisseure wie Nike platzieren darum seit Jahren Spots und Videos auf diversen Webportalen, um neue Zielgruppen zu erreichen: 12 bis 14-Jährige tendieren zu Youtube, MTV.com oder Joga.tv, während sich 18 bis 35-Jährige ambitionierte Hobbyläufer eher vom traditionellen Fernsehen inspirieren lassen.

Keine Überraschung daher, dass sich Programm und Sehgewohnheiten dementsprechend rasant ändern: Produktionsbudgets schrumpfen, Inhalte werden kürzer, flexibler, reaktiver und weichen zunehmend vom TV-Angebot ab: Erfolgreiche US-Shows wie "Prom Queen", "Lonely Girl 15" und "The Burg" erreichen ein Millionenpublikum ohne nennenswerten Werbeaufwand und ausschließlich durch die Kraft von Mundpropaganda.


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Wie kam die sogenannte Breitband-Video-Revolution nun eigentlich zustande? Der größte Schub kam aus den Großraumbüros, wo eine neue Generation von PCs mit schnellen Prozessoren und Flash Playern, vernetzt durch effiziente Modems und rasante DSL-Anschlüsse auf die Ankunft von Videofiles geradezu wartete.

Ohne untätige Büropausen hätte sich die virale Welle nie so schnell verbreitet. Sind wir doch mal ganz ehrlich: Wer liest denn noch Zeitung im Büro, wenn Videos auf CNN, New York Times Video und Comedy Central und nicht zuletzt Youtube warten?

Während die Filmstudios noch auf Internetdownload-Lösungen warteten, simulierten Videoplayer von Adobe bereits gekonnt die ersten Clipabspielstationen. Globale Internetportale wie Yahoo und AOL spielten ihre erste Milliarde Videoclips lange bevor einst innovative Fernsehkanäle wie MTV und CNN begannen, Breitbandkanäle einzurichten.

Als 2005 die ersten mehrspurigen Internet TV-Kanäle aus dem Boden schossen, wusste pötzlich jeder, wo es langging: Traditionelle Fernsehstationen, Internetportale, Musiklabels, Printmagazine, Museen, Autohersteller und unabhängige Programmbetreiber stürzten sich gleichzeitig in diese neue Form des Direkt-Vertriebs von Videoinhalten.

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Ausschließlich die Brands zählen

Brightcove, einer der Marktführer für Flash-Videoplayer und Hosting, vergab im Jahre 2006 mehr als 5000 Lizenzen für Breitband-Formate, wobei dem Brightcove-Verkaufsteam zufolge neben etablierten Fernsehkanälen und internationalen Brands die Mehrzahl an kleine Organisationen und mittelständische Betriebe ging.


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Was darum ausschließlich zählt, sind Brands. Ob die Marken auch Medienunternehmen im herkömmlichen Sinne sind, spielt eine untergeordnete Rolle. Die Technologie, potentielle Konsumenten individuell, online und auf globaler Ebene mit maßgeschneiderten Inhalten zu erreichen, steht jedem Unternehmen extrem kostengünstig zur Verfügung.

Die digitalen Technologien des Breitband Video-Zeitalters ermöglichen das Entstehen unzähliger Internet TV-Kanäle, die bereits den breiten Zuspruch der jungen Generation genießen. Und daher rührt die Notwendigkeit für die klassischen Sender, in dieser tektonischen Verschiebung der Videoplattfomen eine zentrale Rolle zu übernehmen. Bei Versäumnis besteht sonst tatsächlich die Gefahr, dramatisch an Bedeutung einzubüßen.

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