Die interaktiven Web-Dienste erobern nun auch das Mobiltelefon - erste Netzbetreiber schließen dafür bereits Kooperationen.
Telefonate genügen den Mobilfunkbetreibern nicht mehr. Sie wollen auch mit Datendiensten Geld verdienen.
DÜSSELDORF. Es trägt den griffigen Namen "Web 2.0" und ist für viele das ganz große Ding im Netz: Das Mitmach-Internet, in dem gleich gesinnte Nutzer sich in virtuellen Gemeinschaften austauschen ("Communitys") oder eigene Inhalte ins Netz stellen ("User Generated Content"). Bekannte Beispiele sind die zahllosen Weblogs, die erfolgreiche Online-Enzyklopädie Wikipedia, Video-Portale wie Youtube oder Websites wie Twitter, wo man mit SMS-artigen Kurznachrichten von maximal 140 Zeichen Länge ("Tweeds") der Welt spontan mitteilen kann, was man gerade so treibt.
Längst sind PC und Notebook nicht mehr die einzigen Wege ins Internet: Mobiltelefone der neueren Generation sind in der Lage, die Inhalte des World Wide Web anzuzeigen - und das auf immer besseren Displays. Wachsende Kapazitäten der Mobilfunknetze verkürzen die Wartezeiten beim Abruf von Webseiten oder beim Versand eigener Inhalte deutlich. Kein Wunder also, dass nun auch die Mobilfunkbetreiber das Web 2.0 als neuen Markt für sich entdeckt haben. Was die Leute vor dem heimischen PC fesselt, soll sie künftig auch unterwegs am Handy begleiten - und sei es nur zum reinen Zeitvertreib.
So hat Vodafone
unlängst Partnerschaften mit den Web-2.0-Größen Myspace und Youtube geschlossen: Seit Mitte Juni können Vodafone
-Kunden unterwegs per Handy ihr Myspace-Profil bearbeiten und Fotos oder Blogs veröffentlichen. Auf der Cebit startete das Unternehmen ein eigenes Videoportal, auf das Nutzer mobil per MMS oder WAP Filmchen hochladen können, die sie mit dem Mobiltelefon aufgenommen haben.
Branchenkenner attestieren der Kombination von Mobiltelefon und Mitmach-Internet eine große Zukunft. "Es gibt weltweit etwa 800 Millionen PCs und drei Milliarden Handys", sagt Mark Wächter, Mobilfunk-Experte des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW). "Das Potenzial für jegliche Web-2.0-Plattform ist offensichtlich." Schon jetzt werde der Großteil der Web-2.0-Inhalte über Handys erzeugt - allerdings müssten die Nutzer diese Inhalte bisher zuerst vom Mobiltelefon auf einen PC laden, um sie ins Netz stellen zu können. Mit der Präsenz von Web-2.0-Plattformen wie Myspace oder Youtube auf modernen Handys mit aktueller "Mobile Browser"-Technologie könnten mobil generierte Inhalte nun ohne Medienbruch eingepflegt werden.
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Maßgeschneiderte Angebote erwartet
Zunächst werden wohl die bestehenden Web-2.0-Inhalte einfach auf das Handy übertragen. In Zukunft dürften aber für Mobiltelefone maßgeschneiderte Angebote auf den Markt kommen. "Erfolg werden diejenigen Dienste haben, die eng mit dem Verwendungszusammenhang von Handys korrespondieren", so Malte Hasse, Leiter des Arbeitskreises Zukunftstrends im BVDW. "Sie müssen die Stärken des Handys wirklich nutzen: Interaktion zwischen den Handynutzern." Als Beispiel nennt er das Berliner Start-up aka-aki, das seinen Nutzern auf dem Handy anzeigt, welche anderen Mitglieder der Community sich gerade in einem Umkreis von 20 Metern aufhalten, ob man gemeinsame Freunde hat und was die anderen Nutzer in der Nachbarschaft gerade so bewegt.
Solche Dienste, die die aktuelle Position des Nutzers berücksichtigen (Location-based Services), sind auch nach Meinung von Florian Koch, Bereichsleiter Digitale Medien und E-Dienste beim IT-Branchenverband Bitkom, zukunftsträchtig. "Denkbar wären etwa Reiseführer, deren Inhalte von den Nutzern generiert werden - auch mobil mit dem Handy", sagt Koch. Die technischen Voraussetzungen für den Erfolg mobiler Web-2.0-Dienste seien gegeben: Vier von fünf Handybesitzern hätten heute in Deutschland technisch die Möglichkeit, mit ihrem Handy auch ins Internet zu gehen, und bereits 40 Prozent machten davon Gebrauch. Auch die neuen Datentarife der Mobilfunkbetreiber werden nach seiner Einschätzung den Markt beflügeln.
Für die Anbieter mobiler Web- 2.0-Inhalte sehen Experten zwei Einnahmequellen: Werbung auf dem Handy und kostenpflichtige Inhalte. Der Zugang zum Portemonnaie der Kunden steht jedenfalls schon bereit: "Der Mobile-Bereich bietet mit der Handyrechnung eine nahezu integrierte Abrechnungsschnittstelle", schwärmt Marcel Pirlich von Arvato Mobile. Für ihn bleibt eine Frage spannend: Welche Dienste es schaffen werden, sich von der reinen Werbefinanzierung zu emanzipieren.

