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04.02.2007 
Google

Gut oder Böse?

von Mario Sixtus

In der letzten Woche ging der Aktienkurs von Google kurzfristig ein wenig in die Knie. Der Grund: Das Unternehmen mit den bunten Bällchen im Logo hatte im letzten Quartal seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr lediglich verdreifacht und die Expertenprognosen somit nur ein wenig übertroffen. Viele Anleger erwarten von dem Suchgiganten aus Mountain View eben Übernatürliches. Ein exzellentes Ergebnis? Viel zu gewöhnlich.

Tatsächlich hat sich Google mittlerweile zu einer Projektionsfläche für so ziemlich alles und jeden entwickelt; zu einem Rahmen, der um nahezu jedes Weltbild passt. Optimisten erhoffen sich von der Firma den Zugang zum Wissen der Welt, Pessimisten fürchten dessen Monopolisierung. Google-Fans zeigen sich beeindruckt vom Unternehmensmotto „Sei nicht böse“, während Datenschützer den gläsernen Nutzer an die Wand malen und Verschwörungstheoretiker in Google ein gut getarntes Projekt zur Übernahme der Weltherrschaft sehen. Alles scheint möglich.

„Die Anzeigen-Maschine“ übertitelte der „Spiegel“ in der letzten Woche einen Dreiseiter zum Thema und zeichnete das Bild von Google als globalem Annoncen-Automaten. Eine durchaus treffende Beschreibung der Gegenwart, über die Zukunft äußerte sich Google-Mitgründer Larry Page auf einer Londoner Konferenz im letzten Jahr wie folgt: „Die ultimative Suchmaschine wird genau verstehen, was man sie fragt und sofort die exakt richtige Antwort ausgeben.“

Wer jetzt an „HAL 9000“ aus dem Film „2001“ denkt, ist von der Gedankenwelt eines Larry Page nicht weit entfernt. Laut dem „Guardian“ soll der Obergoogler auf der gleichen Veranstaltung erklärt haben, in den vergangenen Jahren mit Google habe er gelernt, wie schnell sich Technologie ändere. Eine künstliche Intelligenz könne in ein paar Jahren Realität sein.

Science Fiction? Strategie? Jugendlicher Übermut? Oder gar eine humorvoll gelegte falsche Fährte für Verschwörungsfreunde? Fragen wir doch einfach Google selbst: Marissa Mayer ist Vizepräsidentin des Konzerns, blitzgescheit, charmant und sie verfügt obendrein über eine diplomatische Sprachkunst, mit der sie wahrscheinlich Kim Yong Il problemlos die Atombombe abschwatzen könnte.

Wie steht's also um die Forschung an einer künstlichen Intelligenz im Hause Google, Miss Mayer? „Ich denke, wir werden in Zukunft einige sehr smarte Computer haben, die Erstaunliches leisten werden“, sagt Marissa Mayer nach dem kurzen Anflug eines Lächelns und verweist flugs auf existierende Google-Anwendungen, wie Rechtschreibkontrolle und natürlich die kontextsensitive Anzeigenschaltung. Klickbare Kleinanzeigen also, statt künstlicher Kleinhirne. Alles halb so wild.

Marissa Mayer ist die wahrscheinlich sympathischste vertrauensbildende Maßnahme, die ein Unternehmen sich leisten kann. Skeptikern gibt allein das bereits wieder zu denken: Eine hochgebildete Forscherin mit zwei ausgezeichneten Abschlüssen in - so ein Zufall - künstlicher Intelligenz, im Dienste schnöder PR-Arbeit?

Derweil formt sich jede Äußerung Marrissa Mayers zu einer Trägerwelle, die eine einzige Botschaft auf allen Grußfrequenzen transportiert: „Google ist nicht böse!“ Na, dann ist ja gut.

» Noch mehr von Mario Sixtus, dem elektrischen Reporter in seinem Videoblog

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