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Siegeszug des „Pedelecs“: Das E-Bike hängt die Elektroautos ab

Umweltschonende Elektromotoren erleben überraschend einen Siegeszug – noch nicht auf vier, aber schon auf zwei Rädern. 150 000 Deutsche sind im vergangenen Jahr aufs „Pedelec“ umgestiegen – ganze 162 Elektroautos registrierten dagegen deutsche Zulassungsstellen im Jahr 2009. Auch Deutschlands große Stromkonzerne widmen sich inzwischen dem Elektromotor auf zwei Rädern.

Junge Geschäftsleute auf ihren Elektrofahrrädern: Der Fortschritt fährt auf zwei Rädern, nicht auf vier. Quelle: IMAGO
Junge Geschäftsleute auf ihren Elektrofahrrädern: Der Fortschritt fährt auf zwei Rädern, nicht auf vier. Quelle: IMAGO

LÖHNE. Tobias Höhe öffnet das Tor seiner Doppelgarage, wirft einen Blick auf den grauen Golf, klettert dann aber auf ein aluminiumfarbenes Zweirad. In den kommenden 40 Minuten wird es ihn quer über die Schwäbische Alb tragen, 16 Kilometer vom Wohnort Westerstetten bis zur Sparkasse Ulm, Höhes Arbeitsplatz.

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Doch einen verschwitzten Kragen hat der 31-jährige Banker nicht zu fürchten. Das bis zu 40 Stundenkilometer schnelle Rad, Marke "Flyer", besitzt nicht nur einen kräftigen Elektro-Hilfsmotor, auch der Akku reicht für Hin- und Rückfahrt. "Man fährt", schwärmt der Hobbyfußballer von seinem Neuerwerb, "als hätte man ewig Rückenwind."

Höhe ist nur einer von 150 000 Deutschen, die im vergangenen Jahr umgestiegen sind aufs "Pedelec", wie Experten den High-Tech-Drahtesel getauft haben. 2010, glaubt Siegfried Neuberger vom Zweirad-Industrieverband ZIV, könnten 180 000 weitere hinzukommen. "Die Hersteller", sagt er, "haben mit ihren Neuentwicklungen einen wahren Verkaufsboom ausgelöst."

Entscheidern in Wirtschaft und Politik dürften die Verkaufserfolge zu denken geben. Sie hatten bislang auf den "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" gesetzt. Mit 500 Mio. Euro fördert die Bundesregierung diese Technologie als Teil des Konjunkturpakets. Bis 2020 soll sich die Bundesrepublik zum "Leitmarkt für Elektromobilität" entwickeln. Geht es nach Kanzlerin Angela Merkel, werden bis dahin eine Millionen Elektroautos über die Straßen rollen.

Doch handfeste Ergebnisse der Forschungsinitiative, an der Großkonzerne wie BASF, Bosch, Evonik oder VW tüfteln, gibt es bislang kaum. Gerade einmal 162 Elektroautos registrierten deutsche Zulassungsstellen 2009 neu. "Damit waren es 0,1 Prozent aller neuerworbenen Elektro-Fortbewegungsmittel", lästert Ulrich Kalle, NRW-Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Düsseldorf.

Die übrigen 99,9 Prozent verdankt das umweltbewusste Deutschland, das mittels der Elektro-Förderung die schadstoffreichen Otto-Motoren zurückdrängen will, findigen Mittelständlern. Der größte von ihnen, der niederländische Zweiradhersteller Accell ("Hercules", "Winora"), kam 2009 gerade einmal auf 573 Mio. Euro Umsatz. Andere Pedelec-Pioniere wie Kettler, Derbycycle in Cloppenburg oder der Schweizer "Flyer"-Produzent Biketec sind sogar noch deutlich kleiner.

Dennoch haben sie etwas geschafft, was den großen Automobilkonzernen bislang vergönnt blieb. "Der Durchbruch in Sachen Elektromobilität vollzieht sich derzeit nicht im Bereich der Kraftfahrzeuge, sondern bei den Zweirädern", beobachtet Elmar Thyen vom Stadtwerke-Verbund Trianel.

Der Zusammenschluss von Stadtwerken aus Heidelberg, Bochum, Gronau, Herne und rund 20 weiteren Kommunen zieht daraus längst die Konsequenzen. Der Verbund will in seinem Vertriebsgebiet nicht nur für die notwendige Infrastruktur wie Radwege und Ladestationen sorgen. Auch um die elektrischen Fahrräder bemüht sich Trianel.

Einen Prototyp hat Trianel bereits gefertigt, im Herbst wird entschieden, welcher deutsche Hersteller ihn bauen soll. Weil Trianel eine Abnahme von mehreren Tausend Stück verspricht, soll der Endpreis für die Kunden unter 1 400 Euro liegen. "Viele unserer Stadtwerke wollen ihren Stromkunden die Pedelecs mit mehreren Hundert Euro subventionieren", lässt Thyen durchblicken.

Auch Deutschlands große Stromkonzerne widmen sich inzwischen dem Thema Elektromotor auf zwei Rädern. Anfang Juli startete EnBW in Stuttgart einen Test mit 330 Elektro-Rollern. Konkurrent RWE verleiht seit wenigen Tagen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz Pedelecs an Interessierte - für drei Tage kostenlos zum Probefahren.

Übertriebener Geschäftssinn ist den Stromkonzernen dabei kaum vorzuwerfen. Sechs bis acht Cent kostet die Biker eine Akkuladung, die sie - je nach Geländeunebenheiten - bis zu 70 Kilometer fortbewegt. Selbst der Akkuverschleiß, der nach 500 Ladevorgängen einen etwa 500 Euro teuren Ersatz erfordert, macht das Elektroradeln kaum teurer als zwei Cent pro Kilometer.

Dabei ist es die weiterentwickelte Akku-Technologie, die den Rädern vor nicht einmal vier Jahren zu neuem Schwung verhalf. Anders als Nickel-Cadmium- oder Bleibatterien, mit denen es die Zweiradbranche vor zwölf Jahren schon einmal erfolglos versuchte, besitzen die meist von Panasonic angebotenen Lithium-Ionen-Zellen gewaltige Vorteile. Sie sind nicht nur leichter als die klotzigen Vorgänger, ihnen fehlt auch die ungeliebte "Memory"-Eigenschaft ihrer Vorgänger: Wurden Akkus älterer Generationen im halbvollen Zustand wieder aufgeladen, verringerte sich die Leistung drastisch. Damit ist es nun vorbei.

Weshalb der Fortschritt auf zwei Rädern der vierrädrigen Konkurrenz davoneilt, ist für Michael Schminke kein Geheimnis. "Die vergleichsweise preiswerten Komponenten für die Pedelecs lassen sich schneller entwickeln als neue Antriebe in der Autoindustrie", sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Fahrradherstellers Pantherwerke im westfälischen Löhne.

Auch Erlkönige wie in der Kraftfahrzeugbranche gebe es nicht, zuckt der energische Firmenchef die Schultern und zeigt wie zum Beweis auf ein braun lackiertes Sportmodell, dessen Schnickschnack er übernächste Woche auf der Friedrichshafener Eurobike präsentieren will. "Die meisten Neuheiten", stöhnt er, "haben die Konkurrenten schon ein paar Wochen später."

Doch weil einer beim anderen abkupfert, geben die Hersteller ihre Entwicklungsgelder nur für wirkliche Innovationen aus. Und das mit Vorliebe im Heimatland Deutschland.

Einer der Gründe: "Die Räder müssen hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen", sagt Schminke. Während er seine gewöhnlichen Standardräder in Litauen, Tschechien und Bangladesch fertigen lässt, schrauben 200 Mitarbeiter in Löhne, nur eine Tür vom Besprechungsraum getrennt, die High-Tech-Renner zusammen.

Von "Reha-Mobilen", wie die Hilfsmotor-Räder einst verspottet wurden, ist selbst unter sportlichen Zweirad-Fans kaum noch die Rede. Ohne zusätzlichen Pedaltritt, das hat auch Tobias Höhe erfahren müssen, bewegen sich die Pedelecs nicht von der Stelle. Seinem Arbeitgeber, der Sparkasse Ulm, kommt das zugute. "Nach einer solchen Fahrt", sagt der begeisterte Neu-Radler, "kommt man jedenfalls nie verschlafen zur Arbeit."

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  • 22.06.2011, 13:22 Uhreldisto

    Solange E-Autos nicht dieselbe Leistung wie Autos mit Verbrennungsmotor bieten, denken wir, dass die Menschen eher zum E-Fahrrad greifen werden. Dieses bietet eine direkte Verbesserung, da so z.B. auch weniger trainierte Menschen sich zutrauen, Strecken per Rad zu bewältigen, oder das Pendeln zur Arbeit mit dem Rad schlichtweg entspannter ausfällt.
    Durchschnittlich verbraucht das Aufladen eines E-Bike-Akkus lediglich so viel Strom wie die Zubereitung einiger Tassen Kaffee mit einer Kaffeemaschine. Es ist also unwahrscheinlich, dass der Ausstieg aus der Atomkraft wegen der zunehmenden Benutzung von Elektrofahrrädern gefährdet ist.

  • 22.02.2011, 17:18 UhrAnonymer Benutzer: genussradler

    Spaß und Genuss für Gruppen – mit dem E-Bike entspannt und flott die Deutsche Weinstraße erkunden

    Durch Kooperation mit Partnerbetrieben sind ab April 2011 E-Bikes für Gruppen vorhanden
    Die zum Teil hügelige Weinbergs-Landschaft der Pfalz ist vielen Radlern zu anstrengend. Sie bevorzugten deswegen für Radurlaub oder Radtouren Flusstäler oder flachere Regionen. Im Zeitalter der Elektroräder, E-Bikes oder Pedelecs genannt, wird sich dies ändern. Der Tourist konnte sich bereits in der Pfalz im letzten Jahr bei einigen Hotels, Fahrradhändlern oder Touristinformationen zwei E-Bikes ausleihen. Allerdings gab es für geschlossen Gruppe mangels fehlender Kapazität letztlich keine Ausleihmöglichkeiten für Pedelecs.

    genussradeln-pfalz kann ab April durch Kooperation mit zwei Partnerbetrieben bei rechtzeitiger Buchung auch für Gruppen E-Bike Urlaube, E-Bike Wochenend-Arrangements oder auch genussvolle Tagesausflüge anbieten. Es stehen Pedelecs renommierter Hersteller mit Reichweiten zwischen 80 und 140 Kilometern zur Verfügung. Mit diesen ist es möglich, die schwierigsten Strecken mit einem leichten treten in die Pedale zu bewältigen und was ganz wichtig, niemand bleibt zurück. Auch Untrainierte können dabei sein und Freude und Spaß haben.

    Gerade für Gruppen von Freunden, Arbeits- und Vereinskollegen aber auch für Familientreffen, die Spaß und Genuss verbinden wollen, ist die Schlemmer- und Erlebnisregion ein ideales Ziel. Nachdem am Tag malerische kleine Winzerdörfer mit vielen gepflegten Fachwerkhäusern und die paradiesische, mediterrane Landschaft gemütlich erkundet wurden, besteht insbesondere am Abend Gelegenheit, die köstlichen Produkte der Region zu kosten.

    Programm und weitere Infos:
    Norbert Arend
    genussradeln-pfalz
    Im Tränkweg 18
    67482 Venningen
    Tel. 06323 6209
    http://www.genussradeln-pfalz.de
    http://www.radurlaub-pfalz.de



  • 19.08.2010, 19:38 UhrAnonymer Benutzer: michael

    Steigen die Menschen denn wirklich vom Auto aufs Pedelec um? Oder wechseln die meisten vielleicht doch eher vom klassischen, selbstangetriebenen Rad aufs E-bike? Dann wäre das nicht wirklich ein ökologischer Fortschritt und wir sollten unsere (laut Statistiken sowieso immer übergewichtigeren) Kinder tunlichst anhalten, vom E-bike Abstand zu halten.

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