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Klima-Orakel: Wann ist die Arktis eisfrei?

Leser fragen - Klima-Experten antworten. Diese Woche hat Thomas Bernhard aus Koblenz nachgefragt, Experten des Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung antworten ihm.

Das Eis in der Arktis ist saisonalen Schwankungen ausgesetzt, im arktischen Sommer nimmt die Meereisausdehnung ab und erreicht im September ihren Tiefpunkt. 2007 wurde dabei das Rekordminimum der Ausdehnung gemessen, das Eis erreichte nur noch eine Fläche von 4,1 Millionen Quadratkilometern, das bisherige Langzeitmittel liegt bei 6-7 Millionen Quadratkilometern.

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Wann die Arktis im Sommer gänzlich eisfrei sein wird, kann man nicht genau beantworten. Szenarienrechnungen mit Klimamodellen liefern Schätzungen, die zwischen den Jahren 2040 und 2100 liegen. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung legt sich nicht auf eine Jahreszahl fest. Vielmehr werden in jährlichen Einschätzungen zur sommerlichen Meereisbedeckung die Parameter untersucht, die einen Einfluss auf die Eisausdehnung haben. So weiß man heute etwa, dass die Meereisdicke am Ende des Winters einen großen Einfluss auf die Ausdehnung im Sommer hat.

Es wird angenommen, dass neben dem äußeren Einfluss durch den Klimawandel auch eine natürliche periodische Schwankung bei der Meereisausdehnung eine Rolle spielt. Diese erreichte womöglich in den vergangenen Jahren ihren Höhepunkt und trug zu dem gemessenen beschleunigten Eisrückgang bei. In den nächsten Jahren würde dann dieser Einfluss abnehmen und den Eisrückgang vorübergehend verlangsamen. Der Trend zu einer geringen Meereisbedeckung im Sommer, wird aber durch die äußeren Einflüsse fortgesetzt.

Doch selbst wenn die Arktis eisfrei würde, würde das nicht zum Meeresspiegelanstieg führen. Denn sie besteht zum größten Teil aus riesigen Eisflächen, die ohne Landverbindung das Nordpolarmeer bedecken. Vergleichbar mit Eiswürfeln, die in einem Wasserglas schwimmen. Wenn sie schmelzen bleibt der Pegel im Glas erhalten, weil die Verdrängung des Wassers und die Masse des geschmolzenen Eises gleich bleiben.

Hauptursachen für den Meeresspiegelanstieg sind das Schmelzen von Inlandeis sowie die mit dem Temperaturanstieg verbundene Ausdehnung des Meerwassers. Aufgrund der Erwärmung schrumpfen Gletscher und Eisschilde im Inland weltweit und tragen mit ihrem Schmelzwasser zum Meeresspiegelanstieg bei. Gegenwärtig steigt der Meeresspiegel um 3 Millimeter pro Jahr, wobei etwa 40 Prozent auf das Schmelzwasser und 60 Prozent auf die Erwärmung des Ozeans zurückzuführen sind.

Das Klima-Orakel ist eine Aktion der vom Bundesumweltministerium geförderten Kampagne "Klima sucht Schutz" in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. Weitere Fragen ans Klima-Orakel finden Sie unter der Adresse www.klima-sucht-schutz.de

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