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Arktis: Täglich schmilzt die dreifache Fläche Belgiens

Badefreuden in der Arktis: Im Dorf Tuktoyaktuk im Nordwesten Kanadas sind die Kinder in diesem Sommer im Ozean schwimmen gegangen. Der drastische Rückgang der polaren Eisfläche setzt sich auch in diesem Jahr fort. Bei anhaltender Eisschmelze könnte das arktische Eis dieses Jahr so klein werden wie nie zuvor.

In diesem Jahr könnte die arktische Eisfläche so klein werden wie nie zuvor. Quelle: ap
In diesem Jahr könnte die arktische Eisfläche so klein werden wie nie zuvor. Quelle: ap

HB TUKTOYAKTUK/KANADA. Die arktische Eisdecke ist im Juli erneut drastisch geschmolzen. Im vergangenen Monat sind aufgrund warmer Temperaturen nach Angaben von Forschern jeden Tag durchschnittlich 106 000 Quadratkilometer Eis geschmolzen. Das entspricht der dreifachen Fläche Belgiens. Anders ausgedrückt: Alle drei Tage verschwindet eine Eisdecke von der Größe Deutschlands. Bei anhaltender Eisschmelze könnte das arktische Eis damit dieses Jahr so klein werden wie nie zuvor, wie das US-Institut für Schnee- und Eisdaten (NSIDC) mitteilte.

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Im Eskimodorf Tuktoyaktuk im Nordwesten Kanadas beispielsweise sind die Temperaturen dieses Jahr bereits auf fast 30 Grad Celsius gestiegen. „Die Kinder sind im Ozean schwimmen gegangen“, sagte der Unternehmer Eddie Gruben. Der 89-Jährige beobachtet seit vier Jahrzehnten, wie das Eis vor dem 900-Einwohner-Dorf schmilzt. „Vor 40 Jahren war es noch 40 Meilen (64 Kilometer) draußen.“ Heute sei die Eisgrenze 128 Kilometer von der Küste entfernt.

Während die Temperaturen im letzten Jahrhundert weltweit im Schnitt um etwa 0,6 Grad angestiegen sind, war die Erwärmung in der Arktis mehr als doppelt so hoch. Wissenschaftler führen diese Klimaveränderung fast gänzlich auf Treibhausgasemissionen zurück.

Walt Meier vom NSIDC sagte, das diesjährige Wetter ähnele dem warmen Klima von 2007, als das Polareis auf sein bisheriges Rekordminimum von 4,3 Mio. Quadratkilometer geschrumpft war. Am Donnerstag dehnte sich die Eiskappe zwar noch über 6,75 Mio. Quadratkilometer. Auch gehe die Geschwindigkeit der Eisschmelze, die sich im Juli beschleunigt habe, seit einigen Tagen zurück. Dennoch könnte die Eisfläche bis September - wenn der arktische Sommer zu Ende geht - noch unter den Tiefstwert schrumpfen, warnte Meier.

Der Forscher rechnet damit, dass das im Winter neu gefrierende Eis nur eine dünne, schwache Schicht bilden werde. Während dicke Eisschichten früher über Jahre bestehen blieben, überdauern die in den Wintern gefrierenden dünnen Eisdecken heute die Sommer nicht mehr, wie Meier erklärte. Die US-Behörde zur Überwachung der Ozean- und Atmosphärenqualität (NOAA) hat im April prognostiziert, dass der arktische Sommer schon binnen 30 Jahren fast gänzlich eisfrei sein könnte - nicht wie ursprünglich erwartet erst Ende des Jahrhunderts.

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