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Buchbesprechung: 70 Cent am Tag für den Klimaschutz

Claudia Kemfert ist das Gesicht der deutschen Umwelt-Ökonomen. Sie leitet die Abteilung für Energie, Umwelt und Verkehr am Deutschen Institut für Wirtschaftforschung (DIW) und berät auch EU-Kommissionspräsident Barroso. Nun ist ihr neues Buch auf dem Markt. In „Jetzt die Krise nutzen“ erklärt Kemfert, warum sich Investitionen in grüne Energie lohnen.

Claudia Kemfert spricht sich für mehr Investitionen in den Klimaschutz aus. Quelle: Pressebild
Claudia Kemfert spricht sich für mehr Investitionen in den Klimaschutz aus. Quelle: Pressebild

DÜSSELDORF. Klimaschutz ist Luxus. Dafür ist in Zeiten einer solchen Krise kein Geld da. Diese Zitate, oft gedacht und bisweilen sogar von den Mächtigen ausgesprochen, bringen Claudia Kemfert auf die Palme. Daraus macht die Ökonomin und Leiterin der Abteilung für Energie, Umwelt und Verkehr am Deutschen Institut für Wirtschaftforschung (DIW) keinen Hehl. In ihrem neuen Buch „Jetzt die Krise nutzen“ spricht sie sich ausdrücklich dafür aus, dass Investitionen in den Klimaschutz nicht zu zwingend notwendig ist, sondern auch Wirtschaft und Unternehmen langfristig nutzen wird.

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Es gibt kaum neue Thesen in diesem Buch, wenn man Kemferts Vorgängerwerk „Die andere Klima-Zukunft“ gelesen hat. Warum hat sie es gerade jetzt geschrieben? Ihre Begründung lautet: Um daran zu erinnern, diese große Chance nicht zu vertun, in der Krise die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen: „Gerade jetzt in der Krise, gerade wenn wir derart viel Geld investieren, um die Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen, ist es an der Zeit, die Wichen so zu stellen, dass wir nicht am Ende in doppelter Weise als Verlierer dastehen.

Und warum sollte man dieses Buch lesen? Weil es Kemfert auf 120 schnell zu lesenden Seiten in beeindruckender Prägnanz schafft, die Grundprobleme und –Lösungen anschaulich darzustellen. Man schafft es, dieses kleine Buch in gut einer Stunde zu lesen. Vielleicht schafft es so mancher Politiker während des Fluges von Berlin nach Kopenhagen, wo im Dezember der Klimagipfel stattfindet und ein Nachfolger für das Kyoto-Protokoll abgestimmt werden soll.

800 Mrd. Euro Klimakosten hat Kemfert mit ihren Stab vom DIW errechnet. Eine der wenigen Zahlen, die Kemfert in diesem Buch nennt, obwohl ihr Team eine große Menge Daten sammelt und auswertet. 20 Mrd. Euro sollte Deutschland prophylaktisch in den Klimaschutz investieren. Das wären 70 Cent pro Bundesbürger pro Tag. Kein „Pappenstiel“, wie sie zugibt. Aber so würden neue Arbeitsplätze entstehen: „Die Opelaner müssen nicht wirklich Sorge um ihren Arbeitsplatz haben. Sie müssen nur die Branche wechseln.“

Besonders liegt Kemfert ein weltweiter Emissionshandel am Herzen. Sonst gäbe es das sogenannte Carbon Leakage, das Verlagern von Produktionsstätten in Länder ohne Emissionshandel. Optimistisch ist die Autorin im Hinblick auf den Konsumenten. Es gäbe inzwischen eine „Massenbewegung“ hin zu dem Bewusstsein, dass jeder Einzelne mehr bewegen kann als zum Beispiel die Wirtschaft. Immerhin sagen dies inzwischen 57 Prozent der Bundesbürger.

In knapper und effizienter Form beschreibt Kemfert auch die Grundzüge der Energiekrise und bietet zwei Lösungen: Man müsse weiter auf den Energieträger Kohle setzen, allerdings mit neuartigen Kraftwerken. Große Hoffnungen setzt sie in die CO2-Speicherung unter der Erde, auch wenn deren Erforschung noch zehn bis 15 Jahre dauern würde. Hoffnung Nummer zwei ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Problem sei hier allerdings die Verteilung: Das Stromnetz ist zu marode, um zum Beispiel den durch Windkraft im Norden Deutschlands erzeugten Strom effizient in den Süden zu leiten.

Zudem schildert Kemfert lesenwert den keineswegs neuen Gedanken der Einsparpotentiale. Vor allem durch die Erneuerung der Gebäudetechnik könnte massiv Energie gespart werden. Allerdings müsse die Politik die Hürde beseitigen, dass „diejenigen, die Geld in klimafreundliche Modernisierung investieren, nicht dieselben sind, die von der Ernergie-Ersparnis profitieren“.

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