
DüsseldorfDie Idee klingt verlockend: Wenn sich der Mensch in seinem Ressourcenverbrauch nicht stark genug einschränken kann, um den Klimawandel aufzuhalten, muss er eben die Erde so weit manipulieren, dass sie trotzdem ein halbwegs bewohnbarer Planet bleibt. Geo-Engineering heißt die Wunderwaffe, mit der das gelingen soll – eine Art letzte Ausfahrt vor dem Klimakollaps.
Ein ganzes Bündel von Vorschlägen haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren erarbeitet, um den verhängnisvollen Folgen der zunehmenden Freisetzung von Treibhausgasen wie CO2 entgegenzuwirken. Manches klingt nach Science Fiction – und wird es wohl auch bleiben. Etwa der Vorschlag des US-Physikers Lowell Wood, riesige Sonnensegel im All zwischen Sonne und Erde aufzuspannen, um einen Teil der Strahlung unseres Zentralgestirns von der Erde fernzuhalten. Schon allein die immensen Kosten einer solchen Installation lassen derartige Pläne auf absehbare Zeit unrealistisch erscheinen.
Generell unterscheiden Wissenschaftler zwei Arten von Geo-Engineering-Maßnahmen: Solche, die der Atmosphäre klimaschädliches Treibhausgas entziehen sowie solche, die der globalen Erwärmung durch Reduzierung der den Erdboden erreichenden Sonnenstrahlung entgegenwirken. Beiden Ansätzen gemeinsam ist die technologische Ausrichtung: Der Klimawandel soll durch großtechnische Lösungen beherrschbar gemacht werden, da er mittels Verhaltensänderung nicht mehr aufhaltbar erscheint.
Ein Lösungsansatz, der, so mahnen Kritiker, einer dauerhaften Lösung des anthropogenen Treibhauseffekts entgegensteht: Warum Treibhausgas-Emissionen überhaupt reduzieren, wenn wir doch die Mittel haben, die Folgen dieser Emissionen zu managen?
Ungeachtet solcher Einwände haben sich nicht nur Vordenker wie Paul J. Crutzen längst mit der praktischen Umsetzung möglicher Lösungsansätze beschäftigt. Der Chemie-Nobelpreisträger 1995 ist der prominenteste Befürworter einer Idee, die auf den russischen Klimaforscher Michail Budyko zurückgeht: Der hatte schon in den 1970er-Jahren vorgeschlagen, Schwefeldioxid in die Stratosphäre einzubringen.
Die Schwefelpartikel sollen bewirken, dass weniger Sonnenlicht zur Erdoberfläche durchdringt. Der kühlende Effekt dieser Maßnahme lässt sich anhand von Beobachtungen nach Vulkanausbrüchen belegen: Als der philippinische Feuerberg Pinatubo im Jahr 1991 riesige Mengen Asche und Schwefel in die Atmosphäre pustete, sanken in den beiden folgenden Jahren die globalen Mitteltemperaturen in Bodennähe um bis zu 0,2 Grad Celsius.