Umwelt-News

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Klimaschutz: Designermöbel aus dem Holz der Armen

Während auf der Klimakonferenz in Doha einmal mehr um Minimalziele gefeilscht wird, ist man anderswo längst weiter.  Auf den Fidschi-Inseln etwa, wo der wachsende Holzbedarf auf klimaschonende Weise befriedigt wird.

"Senile" Palmen auf dem Gelände der Pacific Green. Aus den Stämmen fertigt das Unternehmen Möbel. Quelle: dpa
"Senile" Palmen auf dem Gelände der Pacific Green. Aus den Stämmen fertigt das Unternehmen Möbel. Quelle: dpa

SigatokaDie Säge kreischt, Holzspäne fliegen durch die Luft. Zwei Arbeiter mit Gesichtsschutz schieben die langen 30, 40 Zentimeter dicken Kokospalmen-Stämme längs in eine Maschine, die den weichen Kern kreisrund herausschneidet. Am Ende kommt ein hohler Stamm heraus, markant gemasert, hart wie Ebenholz.

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Daraus machen die Möbeldesigner von Pacific Green in Yadua auf den Fidschi-Inseln einzigartige Möbel. Schwere Sessel, wuchtige Regale, Stühle mit „runden Kanten“. Das Motto: „Rettet den Tropenwald, nehmt Palmen“.

Alte Kokosplantagen mit „senilen“ Palmen, wie es auf Englisch heißt - das ist für Bauern und Besitzer immer ein Ärgernis gewesen. „Das sind Bäume, die meist deutsche Plantagenbesitzer vor 100 Jahren gepflanzt haben“, sagt Pacific-Green-Direktor Peter Ryan beim Rundgang durch seine Werkstatt. „Wenn sie nach 60, 70 Jahren keine Früchte mehr tragen, sind sie nutzlos.“ Das galt auch für die Stämme.

Klimaforschung Schnelle Wege aus der Klimafalle

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„Palmen sind eigentlich Gräser, dem Bambus verwandt“, sagt Wulf Killmann, Forst- und Palmenexperte der Entwicklungshilfeorganisation GIZ auf Fidschi. „Sie werden seit 4000 Jahren kultiviert.“ Fast alles ist brauchbar: Die Blätter wurden für Dächer verwendet, das Kokosfleisch als Medizin und gepresst für Öl, die Milch als Getränk, die Kokosnussschale als Behälter, die Fasern der haarigen Außenhaut für Seile und Teppiche, die Kokosnusshülle als Brennmaterial.

Die Stämme waren aber immer ein Problem. Nur in Ländern, die kein Holz als Alternative hatten, wurde damit gebaut, auf den Malediven sogar Boote. „Auf den Philippinen hießen Palmen Holz der Armen“, sagt Killmann. „Die frischen Stämme enthalten eine hohe Feuchte, das macht sie schwer und schwer zu transportieren. Außerdem haben sie einen hohen Zucker- und Stärkegehalt, das zieht Käfer und Pilze an - man kann die Stämme nicht lange in den Plantagen liegen lassen.“

Klimawandel

Selbst das Absägen ist ein Problem: „Bei den Palmen sind in den Außenwänden der Gefäßbündel, die Nahrung und Wasser im Stamm transportieren, Silicazellen. Das macht normales Werkzeug stumpf“, sagt der Fabrikmanager von Pacific Green, Ravin Chandra. Der Aufwand lohnte sich zur herkömmlichen Verarbeitung kaum: Die Stämme sind mit 30 bis 40 Zentimetern Durchmesser eher dünn - und innen weich und unbrauchbar. Die Stämme wurde man deshalb allenfalls als Füllmaterial für Baugruben los, mit Glück kam jemand und übernahm das Abholzen.

  • 08.12.2012, 11:41 Uhrhafnersp

    Ja, was ist denn das: "Klima-Schutz"? Welcher "Thinktank" hat denn dieses Schlagwort schon wieder entwickelt, welche Nachrichtenagentur die Verbreitung übernommen?
    Und das Handelsblatt übernimmt das natürlich völlig unkritisch und unreflektiert, so wie es auch der Rest der gleichgeschalteten Presse macht.

    Jetzt hat man sich kaum an das Wort "Klimawandel" gewöhnt, da kommt schon die nächste leere Floskel. "Klima-Erwärmung" war wenigstens noch eine Aussage (die man widerlegen kann, z.B. wenn es kälter wird). Aber wer will schon etwas gegen "Klimaschutz" haben? Da zahlt man doch gerne den CO2-Ablaß, auch wenn sich dann keiner mehr daran erinnern kann, warum er eigentlich eingeführt werden soll/wurde (zur Erinnerung: "Klima-Erwärmung").

    Meiner Meinung nach sollte das Schlagwort für nächstes Jahr sein: "Klimasteuern". Das wäre wenigstens mal ehrlich.

    Die Kunst der Besteuerung liegt darin, die Gans so zu rupfen, daß sie unter möglichst wenig Geschrei so viele Federn wie möglich läßt. Jean Baptiste Colbert, 1619 - 1683, franz. Finanzminister.

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