
HEIDELBERG. Im vergangenen Juni schmolz das arktische Meereis in rekordverdächtigem Tempo, meldete das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) der USA in Boulder: Jeden Tag verschwanden demnach 88 000 Quadratkilometer Eis - 80 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte.
Insgesamt steuert die Arktis womöglich auf einen Negativrekord zu, denn im Juni dehnte sich das Eis nur noch auf einer Gesamtfläche von 10,87 Millionen Quadratkilometern aus. Damit lägen die Werte unter den bisher gemessenen geringsten Ausmaßen aus dem Jahr 2006, so die Forscher.
Einige Wissenschaftler hatten prognostiziert, dass das Schrumpfen der Decke aus mehrjährigem Eis immerhin die biologische Aktivität des Nordpolarmeers steigern könnte, was wiederum der Atmosphäre Kohlendioxid entzöge: Der Erderwärmung würde damit wieder etwas entgegengewirkt, so die Hoffnung dieser Forscher.
Wei-Jun Cai von der University of Georgia und seine Kollegen widersprechen nun jedoch dieser These: Sie konnten zumindest im Kanadischen Becken, das den westlichen Teil des Nordpolarmeers einnimmt, keine weitere CO2-Aufnahme nachweisen.
Zwar haben die weiträumigen Messungen von Cais Team belegt, dass sich die CO2-Konzentration im Oberflächenwasser des Ozeans seit 1994 deutlich erhöht hat, weil große Mengen des Gases ins Meer diffundierten. Da sich im Sommer – über den Winter friert das Meer wieder zu – gleichzeitig eine stabile Schichtung im Wasserkörper einstellt, findet kein Austausch mit tieferen Lagen statt, bei dem Kohlendioxid verlagert werden könnte.
Eines aber ist gewiss: das Wetter ändert sich - oder bleibt wie es iss.
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