
HambergenEine Gänseschar zieht ihre Kreise über das Günnemoor. Ein Fuchs läuft über die dichte Schneedecke. Zwischen den vertrockneten Gräsern äsen einige Rehe. Natur pur, könnte man meinen - wären da nicht der Bagger und ein Trekker mit Anhänger, die am Rand des etwa 250 Hektar großen Moors entlang rollen. „Wahrscheinlich müssen die noch einige Löcher auffüllen“, sagt der Biologe Hans-Gerhard Kulp und zeigt auf einen hohen Erdhaufen in der Nähe.
Bis vor wenigen Monaten wurde im Günnemoor im niedersächsischen Hambergen Torf für Blumenerde abgebaut, jetzt wird es renaturiert. Mehrere Meter Boden hat das Torfwerk über Jahrzehnte abgetragen und die Heimat vieler Tiere und Pflanzen in eine Ödnis verwandelt. Seit 2008 muss das Unternehmen die Abbauflächen nach und nach wiedervernässen. Damit kehrt auch langsam das Leben ins Moor zurück. Tausende Kraniche rasten hier jedes Jahr im Herbst auf ihrem Weg in den Süden.
Moore gehören zu den am stärksten zerstörten Ökosystemen in Deutschland. 1,5 Million Hektar oder 4,2 Prozent der Landfläche bedeckten sie einst. Heute sind etwa 95 Prozent davon entwässert, abgetorft, bebaut oder werden landwirtschaftlich genutzt.
Die meisten Moore liegen in Niedersachsen, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein.
Aus gestörten Mooren entweichen klimaschädliche Treibhause wie Kohlendioxid. Experten schätzen, dass diese rund 3 bis 5 Prozent der deutschen Gesamtemissionen ausmachen.
„Das ist auf alle Fälle eine gute Entwicklung“, meint Kulp. Doch bis sich die Natur von dem Kahlschlag erholt hat, wird es noch lange dauern. So wie im Günnemoor sieht es in vielen Mooren in Deutschland aus. „Der Torfabbau ist dabei nur der augenscheinlichste Eingriff. Ein viel größeres Problem ist die Landwirtschaft“, sagt der Experte von der Aktion Moorschutz.
95 Prozent der deutschen Moore gelten als zerstört. Der Mensch hat sie trocken gelegt, aufgeforstet, als Äcker und Weiden genutzt. Dadurch gingen nicht nur wertvolle Lebensräume verloren, auch für den Klimaschutz hat das dramatische Folgen.
Moore sind Kohlenstoffsenken. In ihnen lagert nach Angaben der Umweltschutzorganisation Nabu doppelt so viel Kohlendioxid wie in allen Wäldern der Welt. Werden sie zerstört, setzen sie in kurzer Zeit große Mengen CO2 und andere Treibhausgase frei.
Bereits in den 1970er Jahren verpflichtete sich Deutschland in einer internationalen Konvention, seine Feuchtgebiete, zu denen auch die Moore gehören, zu bewahren. Der Welttag zum Schutz der Feuchtgebiete am 2. Februar erinnert seit 1997 an dieses Abkommen.

Wenn es auf der nördlichen Halbkugel endlich wärmer wird, dann werden sich auch in den endlosen Permafrostgebieten riese neue Moore auftun. Also liebe Moorschützer: Freut euch auf die bevorstehende Klimaerwärmung.

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Ich habe mal gelernt, dass man Moore nicht rekultivieren kann.
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