Umwelt-News

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Radioaktivität in Organismen: Brennstäbe und Fischstäbchen

Die Angst mancher Europäer vor radioaktiv verseuchtem Fisch aus Japan ist übertrieben. Die Ozeane und ihre Organismen leiden eher unter der Überfischung als unter radioaktiven Substanzen.

Atomkraftwerk Sellafield in Nordengland: Über Jahrzehnte floss radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Anlage in die Irische See. Quelle: Reuters
Atomkraftwerk Sellafield in Nordengland: Über Jahrzehnte floss radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Anlage in die Irische See. Quelle: Reuters

BerlinFischmahlzeiten sind gut für die Gesundheit, erklären Ernährungsforscher. Aber gilt das auch, nachdem die Atommeiler in Fukushima Dai-Ichi offenbar beträchtliche Mengen radioaktiver Substanzen ins Meer abgeladen haben? Wie verteilen sich Substanzen wie Cäsium-137 oder Plutonium überhaupt im Meer? Wie viel Radioaktivität landet in Fischen oder sogar auf dem Teller?

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Genaue Antworten auf diese Fragen hat derzeit niemand. Ein Blick auf die Geschichte der Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield aber gibt wichtige Hinweise. In diesem früher „Windscale“ genannten Komplex an der Nordwestküste Englands entstanden kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Kernreaktoren für britische Atomwaffen, später zwei Wiederaufbereitungsanlagen.

Radioaktive Abfälle wurden ähnlich wie in den USA und der Sowjetunion oft direkt ins Meer geleitet. Nach heftigen Protesten von Anwohnern und Umweltschutzorganisationen wurden diese Einleitungen in den letzten Jahrzehnten stark reduziert.

In dieser Zeit konnten Strahlenbiologen untersuchen, wie sich radioaktive Substanzen im Meer ausbreiten. „Für verschiedene Isotope ist das ganz unterschiedlich“, erklärt Günter Kanisch vom Hamburger Institut für Fischereiökologie im Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut. So entstehen bei der Kernspaltung radioaktive Substanzen wie Plutonium oder Americium, die sich gut an Schwebstoffe im Wasser heften und rasch auf den Boden sinken. Sie finden sich daher vor allem im Meeresboden in der Umgebung von Sellafield.

Cäsium-137 und Strontium-90 dagegen, die ebenfalls in Kernreaktoren entstehen, lösen sich gut in Wasser. Diese Stoffe verbreiten sich mit den Strömungen im Laufe der Jahre relativ weit, verdünnen sich dabei aber auch stark. So wurden sie vom Golfstrom entlang der schottischen Atlantikküste nach Norden getragen. Von dort erreichten die Strömungen die norwegische Küste, ein Teil der radioaktiven Fracht aber bog auch in die Nordsee ein und floss so in Richtung Deutsche Bucht.

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