
Braunschweig/LüneburgIhre Eltern sind unscheinbare kleine Nachtfalter, doch die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind gefährlich. Klein und pelzig sind die Tiere, aber keineswegs possierlich - ihre feinen Gifthärchen können schwerste Reaktionen von Atemnot bis zum allergischen Schock auslösen. Und wenn sich die gefräßigen Raupen in langen Kolonnen aus ihren Nester auf den Weg zum Fressen begeben, dann machen sich nicht nur Waldbesitzer Sorgen um den Eichenbestand.
Die gefährliche Raupe breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Insgesamt sind nach Angaben des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig bereits zwölf Bundesländer betroffen. „Im vergangenen Jahr wurde erstmalig auch in Sachsen der Eichenprozessionsspinner in den Forsten gesichtet. Im Norden verbreiten sich die Tiere entlang der Elbe Richtung Nordsee“, erklärt JKI-Sprecherin Stefanie Hahn.
Nachts ziehen die Raupen aus ihren Nestern in Eichen in langen wohlgeordneten Kolonnen auf Nahrungssuche - daher hat der unscheinbare kleine Nachtfalter seinen Namen.
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schädigen Bäume und können auch für den Menschen gefährlich werden. Ihre feinen Härchen lösen Atembeschwerden, Juckreiz und Entzündungen aus. Auch Schwindel und Fieber kann das Nesselgift Thaumetopoein verursachen, in Ausnahmefällen droht sogar ein lebensgefährlicher allergischer Schock.
In den vergangenen Jahren hat sich der Eichenprozessionsspinner immer weiter ausbreiten können. Experten machen dafür die gestiegenen Temperaturen vor allem in den Frühlingsmonaten verantwortlich.
Die Larve des Schmetterlings schlüpft in der Regel ab Ende April. Die feinen Härchen werden nach der zweiten Häutung giftig und können vom Wind weit verteilt werden. Auch nach Jahren behalten sie ihre Wirkung. Deshalb raten die Behörden, befallene Gebiete zu meiden.
Sind nur einzelne Bäume betroffen, können die Tiere von Experten abgesaugt werden. Bei massenhaftem Auftreten etwa auf großen Waldflächen werden Insektizide versprüht. Naturschützer kritisieren, dass dabei auch andere Tiere getötet oder geschädigt werden können.
„Wir raten zur frühen Bekämpfung“, betont Hahn. Betroffene Landkreise und Waldbesitzer sollten notfalls auch mit Insektiziden früh gegen die Schädlinge vorgehen. „Da sind wir uns mit dem Bundesumweltministerium und dem Bundesinstitut für Risikobewertung einig“, betont Hahn. Das müsse vor dem dritten Larvenstadium geschehen, danach ginge es wegen der giftigen Haare nur noch mit Spezialkräften, erklärt die Sprecherin des für Kulturpflanzen zuständigen Bundesforschungsinstituts.
Die zuvor mehr in Süddeutschland heimischen Tiere haben sich in den vergangenen Jahren auch im Norden rasant vermehrt. Schuld seien der Klimawandel und die vielen warmen Frühjahre, sagen Experten. Im Norden ist vor allem der Osten Niedersachsens betroffen. So kam es im Landkreis Lüchow-Dannenberg im Sommer zu massenhaftem Befall. Der benachbarte Landkreis Lüneburg will befallene Bäume in diesem Jahr auch von Hubschraubern besprühen lassen. „Sobald die Bäume wieder Blätter tragen, können wir mit der Bekämpfung beginnen“, heißt es.