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09.08.2007 

Spekulationsobjekt Mais: Preisentwicklung seit 2005. Grafik: WirtschaftswocheLupe

Spekulationsobjekt Mais: Preisentwicklung seit 2005. Grafik: Wirtschaftswoche

Die WestLB ist an der Wall Street einer der größten Spieler im Finanzierungsgeschäft für die Produktion des alternativen Kraftstoffs, mit einem bisherigen Platzierungsvolumen von 1,8 Milliarden Dollar. Weitere zwei Milliarden Dollar sind bereits in der Pipeline. Die Bank hat in den USA für bislang zwölf Ethanol-Fabriken das Geld eingesammelt, weitere fünf stehen auf der Liste. Dank des Booms war die Platzierung der Bankdarlehen nach Angaben der WestLB zweifach überzeichnet.

Die gelben Dollars fließen in diesem Jahr so reichlich wie nie. Der 39-jährige Farmer Bill Darrington ist einer der Profiteure des Mais-Booms. Er bewirtschaftet 3 000 Acre, zwölf Quadratkilometer in Persia, einer Hügellandschaft eine halbe Autostunde nordöstlich von Omaha. Sein halbwüchsiger Sohn Brandon will auch Farmer werden. "Was sonst?", ruft Brandon begeistert.

Der Hof der Darringtons sieht aus wie jede Farm hier: das Farmhaus, eine Scheune für Geräte, runde silbrig glänzende Speicher mit Spitzdach für den Mais. Vor zwei Jahren hatte Darrington noch eine 50-zu-50-Rotation, wechselte beim Anbau zwischen Mais und Soja. In diesem Jahr baut er 70 Prozent Mais an. Andere Farmer sind voll auf Mais umgestiegen. Früher war eindeutig das Wetter Thema Nummer eins, wenn sich die Farmer trafen, heute sind es die Terminmärkte. "Im vergangenen Jahr haben viele zu früh ihre Ernte verkauft", sagt Darrington, "dann stieg der Preis immer weiter, und es gab lange Gesichter." Er hat in diesem Jahr nur zehn Prozent seiner Ernte vorab verkauft. "Vielleicht gibt es ja eine Dürre, im Südwesten ist es schon sehr trocken." Dann würden die Mais-Preise noch einmal durchstarten. Zuletzt gaben sie allerdings deutlich nach, weil das US-Agrarministerium bekannt gegeben hatte, dass die Farmer in diesem Jahr noch mehr Flächen als erwartet mit Mais bepflanzt haben.

Dennoch gehen derzeit alle davon aus, dass die Preise weiter steigen. Was die Farmer mit den plötzlichen Überschüssen machen? "Hoffentlich etwas Vernünftiges", sagt Lloyd Scheve, der Executive Vice-President der Two Rivers State Bank, "etwa Schulden abbauen oder in Eisen investieren - neue, bessere Ausrüstung kaufen."

Der deutsche Mähdrescherhersteller Claas hofft darauf. "Normalerweise dauert es nach dem höheren Einkommenszufluss rund 18 Monate, bis die Farmer investieren", sagt Russ Green, Präsident von Claas Omaha, der US-Zentrale des deutschen Landmaschinenherstellers. Bisher verkauft Claas in Nordamerika etwa vom Modell Jaguar rund 500 Einheiten pro Jahr. Stückpreis gut 350 000 Dollar. "Wir müssen neue Kunden gewinnen und sind erst zehn Jahre hier", sagt Green, "wir treten dabei gegen Namen an, die die Farmer hier bereits seit mehr als 100 Jahren kennen und denen sie vertrauen." Um rund neun Prozent pro Jahr wachse das Geschäft aber jetzt schon.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Von der Saat über die Ernte bis zur Verarbeitung – auf jeder Stufe sind deutsche Unternehmen mit dabei.

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