Quasi als Untermieter hat sich die deutsche Degussa auf dem weitläufigen Gelände eingerichtet. Der Spezialchemiekonzern produziert aus einem der Nebenprodukte unter Zugabe eines in Deutschland entwickelten Bakteriums einen Futterzusatz für die Schweine- und Hühnermast. Der Chemiker Paul Caldwell verantwortet in der Degussa-Fabrik die Qualitätssicherung. In den Labors, von wo aus der mehrstufige Gärprozess in Gang gesetzt wird, müssen Besucher Plastiküberschuhe anziehen, "jede noch so kleine Verunreinigung kann eine ganze Charge verderben", sagt Caldwell.
Zwei- bis dreimal im Jahr kommt per Spezialtransport auf Trockeneis eine Bakterien-Lieferung aus Deutschland. Hinter der Halle mit den großen Gärtanks, wo das fertige gelbbraune Granulat in Säcke mit der Aufschrift Biolys gefüllt wird, spielt Sauberkeit keine so dominierende Rolle mehr. Die Luft ist schwer, staubig, es riecht nach Moder und Malz, fast wie in einer Brauerei. 70 Prozent der Produktion gehen nach Übersee für einen Preis von rund einem Dollar pro Kilogramm. Bis zu 130 000 Tonnen kann die Anlage pro Jahr produzieren.
Für Degussa ist der Ethanol-Boom eine zweischneidige Sache. Einerseits wird der Rohstoff Mais teurer. Andererseits sind Viehzüchter, die bisher vor allem Mais als Futter verwandt haben, nun gezwungen, sich nach Alternativen umzusehen. Und dabei soll der Zusatz Biolys wertvolle Dienste leisten. In manchen Gegenden der USA müssen besonders glückliche Schweine leben. Dort ist den Mästern der Mais bereits zu teuer geworden, sie weichen auf Überproduktion der Nahrungshersteller aus - Bruchwaffeln, Kartoffelchips, Brezel, sogar Schokoriegel, meist beschädigte Ware, die nicht mehr in den normalen Verkauf geht.
Nicht nur bei den Fleischproduzenten führt der Ethanol-Boom zu Engpässen. Auch Nahrungsmittelhersteller warnen bereits vor Preiserhöhungen. Doch wer den Regierungssitz des Gouverneurs von Nebraska in der Hauptstadt Lincoln besucht, sieht sofort, wo seine Prioritäten liegen. Auf der Spitze des Capitols, dem höchsten Gebäude weit und breit, steht die sechs Meter hohe Skulptur des Säenden, der mit einer ausholenden Handbewegung Körner verteilt. Ein Gedicht, in den Sandstein neben dem Haupteingang gemeißelt, preist "Mutter Korn".
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