Im Vorzimmer des Gouverneurs Maiskolben allenthalben - am Kaminsims, in Holzvertäfelungen, in Bildern. Vor etwa eineinhalb Jahren sei ihm klar geworden, dass Ethanol eine ganz große Sache wird, sagt Gouverneur Dave Heineman. "Wir haben zu lange nur über eine andere Energiepolitik geredet, jetzt machen wir etwas." Er hat bisher keine Grundsteinlegung oder Inbetriebnahme einer Ethanol-Fabrik in seinem Staat ausgelassen. "Wenn man mir vor zwei Jahren gesagt hätte, sorge dafür, dass in 15 kleinen Gemeinden jeweils 50 neue Arbeitsplätze entstehen, dann hätte ich das als Mission Impossible bezeichnet. Jetzt ist es mit den Ethanol-Fabriken Realität."
Angst vor einer Ethanol-Blase? In Washington fordern Kritiker bereits ein Einfrieren oder gar Zurückschrauben der Subventionen. "Sicher", sagt Heineman, "vielleicht bauen wir eine Fabrik zu viel. Aber ich glaube, der Boom hält noch an. Würden sonst die ganzen großen Investoren dort einsteigen?" Tatsächlich geben Private-Equity-Fonds und Investmentbanken viel Geld aus, um dabei zu sein. Ungemach aus Washington muss der 39. Gouverneur des wichtigsten US-Agrarlandes, das mit 1,8 Millionen Einwohnern flächenmäßig knapp so groß ist wie die alte Bundesrepublik Deutschland, auch kaum befürchten: Sein Vorgänger Mike Johanns ist Bushs Landwirtschaftsminister in Washington.
Vielmehr würden Nebraska und alle Unternehmen, die hier Geschäfte betreiben, goldenen Zeiten entgegensehen. "Denn der nächste Boom", so der Gouverneur freudestrahlend, "lugt bereits um die Ecke: Biodiesel." Erste Anträge für den Bau von Raffinerien sind bereits gestellt. Kein Problem für die Farmer - die werden dann einfach wieder mehr Sojabohnen anbauen und weniger Mais. Und für den Anlagenbau finden sich sicher auch deutsche Unternehmen.
