Gerhard Heilmaier hat ein Auto entwickelt, das zum Klimaretter taugt. Nicht einmal zwei Liter verbraucht der Loremo auf 100 Kilometern. Seit sieben Jahren verfolgt der Tüftler seine Mission. Die Großen der Branche hat er damit längst ordentlich blamiert.
Ob Goggomobil, BMW Isetta oder Lloyd Alexander - die 50er- und 60er-Jahre brachten in Deutschland eine Vielzahl an Kleinwagen in Leichtbauweise hervor. Für Gerhard Heilmaier war das eine gute Zeit. „Wenn wir Autos bauen, welche die Simplizität von damals mit dem heutigen Know-how verbinden, haben wir sichere, einfache und sehr effiziente Fahrzeuge." Damit ist für den Vorstandsvorsitzenden der Loremo AG auch das Grundprinzip des Fahrzeugs beschrieben, an dem er und seine Mitstreiter Stefan Ruetz und Uli Sommer tüfteln: der Loremo.
Die Abkürzung steht für „Low Resistance Mobile", ein Coupé, das ab Ende 2009 in Dorsten in zwei Modellvarianten in Serie produziert werden soll. Den rekordverdächtigen Verbrauch von zwei oder weniger Liter Diesel auf 100 Kilometern verdankt der windschnittige Flitzer seinem geringen Gewicht und dem niedrigen Luftwiderstand. Bei 600 Kilo Gesamtgewicht und 160 Stundenkilometer Spitze, kommt die Sparflunder zudem auf einen CO2-Ausstoß von weniger als 50 g/Kilometer. Ein Wert, der die Entwicklungschefs bei Volkswagen, Mercedes, BMW aber auch Toyota blamiert.
„Wir reduzieren Gewicht und Luftwiderstand und folgen einer simplen physikalischen Gesetzmäßigkeit. Je leichter und aerodynamischer das Fahrzeug ist, desto weniger Energie braucht es", sagt Heilmaier. Der Loremo ist 3,80 Meter kurz, lediglich 1,36 Meter breit und gerade mal 114 Zentimeter hoch. Der cW-Wert liegt bei konkurrenzlos niedrigen 0,22.
„,Supersize Me' hat ausgedient", sagt Heilmaier. Ein Auto für vier Personen müsse nicht viel mehr als 500 Kilo wiegen - der erste Ford Fiesta von 1976 habe noch 730 Kilo gewogen, das aktuelle Modell kommt auf 1,1 Tonnen.
Die tief nach unten gezogene Nase und die elegante Silhouette verleiht dem Loremo die Aura eines Sportwagens. Eine Art Öko-Pörschchen, den der Loremo-Chef als Statement für Nachhaltigkeit ansieht. „Die Motivation für das Team war ursprünglich rein ökologischer Natur. Gestartet sind wir aus der Überzeugung, dass es für so ein Auto einen Markt geben muss."
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Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist skeptisch, obwohl er das Konzept im Prinzip gut findet: „Ob der Markt ein Fahrzeug annimmt, bei dem Fahrgäste Rücken an Rücken sitzen, kann ich nicht einschätzen." Heilmaier verteidigt die Reminiszenz an den Zündapp Janus, ein bis 1958 in Nürnberg produziertes Rollermobil, bei dem die Fondpassagiere ebenfalls mit dem Rücken zur Fahrtrichtung saßen. „Weit mehr als 90 Prozent aller Fahrten werden von ein oder zwei Personen absolviert. Für Kinder ist diese Sitzposition sogar ideal, weil sie im Falle eines Crashs in den Sitz gepresst werden."
Entscheidender für den Erfolg wird wohl aber die generelle Akzeptanz von Spritspar-Autos sein. Die Produktion des 3-Liter-Lupos von VW wurde mangels Erfolg eingestellt. „Der Zeitgeist hat sich geändert," sagt Heilmaier. Der 3-Liter-Lupo sei zu teuer gewesen. Der Loremo dagegen soll sich quasi vom ersten Tag an rechnen. Für Pendler, aber auch für Betreiber von großen Fuhrparks. "Bei steigenden Spritpreisen wird die Anfahrtspauschale zum Wettbewerbsfaktor", sagt Heilmaier, der auch kostenbewusste Fahrer bis 25 Jahre als "ganz wesentliche Zielgruppe" anpeilt. Die will er vor allem über das Internet ködern. Insgesamt rund 50 000 Vormerkungen sind etwa zu gleichen Teilen für beide Modellvarianten eingegangen. Mehr als 15 000 Euro soll das Basismodell nicht kosten.
Technisch gesehen sei der Loremo auf sauberem Kurs. Ob die beiden Modelle aber tatsächlich fristgerecht in Serie gehen, hängt davon ab, ob das Team genügend Investoren findet. Gelingt das, will Vordenker Heilmaier 10 000 Autos pro Jahr absetzen. Doch er wird kämpfen müssen. Große Automobilhersteller könnten ähnliche Leichtbaufahrzeuge auf den Markt bringen und so versuchen, ihre CO2-Bilanz aufzubessern.
Den „Downsizing"- Trend hin zum technisch abgespeckten, leichteren Automobil sieht auch VCD-Mann Lottsiepen. „Damit sich Fahrzeuge wie der Loremo auf dem Markt durchsetzen, brauchen wir eine andere Verkehrskultur."
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Sechs Jahre nach seinem ersten IAA-Auftritt 2001 fährt der Loremo nun tatsächlich, in zwei Jahren soll die Serienfertigung beginnen. Doch schon das Konzept macht deutlich, was für ein ungewöhnliches Gefährt sich hinter dem Auto verbirgt. Der Öko-Flitzer ist 3,80 Meter kurz, lediglich 1,36 Meter breit und gerade mal 114 Zentimeter hoch. Der cW-Wert liegt bei 0,22 - das ist konkurrenzlos in der Branche. Der Wagen basiert auf einem völlig neuen Karosseriekonzept. Er hat keine Türen, sondern eine Schale mit Ähnlichkeit zu einer Badewanne, die nur 95 Kilogramm wiegt. Diese Schale lässt sich nach vorn und hinten öffnen. Platz haben die Passagiere dafür wenig. Den Loremo als Viersitzer zu bezeichnen wäre geprahlt. Auf den Hintersitzen, die Rücken an Rücken zu den vorderen Sitzen angeordnet sind, dürften sich nur Kinder wohlfühlen. Die Loremo AG bietet ihr "Low Resistance Mobile" in zwei Varianten an. Der nur 450 Kilo schwere Loremo LS ("Leicht und Sparsam") ist mit einem 2-Zylinder-Turbodiesel motorisiert, der GT hat drei Zylinder. Bei der Leistung unterscheiden sich die Modelle erheblich. 20 PS (15 kW) beim LS stehen 50 PS (36 kW) beim GT gegenüber. Beide Modelle verbrauchen weniger als 3 Liter auf 100 Kilometern, wobei der GT 2,7 Liter schluckt und der LS 1,5 Liter.
