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22.07.2007 
Biodiesel-Boom in USA?

Der Lockruf des Geldes

von Markus Ziener

George W. Bush hat die Ethanolproduktion in den USA zu einer nationalen Aufgabe erklärt. Dank hoher Subventionen verdienen die Farmer richtig gut an ihrem Mais, der zu begehrtem Ethanol verarbeitet wird. Amerika scheint grün zu werden: Nun soll auch noch vermehrt Soja in Biodiesel umgewandelt werden – doch das Geschäft birgt Risiken.

Maisfelder und Ethanolfabriken beherrschen die Landschaft in Iowa. Foto: M.Ziener

Maisfelder und Ethanolfabriken beherrschen die Landschaft in Iowa. Foto: M.Ziener

MARCUS. Schwungvoll wirft Darrell Downs seine Schirmmütze auf die Theke am Empfang. Dann fragt er: „Ist der Chef da?“ Doch eigentlich fragt Downs gar nicht, Downs ordnet an – freundlich, aber bestimmt. Downs hat Besucher im Schlepptau, und die will er vorstellen. Während der etwas eingeschüchterte junge Mann am Empfang nach dem Chef telefoniert, steht Downs mächtig und unübersehbar im Raum.

Darrell Downs ist der Bürgermeister von Marcus, Iowa. Und das hier ist die Ethanolfabrik von Marcus. Ohne den Bürgermeister gäbe es die grau und silbrig glänzenden Silos und Schornsteine nicht, die in den glasklaren blauen Himmel von Iowa ragen und mit der Produktion von pflanzlichem Benzinersatz für einen angenehmen Geldregen in Cherokee County sorgen. Schon deshalb muss sich Downs nicht vorstellen. Weil hier die Gleichung gilt: Downs gleich Ethanol gleich Wohlstand.

Mit einem siebten Sinn hat Downs zu einer Zeit an den Siegeszug des Ethanols geglaubt, als noch niemand wirklich davon überzeugt war, dass damit richtig Geld zu verdienen ist. 2001 fiel der Beschluss über den Bau der Ethanolanlage, danach konnten die Bürger des County die Aktien der Firma Little Sioux Corn Processors (LSCP) kaufen – 1 000 Dollar kostete ein Anteilsschein und mindestens acht musste jeder nehmen. Dann folgte der erste Spatenstich.

„Wehgetan hat das so manchem“, erinnert sich Rod Ogren, der heute als Wirtschaftsfachmann im Gemeinderat sitzt. Aber wer sich auf das Risiko einließ, für den hat es sich richtig gelohnt. Rund 210 Millionen Liter Ethanol produziert die Fabrik jährlich. Noch im Herbst soll die Kapazität auf 380 Millionen Liter ausgebaut werden. Der Wert eines Anteilsscheins an der Ethanolfabrik ist seither auf bis zu 15 000 Dollar geklettert, und ganz nebenbei wirft das Papier für die rund 600 Aktionäre jährlich schöne Dividenden ab.

Zu danken haben die Aktionäre dafür Downs, dem hohen Ölpreis und George W. Bush. Denn hätte der US-Präsident die Ethanolproduktion nicht zu einer nationalen Aufgabe erklärt und ordentlich mit Subventionen gefüttert, dann wäre die Spritproduktion auf Basis von Mais nie so schnell in die Höhe geschossen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Den Produzenten können Schutzzäune nur recht sein.

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