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22.07.2007 

Die Menschen von Marcus haben auf einmal Geld. Geld, das sie für einen neuen Kühlschrank, ein neues Auto, eine neue Veranda ausgeben. Jim Leavitt vom Hardware-Store „Marcus Lumber“ zeigt verhaltene Freude: „Das Ethanol hat mehr Geld in Umlauf gebracht“, sagt er. Tatsächlich geht es seinem Laden aber so gut wie noch nie in der 87-jährigen Firmengeschichte. Und das soll so bleiben – vielleicht noch besser werden.

Bei Steve Kunzweiler, dem Präsidenten der örtlichen Farmer State Bank, fragen inzwischen mehr und mehr Einwohner nach Krediten. Geld brauchen die Menschen dabei nicht so sehr für ihre persönlichen Bedürfnisse. Geld brauchen sie, um beim neuesten Projekt des Bürgermeisters einzusteigen: eine Soja-Fabrik. Als Downs in seinem silberfarbenen Geländewagen über die Feldwege zwischen dem Mais rumpelt, streckt sich seine Hand in ausladender Geste über das flache Terrain. „Hier wird sie stehen“, sagt Downs und deutet auf Markierungen, die ein riesiges Gelände begrenzen. Ein paar Steinwürfe von der Ethanolfabrik entfernt soll künftig Soja in Biodiesel verwandelt werden.

Diesmal will keiner der Einwohner von Marcus fehlen, wenn die nächste Goldgrube aufgemacht wird. 60 Millionen Dollar soll die Fabrik am Ende kosten. Als nun für eine erste Tranche Anteilsscheine gezeichnet werden konnten, waren im Nu 32 Millionen Dollar zusammen, obwohl in der Startphase nur 25 Millionen Dollar gebraucht werden.

Doch ob sich mit Soja ein Hype wie ums Ethanol wiederholen lässt, ist nicht ausgemacht. In den USA fahren die meisten Autos vor allem mit Benzin, nicht mit Diesel. Der Soja-Diesel ist deshalb nur für einen beschränkten Markt interessant, für Trucks, die Schifffahrt, für Militärfahrzeuge. Zudem unterwandert der Zweifel den Optimismus über den Biosprit. So mehren sich die Berichte darüber, wie sehr der Maisanbau die Lebensmittelpreise in die Höhe treibt. Die Gallone Milch, knapp vier Liter, könnte in diesem Sommer den Rekordpreis von 4,50 Dollar erreichen, und ein Pfund eines New York Strip Steaks geht schon jetzt für 6,99 Dollar statt 4,99 Dollar wie noch im Vorjahr über den Ladentisch. Lebensmittel erleben derzeit den größten Preisanstieg seit 1980, meldete kürzlich das US-Arbeitsministerium.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Die Mehrheit der Farmer hat Viehzucht aufgegeben.

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