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01.02.2008 
Energiepreise

Die Gier der Vier

von Steffi Augter, Hans Jakob Ginsburg, Andreas Große Halbuer und Wirtschaftswoche

Wird Energie zum Luxusgut? Rekordpreise für Rohöl verteuern das Tanken und Heizen; auch die Stromrechnung steigt stetig. Schuld sind der weltweite Rohstoffhunger, fehlender Wettbewerb und staatliche Öko-Abgaben. Wieso die Energiepreise immer weiter klettern – und was Verbraucher und Unternehmen dagegen tun können.

Viele Haushalte haben mit steigenden Strompreisen zu kämpfen. Foto: apLupe

Viele Haushalte haben mit steigenden Strompreisen zu kämpfen. Foto: ap

DÜSSELDORF. „Zukunft statt Braunkohle“ unter diesem Motto verteidigten Aktivisten vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) um die Jahreswende eine Obstwiese, die dem Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler zum Opfer fallen sollte. Inzwischen ist die Wiese geräumt, doch die Zukunt der Energieversorgung ist weiter unklar.

Etwa eine Zukunft ohne Braunkohle – ohne den einzigen Energieträger, den Deutschland reichlich zu bieten hat? 77 Milliarden Tonnen lagern wenige Meter unter der Erde im Rheinland, an der Saar und in der Lausitz; die Vorräte reichen noch Hunderte von Jahren. Doch die Kohle gilt wegen ihrer hohen CO2-Werte als Klimakiller Nummer eins. Die EU-Kommission plant nun sogar, Kohlekraftwerke mit dem Kauf von Emissionssrechten zu bestrafen. Seit die Reduktion von Treibhausgas ganz oben auf der Agenda steht, hat die Kohlelobby schlechte Karten. Überall schwoll der Protest an: Im saarländischen Ensdorf gab die RWE auf, als die Bevölkerung per Bürgerentscheid den Bau eines Kohlekraftwerks ablehnte. In Berlin legte Vattenfall seinen Plan vorerst auf Eis, das alte Braunkohlekraftwerk Klingenberg durch einen Steinkohlemeiler zu ersetzen.

Erst Anti-Kernkraft – jetzt Anti-Kohle? Drohen wieder Sitzblockaden auf den Schienen? Ketten sich die Gegner bald am Schaufelradbagger an? Das wäre fatal. Im vergangenen Jahr vermittelten sowohl der UN-Klimabericht als auch Reden der Kanzlerin und die Konferenz auf Bali den Eindruck, dass allein die Erderwärmung über den Energiemix entscheide. Doch mit steigenden Energiepreisen verschieben sich die Prioritäten: Ein Blick auf die Zapfsäule oder die nächste Heizkostenabrechnung genügt – und die emotional geführte Debatte weicht rationalen Erwägungen. Wie teuer wird die Energie noch? Woher soll sie kommen? Wie viele Tankstopps sind pro Monat noch drin? Wie lange noch können wir uns ein warmes Zuhause leisten? Wird Energie zum Luxusgut?

Panik ist bei einem Rekordölpreis von derzeit um die 100 Dollar je Fass nicht angebracht, aber ebenso wenig spricht gegen Vorsicht und die Rückkehr zur ökonomischen Vernunft. In den hohen Preisen stecken auch positive Effekte: Das energiepolitische Zieldreieck aus Klimaschutz, Liefersicherheit und Wirtschaftlichkeit gerät wieder ins Lot. Sicher ist auch, dass der hohe Ölpreis die Suche nach anderen Möglichkeiten lohnend macht. Allerdings dürften sich dann nur solche Alternativen durchsetzen, die sich rechnen und nicht am Fördertropf des Steuerzahlers hängen.

Doch ein bunter Energiemix ist nur die eine Seite der Medaille – die andere ist der bessere Umgang mit der Energie. „Das wirksamste Mittel gegen steigende Energiepreise ist Effizienz“, sagt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena). So soll beispielsweise der Energieausweis ab Mitte des Jahres für alle verpflichtend sein und zeigen, wo Mieter und Hausbesitzer beim Heizen sparen können. Erhoffte Folge: Ein Fünftel der Wärmeenergie soll so bis 2020 eingespart werden. Um weitere 20 Prozent könnte der Verbrauch im Straßenverkehr allein durch energieeffizientes Fahren gesenkt werden, berechnet der ADAC – und erinnert daran, dass es keinen Cent kostet, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die energiepolitische Sackgasse.

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