Für die Verbraucher sind messbare Vorteile bei all diesen Initiativen rar. Bereits klitzekleine Fortschritte werden bejubelt. Das Bundeskartellamt etwa profitiert von einer gerade in Kraft getretenen Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB). Marktbeherrschende Unternehmen dürfen jetzt keine Preise mehr verlangen, die die Kosten in unangemessener Weise übersteigen. Die Beweislast wird umgekehrt: Nun müssen die Unternehmen belegen, dass höhere Preise gerechtfertigt sind. Geradezu verhöhnend wirkt da, dass mehr als 300 Stromversorger zum Jahresbeginn die Endkunden-Preise kräftig angezogen haben, teilweise um bis zu 30 Prozent.
Ironischerweise könnte die Gier der vier großen Versorger zur vielleicht wichtigsten Triebfeder des Wettbewerbs werden. Denn erstens wird ein Markt mit steigenden Preisen und fetten Margen für Konkurrenten immer attraktiver. Und zweitens mobilisiert eine über das Boulevard geführte Abzock-Debatte die Massen. Strom- und Gaspreise werden stammtischfähig, Energiesparen zum Volkssport. Ähnlich wie bei der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes werden nun Preislisten gewälzt und Anbieter verglichen (siehe Seite 28). Als Trottel gilt, wer sich heute noch von den Konzernen schröpfen lässt.
Still und leise bilden sich erste Inseln des Wettbewerbs. Der Preis für eine Kilowattstunde Strom ist etwa in den Städten Berlin, Hamburg und Bremen nicht gestiegen. Dort drängen Konkurrenten wie Nuon oder Lichtblick mit großem Marketingaufwand in den Markt. Zu verdanken haben die Verbraucher ihre neue Wahlfreiheit der Bonner Bundesnetzagentur. Die Behörde garantiert, dass ein Anbieterwechsel reibungslos über die Bühne geht. Noch liegen keine Zahlen vor, aber Behörden-Chef Matthias Kurth glaubt, dass im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Kunden gewechselt haben. Viele wählen Ökostrom, doch die Masse setzt weiter auf fossile Brennstoffe – weil sie günstiger sind. Das kühle Kalkül kann den Braunkohle-Gegnern von Garzweiler nicht gefallen. Die Obstwiese ist mittlerweile Geschichte.
