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18.06.2007 
Boom alternativer Energien

Die Grenzenlosigkeit des Wachstums

von Susanne Bergius

Alternative Energien übertreffen alle Prognosen. Der Markt orientiert sich allerdings um: Der Finanzierungsschwerpunkt hat sich von der Windenergie hin zur Solarenergie verschoben. Der nächste Schub entsteht durch die Kombination der verschiedenen Erzeugungstechniken.

Offshore-Windpark in der Nordsee: Erzeuger suchen neue Wege. Foto: HBLupe

Offshore-Windpark in der Nordsee: Erzeuger suchen neue Wege. Foto: HB

BERLIN. Allen Zweiflern zum Trotz: Die erneuerbaren Energiequellen (EE) sind zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor geworden. „Erneuerbare Energien entwickeln sich zu einer der wichtigsten Wachstumsbranchen in Deutschland“, sagt Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin Energie, Verkehr und Umwelt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Branche beschäftigt inzwischen 240 000 Menschen und erwartet binnen drei Jahren 60 000 neue Arbeitsplätze. Die Klimaschutzdiskussion gibt dem Markt zusätzlichen weiteren Auftrieb – die Marktaussichten sind glänzend. Das Motto scheint zu lauten: Der Himmel ist das Ziel.

In 40 oder 60 Jahren sei eine Vollversorgung durch erneuerbare Energien möglich, meint Carsten König, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW). Konservative Energieexperten halten das für Zweckoptimismus. Doch da die Branche Erwartungen zu Umsatz, Produktion und Beschäftigten bislang stets übertroffen hat, erhöhen selbst die Skeptiker immer wieder ihre Prognosen. So die Internationale Energieagentur (IEA): Wind- und Wasserkraft, Biomasse-, Solar- und Erdwärmetechnik werden 2030 weltweit mit einem Anteil von 16 Prozent doppelt so viel Energie liefern wie heute. Das von der IEA einst für 2020 prognostizierte Volumen wurde Schätzungen zufolge schon 2006 erreicht.

Noch optimistischer zeigt sich der europäische EE-Branchenverband EREC. Er schätzt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien aufgrund des weltweiten Nachfragebooms bis 2030 auf 35 Prozent steigen wird. Auch die EU ist ehrgeiziger als die IEA. Geht es nach ihr, wird sich 2020 europaweit rund ein Fünftel der Primärenergie aus umweltfreundlichen Energiequellen speisen. Der Anteil könnte in Deutschland 40 Prozent und bei der Stromerzeugung gar 67 Prozent erreichen, schätzt der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE). Solche Erwartungen dämpft das Bundesumweltministerium (BMU): Der Anteil werde von sechs auf 16 Prozent steigen und beim Strom von zwölf auf 27 Prozent.

Das Jahr 2007 jedenfalls startete sehr dynamisch: Der Anteil von Windkraft & Co. an der deutschen Stromerzeugung wuchs im Quartalsvergleich um fast drei Viertel auf 15 Prozent, so der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). Die EE-Branche erwartet einen Umsatzzuwachs von 17 Prozent auf 32 Mrd. Euro und bis 2010 auf 45 Mrd. Euro.

Ein Viertel des Wachstums rührt vom Export, Tendenz steigend. Die hiesigen Hersteller profitieren vom Energiehunger aufstrebender Nationen wie Indien und China. „Die Förderung dieser Techniken hierzu-lande dient dem Klimaschutz weltweit“, sagt daher Björn Pieprzyk von der vom BMU und der Branche getragenen Kampagne „Unendlich viel Energie“. Trotz der Erfolge wäre es falsch, die Förderung zu kürzen, sagt Claudia Kemfert vom DIW: Während eine Fokussierung auf fossile Energie auf Dauer wegen hoher Öl- und Gaspreise Kosten von bis zu 25 Mrd. Euro verursachen würde, führe die EE-Förderung zu einer Entlastung von zwölf Mrd. Euro.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Erneuerung veralteter Technik kann enorm zum Klimaschutz beitragen.

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