Auf der Suche nach einer umweltfreundlichen Energiequelle haben die Stadtwerke Düsseldorf (SWD) eine altbewährte Technik für sich entdeckt. Doch trotz ihre Öko-Images wird die so genannte Holzvergasung von Umweltwissenschaftlern auch kritisch betrachtet.
Holz als Rohstoff zur Stromerzeugung - die Stadtwerke Düsseldorf setzen auf diesen Weg
DÜSSELDORF. Die Anlage dafür steht im sauerländischen Arnsberg. Das ist ein rentables Zusatzgeschäft, denn die Stadtwerke tun damit nicht nur etwas für ihr Öko-Image, sondern profitieren auch vom Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Für jede eingespeiste Kilowattstunde gibt's 20 Cent. „Da sind wir auf eine richtig feine Technik gestoßen“, freut sich Udo Damm, Leiter der Abteilung für Technologieentwicklung bei den SWD.
Bei der Holzvergasung handelt es sich um ein Prinzip, das bereits im Jahr 1921 Autos fahren ließ. „Wenn Holz verbrannt wird, geht 85 Prozent dieser Materie in ein Schwelgas über und damit in Energie, die bislang ungenutzt blieb“, weiß der Bioenergie-Beauftragte des Landes Baden-Württemberg Siegfried Rapp. In den neuen Holzvergasungs-Kraftwerken ändert sich dies jetzt. Die Hackschnitzel aus dem Wald werden dort auf rund 700 Grad Celsius erhitzt. Dabei entsteht im sogenannten Wirbelschichtverfahren Pyrolysegas, das stromproduzierende Gasmotoren antreibt. Auch die freigesetzte Wärme lässt sich nutzen. Die Firma Bauer-Holzenergie in Bad Rappenau beispielsweise, die mit einer Zwei-Megawatt-Anlage Strom erzeugt, speist die entstehende Wärme in ein sechs Kilometer langes Leitungsnetz ein, an das unter anderem Kliniken, ein Hallenbad und Privathäuser angeschlossen sind.
Einziges Problem bisher: Die Teer- und Phenolbildung während des Schwelvorgangs. Ein nachgeschalteter keramischer Filter bringt jetzt jedoch Abhilfe und sorgt für sauberes Gas. Von derzeit drei Prozent im Strom- und 5,8 Prozent im Wärmesektor soll sich der Anteil der grünen Energie nach einer Prognose des Bundesverbandes Bioenergie bis zum Jahr 2020 auf mindestens zehn Prozent erhöhen. Im vergangenen Jahr war Holz die meistgenutzte Biomasse - es lieferte zehn von insgesamt 17 Mrd. Kilowattstunden Strom. Dass weiterhin ausreichende Mengen des Rohstoffs vorhanden sind, bestätigt der Deutsche Bauernverband: Alleine durch das bisher kaum genutzte Waldrestholz stehen im Jahr etwa 20 Mill. Kubikmeter Biomasse zur Verfügung. Zusätzlich wird der Anbau schnellwachsender Baumarten - wie Pappeln und Weiden - in Erwägung gezogen.
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Nach einer Studie des Instituts für Energetik und Umwelt in Leipzig könnte europäisches Biogas bis 2020 große Teile der Erdgasimporte aus Russland ersetzen, sofern das Potenzial von 500 Mrd. Kubikmetern jährlich tatsächlich genutzt würde. Damit ließe sich auch eine neue europäische Richtlinie erfüllen, die festlegt, dass bis 2020 der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch in Europa 20 Prozent betragen soll. Doch es gibt auch massive Kritik am Einsatz nachwachsender Rohstoffe für die Energiegewinnung, da dadurch die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen und Nahrungsmittel knapper werden. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Leiter der Umweltfakultät der Universität von Kalifornien, kritisiert zudem: „Hier findet ein großer Raubbau an der Natur statt, den man nicht mit dem Heiligenschein Klimaschutz bemänteln sollte.“
Stefan Vogg, Vorstandsmitglied des Energieversorgers ist trotzdem optimistisch, was die Zukunft von Biogas angeht: „Wir glauben, dass Biogas in wenigen Jahren ganz wirtschaftlich zu weltmarktfähigen Preisen hergestellt werden kann.“
Der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick beliefert bereits seit diesem Monat als erstes Unternehmen in Deutschland einige Privathaushalte mit Biogas - als fünfprozentige Beimischung zum Erdgas. „Wir sorgen für Wettbewerb, ökologisieren die Gasversorgung und werden die verkrusteten Strukturen der Gaswirtschaft aufbrechen“, sagt der Geschäftsführer des alternativen Energieanbieters, Heiko von Tschischwitz.

